Rotterdam – Keine klassische Schönheit, aber sehenswert

Die Aufzugtüren öffnen sich und wir betreten die Nhow Bar des gleichnahmigen Hotels. Hier ist schon gut was los: Menschen unterschiedlicher Nationen sitzen in den bequemen Sesseln, auf Barhockern oder stehen rund um die bunt-beleuchtete Theke, die mir als Mittelpunkt der Nhow Bar direkt ins Auge springt. Der Raum ist erfüllt von einem Gewirr unterschiedlicher Sprachen und ich schaue in viele fröhliche, entspannte Gesichter. Mein Blick wandert weiter zu der großen Glasfront vor uns und auf die Lichter von Rotterdam. Genau deshalb sind wir hier: Die Nhow Bar ist eine Skybar und da sie dem Stadtzentrum gegenüber auf der anderen Seite der Neuen Maas liegt, hat man von hier einen tollen Blick auf die Stadt und die Erasmusbrücke. Wir haben Glück und ergattern noch zwei Sessel direkt am Fenster. Hier machen wir es uns gemütlich und genießen unseren letzten Abend bei Cocktails und Fingerfood. Morgen geht es weiter nach Den Haag, was ich schon etwas schade finde, denn obwohl Rotterdam keine klassische Schönheit ist, hat mich die Stadt in den letzten zwei Tagen für sich gewonnen. Lassen wir sie doch einmal revue passieren…

Eigentich wollten wir das lange Wochenende Ende Oktober/Anfang November nutzen, um nach Lissabon zu fliegen, doch die Flugpreise waren gigantisch. Das galt auch für andere Reiseziele und so sollte es eine Zugreise werden. Was liegt da in Aachen nahe? Richtig, ein Besuch der Nachbarn in den Niederlanden oder Belgien. Rotterdam hat mich schon lange gereizt und da wir ein paar freie Tagen hatten, beschlossen wir, auch noch Den Haag zu besuchen. Dass Rotterdam ganz anders ist als Amsterdam war mir bewusst und ich erwartete auch keine von süßen Häusern gesäumte Grachten und Kopfsteinpflasterstraßen. Ich erwartete eine moderne, coole Stadt mit Metropolcharakter. Und genau das habe ich vorgefunden, genau damit hat mich Rotterdam von sich überzeugt. Schöne Grachten mit alten, süßen Häusern haben wir allerdings auch gefunden.

Markthalle und Kubus-Häuser

Ich finde es ja immer wieder schön, wenn ich Orte, die ich schon so oft auf Bildern in den sozialen Netzwerken gesehen habe, selbst besuche. Dazu zählen auch die Markthalle und die Kubushäuser in Rotterdam. Die Markthalle unterscheidet sich sehr von den Markthallen, die ich bisher besucht habe. Sie ist recht neu und modern, mutet sogar etwas futuristisch an. Wer Hunger hat aber noch unschlüssig ist, wonach ihm der Sinn steht, ist hier richtig aufgehoben. Neben typisch niederländischen Snacks gibt es unter anderem asiatische, italienische, arabische, indische Stände. Wir entscheiden uns für Arabisch und beobachten beim Essen von der „Dachterrasse“ des Standes das Treiben in der Markthalle.

Auch die Kubushäuser können wir bereits sehen. Hier wollen wir als nächstes vorbeischauen. Die gelben Würfel sind wirklich interessant und ich frage mich, wie es wohl ist, in einem solchen zu wohnen. Zentral gelegen sind die Wohnungen auf jeden Fall und der alte Hafen direkt vor der Haustür ist auch schön, aber man hat ständig Neugierige im Hof rumlungern, die staunend die Köpfe in den Nacken legen und Fotos schießen – so wie ich.

Die andere Seite der Neuen Maas

Wer an Rotterdam denkt, der denkt sicherlich zum einen an den riesigen Hafen und zum anderen an die Erasmusbrücke. Über sie laufen wir aus der Innenstadt in den südlicheren Teil Rotterdams. Hier befindet sich auch das Nhow-Hotel mit der tollen Sky Bar.

Entlang der vielen modernen Hochhäuser spazieren wir an das Ende der Halbinsel, auf der wir uns jetzt befinden. Wir kommen auch am Fährterminal vorbei und ich muss an unsere Minikreuzfahrt in der Ostsee denken. Schiffsreisen haben für mich etwas abentuerliches und am Liebsten würde ich sofort wieder auf ein Schiff steigen. Doch stattdessen umrunden wir das schicke Hotel New York, indem sich einst die Holland Amerika Lijn befand, und blicken gen Horizont, an dem sich die Kräne des Rotterdammer Hafens in die Höhe recken.

Über die kleine Rijnhavenbrug gelangen wir auf die Halbinsel Katendrecht und zur Fenix Food Factory – einen überdachten Street Food Markt. Hier tummeln sich viele junge Menschen, den Gesprächen nach zu urteilen auch viele Erasmus-Studierende. Während wir an einem der großen Tische unser leckeres Mittagessen verputzen, bemerkt eine solche Gruppe, dass heute ja Zeitumstellung ist und sie es kollektiv vergessen haben. Anschließend gönne ich mir einen Chai Latte, während sich mein Mann für ein Bier der Kaapse Brouwers entscheidet. Bei der Auswahl und den vielen Zapfhähnen ist das allerdings nicht so leicht. Mit musikalischer Untermalung eines Jazz-Trios lassen wir uns unsere Getränke schmecken.

Delfshaven – typisch Holland

Wer das typische Holland bzw. eine Altstadt in Rotterdam sucht, der sollte nach Delfshaven gehen bzw. fahren. Der ehemalige Flusshafen ist eine ganz andere Welt. Statt moderner Wolkenkratzer stehen hier renovierte Altstadthäuser, auf dem Wasser treiben kleine Boote und an der Spitzer einer Insel steht eine alte Windmühle. Ursprünglich gehörte der Hafen zu Delft, war zwischenzeitlich eine eigene Stadt und gehört seit 1886 zu Rotterdam.

Wer also behauptet, Rotterdam sei hässlich und habe nichts mit Städten wie Amsterdam gemeinsam, der war noch nicht in Delfshaven.

Tolle Rundumsicht vom Euromast

Den wohl besten Blick auf Rotterdam hat man vom Euromast, einem 185 Meter hohen Aussichtsturm. Mit dem Aufzug fahren wir ersteinmal 96 Meter nach oben und treten nach draußen in den Sonnenschein. Die Sicht ist gut und bis auf ein wenig Wind ist es das perfekte Wetter, um die Aussicht von hier oben zu genießen. Die Plattform ist für mich, die ein wenig Höhenangst hat, breit genug und das Geländer hat eine akzeptable Höhe.

Für meinen Mann darf alles gerne immer höher, schneller, weiter sein und er lässt es sich nicht nehmen, mit einem sich drehenden Glasaufzug weiter empor zu fahren. Ich bleibe lieber hier „unten“, setze mich auf eine der Bänke und genieße die Sonne. Plötzlich frischt der Wind auf und der Euromast fängt an zu schwanken. Ich versuche cool zu bleiben, doch irgendwann packt mich doch die Panik und schwups, stehe ich im Aufzug nach unten, wo ich auf meinen Mann warte, dem das ganze natürlich mal wieder gar nichts ausmacht.

Alles in allem konnte mich Rotterdam sehr schnell für sich gewinnen und ich kann es nur jedem ans Herz legen, dieser coolen Stadt eine Chance zu geben.

Geschlafen haben wir im Hotel Rotterdam, in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof.

Gegessen haben wir bei Le Souq in der Markthalle, in der Fenix Food Factory, bei Dunya Lokanta und in der Nhow Bar.

 

 

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