Triathlon à la Utrecht

Etwas ermattet ergreife ich die Hand des jungen Niederländers, der mir netterweise aus dem Kajak hilft. Beim ersten Versuch rutschen mir meine Beine weg und ich muss mich ein wenig umpositionieren. Doch dann schaffen wir es mit vereinten Kräften, mich an Land zu bekommen. Janas Kräfte scheinen nicht so verschwindend gering zu sein wie meine, denn im nächsten Augenblick steht sie auch schon neben mir. Ein letzter Kraftakt liegt noch vor uns, denn es ist gar nicht so einfach, unsere großen Taschen aus den wasserdichten Packtaschen zu ziehen. Trotz all der Anstrengung, die hinter uns liegt, steigen wir anschließend strahlend die Treppe zur Straße hinauf. Die letzten zwei Stunden auf Utrechts Grachten waren ein absolutes Highlight. Und nur eine von drei sportlichen Disziplinen an diesem Wochenende…

Jessi Startbild (1 von 1)

Zu Fuß in, unter und über Utrecht

„Andere liegen jetzt irgendwo am Badesee oder in kühlen Räumen und bewegen sich möglichst wenig. Und wir?“ Und wir erkunden bei gut 35°C die niederländische Studentenstadt Utrecht. Doch trotz der hohen Temperaturen genießen Jana und ich jede Minute, denn Utrecht gefällt uns vom ersten Moment an. Schon unser süßes Zimmer im B&B mit Blick auf die Neue Gracht hat einen ganz besonderen Charme.

Blick aus Fenster (1 von 1)

Hoch motiviert folgen wir unserem Guide durch Utrechts Straßen, in versteckte Grünanlagen sowie die Treppen zur Gracht hinunter und wieder hinauf. Wir werfen einen Blick auf den größten Blumenmarkt der Niederlande und in ein belgisches Café, das in einer ehemaligen Kirche untergebracht ist. Später in der Dämmerung besuchen wir einige dieser Orte erneut. Diesmal den Pfeilen folgend, die eigens für den illuminierten Rundgang in das Pflaster eingelassen wurden.

Garten (1 von 1)

Kloster (1 von 1)

Straße (1 von 1)

Wir lassen es uns natürlich auch nicht nehmen, das bedeutendste und so geschichtsträchtige Ereignis, das Utrecht im Jahre 1674 widerfuhr, näher unter die Lupe zu nehmen. Also schließen wir uns einer Führung unter dem Domplein an, auf dem sich in grauer Vorzeit bereits die Römer angesiedelt hatten. Mitten auf dem Platz, zwischen Domturm und Domschiff, führt eine Treppe hinab in die angenehm kühle Unterwelt von Utrecht. Wie kann es überhaupt sein, dass Turm und Schiff so weit voneinander entfernt stehen? Im Sommer des bereits genannten Jahres 1674 tobte ein schwerer Sturm über der Stadt und brachte das Hauptschiff des Domes zum Einsturz. Aus Geldmangel und weil die Menschen dieses Ereignis als Strafe Gottes deuteten, wurde es nicht wieder aufgebaut.

Domturm (1 von 1)

Ein sehr gutes Bild davon, wie riesig der Utrechter Dom einst gewesen sein muss, bekommen wir aus der Vogelperspektive. Denn die Sommerhitze kann uns auch nicht davon abhalten, die 465 Stufen des Domturms zu erklimmen. Zu Beginn ist die Treppe recht breit und wir halten auf jeder der Zwischenetagen kurz inne, um den Erläuterungen unseres Guides zu lauschen. Den letzten, engen Abschnitt quäle ich mich laut pustend und schnaufend hinauf. Wieder unter freiem Himmel muss ich erst einmal tief durchatmen, bevor ich Utrecht von oben genießen kann.

Glocken (1 von 1)

Dom von oben (1 von 1)

Erste Disziplin des Triathlon à la Utrecht – Laufen: check!

Im Takt der Musik die Grachten erpaddeln

Als wir unterhalb unseres B&B gemütlich am Rand der Neuen Gracht sitzen und unser Mittagessen genießen, passieren uns allerlei Wasserfahrzeuge. Darunter sind auch einige Kajaks und sofort ist Jana Feuer und Flamme. „Das müssen wir auch machen!“ Kurze Zeit später hat sie im Internet die Adresse des Verleihs ausfindig gemacht. Die Vorfreude ist ihr deutlich anzumerken. Also nichts wie los zur Alten Gracht und rein ins nasse Vergnügen.

Grachtufer (1 von 1)

Meine Paddelerfahrung liegt schon fast zwei Jahrzehnte zurück und in meinen Armen findet man eher Wackelpudding als Muskeln. Also entscheiden wir uns für ein Doppelkajak. Auch die Besetzung steht schnell fest: Jana sorgt hinten für den Antrieb, ich unterstütze sie vorne und mache Fotos. Auf der Alten Gracht herrscht an diesem sommerlichen Nachmittag Hochbetrieb: Kajaks, Tretboote, kleine Motorboote und sogar einige größere Boote. Zum Glück ist die Gracht recht breit, denn gerade zu Beginn wirkt unser Wasserballett im Doppel etwas unbeholfen. Doch mit jedem Meter, jedem Tunnel und jedem Wassergefährt, das wir überholen, werden wir besser.

Jana und Jessi (1 von 1)

Tunnel (1 von 1)

Am schönsten ist die Fahrt durch die Neue Gracht. Hier wirkt alles so ruhig und entspannt. Das Wasser fließt sacht vor sich hin, wir begegnen kaum anderen Booten und die Umgebung wirkt schon fast verwunschen. Wieder in der Alten Gracht inspiriert uns ein „Partyboot“ voller jugendlicher Niederländer. Ab sofort gibt Janas Laufmusik, die aus ihrem Smartphone tönt, den Takt an. Rechts, links, rechts, links… Immer im Gleichtakt. Wie Musik doch motivieren kann! Nach fast zwei Stunden und 8,5 km Paddelstrecke verlassen auch Jana langsam die Kräfte – von meinen möchte ich erst gar nicht reden – und wir sind froh, dass der Kajakverleih in Sicht ist.

verwunschen (1 von 1)

Jessi (1 von 1)

verwunschen 2 (1 von 1)

Zweite Disziplin des Triathlon à la Utrecht – Paddeln: check!

Komm, wir gehen eine Runde fietsen

Was wären die Niederlande nur ohne ihre Drahtesel? Sie gehören einfach dazu, egal ob klingelnd auf den Straßen oder angekettet an den Geländern der Grachten. Es ist nicht das erste Mal, dass ich in den Genuss komme, durch die ebene Landschaft des schönen Nachbarlandes zu radeln. Auf dem Programm steht eine etwa sechs Kilometer lange Radtour zum Slot Zuylen, einem Schloss in der Ortschaft Oud-Zuilen. Doch schon vor Antritt der Tour sind wir uns sicher, dass es viel zu schade ist, die bequemen Hollandräder nur für diese relativ kurze Strecke zu nutzen.

Jessi Rad (1 von 1)

Als sich der kurze aber heftige Regenschauer endlich verzogen hat, kann es losgehen. Schnell werfen wir einen Blick auf die Karte, doch der Weg erklärt sich eigentlich von selbst: Einfach dem Fluss Vecht folgen. Zuerst geht es ein Stück über Utrechts kopfsteingepflasterte Straßen. Als wir die letzten Häuser hinter uns lassen, wird der Untergrund glatt. Viel los ist noch nicht. Kein Wunder, es ist Sonntagmorgen und außer ein paar Joggern, Radlern und Hundebesitzern begegnen wir kaum jemandem.

Vecht (1 von 1)

Wie vermutet erreichen wir das Schloss trotz Fotostopps bereits nach einer guten halben Stunde. Auch hier ist alles ruhig und wir nutzen die schöne Kulisse für eine kleine Pause. Es tut richtig gut, einmal aus der trubeligen Stadt ins Grüne zu fahren und die Seele baumeln zu lassen.

Schloss (1 von 1)

Schloss Spiegelung (1 von 1)

Schloss Tor (1 von 1)

Schloss Deko (1 von 1)

Das unerwartet schöne Wetter treibt uns weiter. Also schwingen wir uns wieder auf unsere Drahtesel und fahren Richtung Seenplatte, die Jana bei einer Vorabrecherche ausfindig gemacht hat. Unterwegs sind wir an jeder Ecke verzückt: Windmühlen, kleine dicke Ponys und gemütlich wirkende Traumhäuser. Bevor wir unsere Radtour nach ca. 30 km in Utrecht beenden, kehren wir noch im Restaurant Belle in Oud-Zuilen ein. Das Belle möchte ich euch auf jeden Fall ans Herz legen. Es ist einfach herrlich, auf der Terrasse zu sitzen, die Schiffe auf der Vecht zu beobachten und mit dem kleinen Hund zu flirten, der es immer wieder schafft, unter dem Zaun hindurch auszubüchsen, um sich seine Streicheleinheiten zu holen. Werft auf jeden Fall auch einen Blick in die Räumlichkeiten!

Jessi Rad Landschaft (1 von 1)

See (1 von 1)

Dritte Disziplin des Triathlon à la Utrecht – Radfahren: check!

Vielen Dank an das Niederländische Büro für Tourismus & Convention für die Einladung nach Utrecht. Meine Meinung ist und bleibt wie immer meine eigene.

Danke auch an Jana für das schöne Wochenende und die Paddelfotos.

Ich freue mich über das Teilen dieses Beitrags:

Noch mehr spannende Posts:

2 comments

  1. Hi Jessi,

    wow! Da wart ihr aber sehr sportlich in Utrecht unterwegs! Da kann ich nicht mithalten, statt des Kanus habe ich das Touriboot genommen (es war aber auch kalt an dem Tag) und statt selber radeln hat mich Susanne auf dem Gepäckträger ihres Hollandrades mitgenommen! Aber immerhin bin ich selber die Treppenstufen des Doms hochgestiegen! :-) Utrecht ist echt die schönste Stadt, die ich in diesem Jahr besucht habe!

    LG Nicole

Schreibe einen Kommentar

Required fields are marked *.