#4Städtein6Tagen: Überfahrt nach Tallinn und ein Tag mit Usselswetter

Am Nachmittag kehren wir zum Fährterminal in Stockholm zurück, holen unser Gepäck aus dem Schließfach und betreten die Baltic Queen. Dieses Mal ist uns eine Premium Kabine zugewiesen worden, die mit einem Doppelbett, zwei Handtüchern pro Person und einer regelbaren Heizung aufwartet. Letztere scheint allerdings nicht so wirklich zu funktionieren und so bleibt die Kabine – wie auch schon auf der Fahrt nach Stockholm – leicht frisch. Wir stellen unser Gepäck ab und erkunden erst einmal das Schiff, das ähnlich aufgebaut ist wie die Romantika, die uns gestern nach Stockholm gebracht hat. Leider gibt es hier aber kein so großes Sonnendeck; wir können die Hafenausfahrt wahlweise von Backbord oder Steuerbord aus genießen. Die Sonne geht über den Schäreninseln unter und wir stärken uns am Buffet, bevor wir den Abend mit einem Drink und der Tanzshow ausklingen lassen.

Auch in dieser Nacht ist die See ruhig und nach einem leckeren Frühstück genießen wir ausgeruht den ersten Blick auf Tallinn. Auf diese Stadt freue ich mich besonders, denn schon die vielen Fotos, die ich mir vor der Reise angesehen habe, zeigen, dass Estlands Hauptstadt wunderschön sein muss. Der Weg vom Fährterminal bis zum Hotel ist kurz und unkompliziert: Wir folgen einfach dem Weg ums Hafenbecken, umrunden eine Häuserzeile und schon rückt das Tallink Spa & Conference Hotel in unser Blickfeld. „Sehr schick hier!“ ist mein erster Gedanke und als ich den Spa-Bereich direkt hinter dem Empfang entdecke füge ich noch ein „wie cool“ hinzu.

Auch unser Eckzimmer mit Blick auf den Fährhafen gefällt uns sehr. Jetzt muss nur noch das Wetter besser werden, denn das lässt wirklich zu wünschen übrig. Es ist grau, kalt und windig – richtiges Usselswetter. Das schreit regelrecht nach einem Museumsbesuch. Zufällig steht auch ein solcher auf unserer Liste: Lennusadam Seaplane Harbour. Schnell checken wir noch einmal die Route dorthin und machen uns auf den Weg.

Direkt neben unserem Hotel erstreckt sich die Linnahall. Das imposante, aber mittlerweile leicht verfallene Bauwerk diente von 1980 bis 2001 als Multifunktionshalle und ist heute als Lost Place ein beliebter Treffpunkt und Fotospot. Wir lassen die Halle erst einmal rechts liegen und biegen auf einen Trampelpfad ab, der bis zum Museum am Wasser entlang verläuft. Kurz vor unserem Ziel passieren wir einen weiteren beliebten Lost Place: Das Patarei Gefängnis.

Wir verbringen die nächsten Stunden im ehemaligen Wasserflugzeughangar, informieren uns über die estnische Seefahrt, klettern in ein altes U-Boot und erkunden auf dem Außengelände unterschiedliche Schiffe (zum Museum wird es noch einen separaten Artikel geben). Auch als wir zum Schluss des Besuchs den vor Anker liegenden Eisbrecher wieder verlassen, hat sich das Wetter nicht gebessert. So langsam setzt außerdem die Dämmerung ein und wir beschließen, den Abend in der Altstadt zu verbringen.

Wenn ihr dachtet, deutsches Kopfsteinpflaster sei fies, dann wart ihr noch nie in Tallinn. Die alten Steine auf den Straßen sind größtenteils rund und selbst mit flachen Schuhen führen wir einen ganz schönen Eiertanz auf. Schön sieht es trotzdem aus und es passt perfekt zum durch und durch mittelalterlichen Ambiente der Stadt. Mittelalterlich geht es auch im III Draakon zu. Im ehemaligen Gerichtszimmer des Rathauses bestellen wir uns Elchsuppe und schlürfen sie bei Kerzenschein direkt aus dem getöpferten Becher. Kalt ist uns jetzt jedenfalls nicht mehr und nach dem Genuss der Suppe und zwei Pasteten sind wir auch gesättigt. Es kann also weitergehen.

Unser Spaziergang durch die Altstadt führt uns schließlich auf den Domberg, von dem wir einen tollen Blick auf die Dächer Tallinns haben. Mittlerweile ist es dunkel und als wir auf dem Weg nach unten plötzlich vor einem Mönch mit beleuchteter Kapuze stehen, bekomme ich einen riesen Schreck. Mein Mann findets lustig und nach der ersten Schrecksekunde kann auch ich über mich selbst lachen. Gruselig sind die insgesamt drei Mönche trotzdem.

Bevor es ins Hotel zurück geht, machen wir einen Abstecher in die Labor Bar. Der Name ist Programm: An den Wänden hat sich ein Künstler mit Laborszenen in Neonfarben verewigt und die Cocktails werden wahlweise in Kolben oder Reagenzgläsern serviert. Wir sind die einzigen Gäste und lassen uns an der Bar erst einmal beraten. Unsere Wahl fällt auf Ether und Nitromethan – jeweils zehn Shots in Reagenzgläsern. Die Getränke selbst sind nichts Besonderes, aber die Location ist gut durchdacht und das Preis-/Leistungsverhältnis passt.

Der erste Eindruck von Tallinn ist schon mal sehr gut und ich freue mich auf den nächsten Tag bei hoffentlich etwas besserem Wetter.

 

Vielen Dank an Tallink Silja Line für die Einladung zu dieser Reise. Meine hier geschilderte Meinung ist wie immer meine eigene und durch die Einladung nicht beeinflusst worden.

 

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