#4Städtein6Tagen: Rundgang durch das schöne Tallinn, ein sehr kurzer Flug und Helsinki fällt ins Wasser

Ein Blick aus den Fenstern unseres Hotelzimmers verrät uns zwei Dinge: 1. Das Wetter ist auch heute wieder grau, 2. Die AIDA liegt vor Anker und spuckt fröhlich eine Reisegruppe nach der anderen aus. Da wir beides nicht ändern können, registrieren wir es einfach mit einem Achselzucken und fahren mit einem der vier Glasaufzüge nach unten zum Frühstücksraum. So wie vor einigen Tagen in Riga ist auch das Frühstücksbuffet im Tallink Spa & Conference Hotel umfangreich und lässt keine Wünsche offen. Gut gestärkt starten wir zu unserem Stadtrundgang durch Tallinn.

Bevor wir die Altstadt betreten, spazieren wir erst einmal auf der Linnahall entlang. Ich versuche mir vorzustellen, wie einst kulturbegeisterte Herren und Damen in ihren schicken Roben die Treppen der Mehrzweckhalle empor geschritten sind. Bei den kaputten Lampen, dem bröckelnden Beton und der vielen Street Art ist das gar nicht so einfach. Außerdem wirkt das Gebäude eher wie ein Bollwerk und weniger wie ein Ort für die feine Gesellschaft. Schade, dass die Eingänge verbarrikadiert sind. Wie wohl das Innere aussieht?

Wir spazieren durch die schöne Gasse Katariina käik, die im Gegensatz zu gestern Abend gut besucht ist. Um uns herum wird viel Deutsch gesprochen und wir vermuten, dass es sich um die Tagesgäste von der AIDA handelt. Am östlichen Ende der Gasse verläuft ein Teil der sehr gut erhaltenen Stadtmauer von Tallinn. Für 3,00 € pro Person erklimmen wir einen der Türme und spazieren auf der Mauer entlang. Ich hatte mir hiervon irgendwie mehr versprochen, vor allem eine schönere Sicht. Hierfür ist die Mauer allerdings zu niedrig. Oder die Häuser sind zu hoch.

Einen schöneren und kostenlosen Blick auf Tallinns Dächer hat man eindeutig vom Domberg. Auch der ist heute von deutschsprachigen Kreuzfahrttouristen bevölkert. Trotzdem haben wir ohne langes Warten an mehrer Stellen freie Sicht auf die Stadt und können ganz in Ruhe die Aussicht genießen. Im Sommer sieht das Ganze wahrscheinlich anders aus. Während ich meine Fotos schieße, lausche ich belustigt und etwas irritiert den Gesprächen einiger älterer Touristen: „Wenn wir so weitermachen, haben wir ja gleich schon die ganze Stadt gesehen.“ „Dann können wir uns doch gleich noch in ein Café setzen und was trinken.“ „Ach, ich würde lieber wieder aufs Schiff zurück.“ Innerlich erkläre ich die kleine Gruppe für völlig bekloppt. Da sind sie im schönen Tallinn – und das wahrscheinlich nur einmal in ihrem Leben – und wollen lieber auf einem Kreuzfahrtschiff rumhocken…

Auf dem Weg vom Domberg in die Stadt begegnen wir wieder den drei Mönchen, die bei Tageslicht und dem Menschenandrang gar nicht mehr gruselig sind. Unser nächstes Ziel ist das Pfannkuchenrestaurant Kompressor. Wir haben Glück und ergattern den letzten freien Tisch. Wie in Tallinn (oder vielleicht auch generell in Estland) üblich, holen wir uns die Speisekarte von der Theke und geben dort anschließend auch unsere Bestellung auf; bezahlt wird direkt beim Bestellen. Unsere herzhaften Pfannkuchen sind mächtig und ich muss irgendwann kapitulieren.

Für den Nachmittag steht ein weiteres Museum auf dem Programm: Das Hotel Viru. Das von außen recht unspektakuläre, kastenförmige Hotel liegt nicht weit von der Altstadt an einer Kreuzung. Etwas irritiert stehen wir vor den Drehtüren des Hotels. Ein Hinweis auf das KGB-Museum ist nirgends zu finden. Schließlich bereten wir einfach die Lobby und finden im hinteren Teil tatsächlich einen kleinen Infoschalter, der Touren durch das Museum anpreist. Wir haben Glück: Die nächste Führung auf Englisch findet in einer halben Stunde statt und es sind auch noch Plätze frei (zum Museum wird es noch einen separaten Artikel geben).

Ironischerweise schließt sich heutzutage direkt eine Shopping Mall an das einst so kommunistisch geführte Hotel an. Hier schlendern wir ein wenig an den Schaufenstern vorbei, bevor wir noch eine letzte Runde durch die Altstadt drehen. Für unser Abendessen reisen wir ins Mittelalter zurück und nehmen an einem der groben Holztische im Olde Hansa Platz. Schon beim Betreten des nur von Kerzen beleuchteten Restaurants wird jeder Gast nach seiner Muttersprache gefragt und bekommt entsprechend eine Speisekarte und einen Kellner „an die Hand“. Die Gerichte sind kreativ, fleischlastig und sehr lecker. An einem der Tische in der großen Halle hat eine Gruppe englischer Damen Spaß mit ihrem Kellner und auch wir lauschen amüsiert seinen Geschichten und Erläuterungen.

 

Unsere Baltikumreise lassen wir später im Spa des Hotels ausklingen, dessen Nutzung für alle Übernachtungsgäste inbegriffen ist. An der direkt am Pool angeschlossenen Bar bestellen wir uns zwei Cocktails und schlürfen sie im Whirlpool. Auch hier liegt leider wieder die Vermutung nahe, dass es Balten gerne kühl haben; der Whirlpool könnte wärmer sein. Anschließend bestellen wir uns an der Rezeption noch zwei Frühstücksboxen zum Mitnehmen, denn am nächsten Morgen geht es für uns sehr früh zum Flughafen.

Leider wird das Wetter am Abreisetag noch eine Stufe schlechter. Schon auf den wenigen Metern vom Hotel zur Bushaltestelle werden wir nassgeregnet und das ändert sich im Laufe des Tages auch nicht mehr. Für 2,00 € pro Person kommen wir mit dem Bus direkt vom Hotel zum Flughafen.

Von Tallinn nach Helsinki erleben wir unseren bis dato kürzesten Linienflug von 25 Minuten. Die Anschnallzeichen gehen für spektakuläre zwei Minuten aus und dann direkt wieder an. Zu sehen gibt es nichts, denn aufgrund der kurzen Strecke fliegen wir recht tief, was heute bedeutet: durch die Wolken. Von Helsinki sehen wir genauso wenig, denn hier kommt zum Regen auch noch Wind hinzu, was das Halten von Regenschirmen so gut wie unmöglich macht. Zum Glück scheint die Innenstadt ausschließlich aus Malls zu bestehen, in denen wir uns die Zeit bis zum Heimflug vertreiben und einen unglaublich teuren Cappuccino trinken.

Infos zur Reise

  • In Tallinn haben wir im Tallink Spa & Conference Hotel übernachtet. Der Spa-Bereich ist für alle Hotelgäste kostenlos zugänglich.
  • Gegessen haben wir im Kompressor, im III Draakon und im Olde Hansa. Außerdem waren wir in der Labor Baar Cocktails trinken.
  • Vom Fährhafen kommt man innerhalb von 10 bis 15 Minuten zu Fuß in die Altstadt.
  • Vom Hotel sind es nur wenige Meter bis zur Bushaltestelle Reisisadam. Von hier kommt man mit Bus Nr. 2 für 2,00 € pro Person zum Flughafen.
  • Vom Flughafen Helsinki kommt ihr mit dem Zug in die Innenstadt. Es gibt zwei Linien, die alle fünf Minuten fahren (Fahrtzeit: 30 Minuten). Eine Strecke kostet pro Person 5,00 €.

Vielen Dank an Tallink Silja Line für die Einladung zu dieser Reise. Meine hier geschilderte Meinung ist wie immer meine eigene und durch die Einladung nicht beeinflusst worden.

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6 comments

    • Das stimmt! Ist bei uns aber eigentlich normal. Vor allem, weil ich ständig Hunger habe und alle zwei Stunden was essen muss. 😊

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