Deutschland, Events, Kulinarisches, Reisen und Ausflüge
Kommentare 4

Auch in 300 Metern Tiefe sind die Tischdecken blütenweiß – Grubenlightdinner in Ramsbeck

„Zur Einfahrt in den Umkleideraum; zur Einfahrt in den Umkleideraum…“ Wie ferngesteuert folgen wir gemeinsam mit gut 50 weiteren Personen der Stimme aus dem Lautsprecher. Unsere Kleidung müssen wir nicht an die Decke hängen. Stattdessen reihen wir uns brav in der Schlange für blaue Kittel und weiße Helme ein. Hätte es zu wenig Kittel gegeben: In meinem wäre noch Platz für eine zweite Person gewesen. Auch mein Helm ist trotz größenverstellbarem Innenteil ein wenig zu groß für meinen Kopf. Die „Verkleidung“ scheint allgemein für Erheiterung zu sorgen, denn um uns herum werden die Kameras gezückt und fleißig Fotos geschossen. Anschließend setzt sich der lustige blau-weiße Haufen in Bewegung. Nächstes Ziel: Der Bahnhof des Sauerländer Besucherbergwerks Ramsbeck.

Bergmann Jessi 2 (1 von 1)

Mit einem lauten Rums schließt sich die Gittertür der Bergwerksbahn. Wir haben Glück und müssen uns das „Abteil“ nur zu zweit teilen; normalerweise drängen sich jeweils vier Personen in den kleinen, käfigähnlichen Räume. Ich versuche mich in eine einigermaßen bequeme Position zu bringen, doch schon nach kurzer Zeit schmerzt mir der Rücken. Unsere 1,5 km lange Fahrt kommt mir wie eine Ewigkeit vor. Während das Rattern der Bahn in meinen Ohren dröhnt und die Dunkelheit an mir vorüberzieht, hänge ich meinen Gedanken nach. Ich muss an meinen Opa denken, der viele Jahre in den Berg eingefahren ist, und mir schießen so einige Fragen durch den Kopf. Warum wählt man überhaupt den Beruf des Bergmanns? Wird man bei all dem Lärm, der Kälte und der Dunkelheit nicht irgendwann total jeck?

Museumseingang (1 von 1)

Kittel (1 von 1)

Genauso unsanft wie wir losgefahren sind, halten wir nach knapp zehn Minuten mitten im Berg an. Als sich die Gittertüren öffnen, steige ich ein wenig steif aus dem Wagen und bin froh, dass ich meine Gliedmaßen wieder strecken darf. Hat mich während der Fahrt der eisige Luftzug frösteln lassen, kommt es mir jetzt gar nicht mehr so kalt vor. Voller Vorfreude folge ich dem einzigen Rotbehelmten in unserer Gruppe – unserem Guide. Wir halten an unterschiedlichen Punkten des Stollenlabyrinths an und lauschen den mit viel Witz und Charme erzählten Geschichten aus einer Zeit, als hier unten noch hart gearbeitet wurde. Wer nicht aufpasst, bekommt zu hören, dass er doch nur ans Essen denke. Ein bisschen tun wir das wohl alle, denn schließlich sind wir nicht nur aus kulturellen Beweggründen hier. Auch aus kulinarischen!

Eingang Bahnhof (1 von 1)

Grubenbahn (1 von 1)

Dann ist es soweit: Durch einen mit Kerzen beleuchteten Durchgang gelangen wir in eine allein durch den Berg getragene Halle. Der hohe Raum ist ganz in warmes Kerzenlicht getaucht. Ebenso warm ist das Lächeln der Kellnerinnen des Hotel Nieder, die bereits in Kittel und Helm auf uns warten. Wir halten nach Tisch zwei Ausschau, denn diese Nummer ist uns am Eingang zugewiesen worden. Nach kurzer Zeit entdecken wir unseren Tisch und können nur staunen: Auf einer blütenweißen Tischdecke umrahmt glänzendes Besteck die hübsch drappierten Stoffservietten. Auch in Kittel und Helm und in 300 Metern Tiefe ist es möglich, an einer festlich gedeckten Tafel zu speisen. „Den Helm dürfen Sie gerne absetzen, solange Sie sitzen“, tönt die markante Stimme unseres Guides. Und klack, klack, klack werden die schmucken Kopfbedeckungen auf dem Boden abgelegt.

Tafel (1 von 1)

Als erster Gang wird uns ein Schinken serviert. Auf einer Schieferplatte. Sehr hübsch, sehr lecker. Nur das Kratzen des Messers über die Platte tut nicht unbedingt jedem Ohr gut. Zum Glück wird die Halle aber mit klassischer und bergmännischer Musik beschallt. Ich erwische mich dabei, dass ich das Bergmannslied schon innerhalb der ersten Takte erkenne und zumindest die paar Worte im Kopf mitsinge, die ich wohl mal irgendwo aufgeschnappt habe. Echtes Bergmanns-Feeling eben.

Vorspeise 2 (1 von 1)

An unserem Tisch hat sich eine recht lustige Truppe zusammengefunden und spätestens nach dem ersten Bierchen oder Weinchen bleibt bald kein Auge mehr trocken. Der Hauptgang lässt auch nicht lange auf sich warten. Angekündigt werden Kartoffeln, Sauerkraut und Minihaxen. Aus dem Henkelmann. Aus dem was? Die Männer um mich herum fühlen sich beim Anblick des merkwürdigen Metallgefäßes, das nun vor jedem steht, in die Zeit ihres Wehrdienstes zurückversetzt und auch einige ältere Damen schwelgen in Erinnerungen. Ich hingegen bin ein wenig skeptisch. Was mich wohl erwarten wird, wenn ich den Deckel hebe? Da drin sollen Kartoffeln, Sauerkraut und Haxen stecken?

Jessi und Henkelmann (1 von 1)

Ganz schön clever, dieser Henkelmann! Unter dem Deckel finde ich zunächst die Kartoffeln in einer Art Zwischenetage. Kleine Kartoffeln mit Schale, so mag ich sie am liebsten. Darunter befinden sich dann die Minihaxen, umringt von Sauerkraut. Ein herrlicher Duft durchströmt die Halle und es schmeckt mindestens genauso lecker wie es duftet. Nach der gefräßigen Stille und weiteren Gläsern Bier und Wein wird die Stimmung immer ausgelassener. Selbst nach dem Nachtisch – einem Bergkäse – und der angekündigten letzten Runde, setzt sich unsere Truppe nur sehr träge wieder in Bewegung. Die meisten wären sicherlich noch sehr gerne länger geblieben.

Bergmann Jessi 1 (1 von 1)

Bevor es mit der Grubenbahn wieder raus geht, lernen wir noch die Toilette der Bergleute kennen. Diese Geschichte lasst ihr euch am besten mal persönlich von einem Kumpel erzählen. Nur so viel sei verraten: Die handelsüblichen Toiletten, die heute für die Gäste des Grubenlightdinners hier unter Tage stehen, gab es früher natürlich nicht…

Vielen Dank an den Sauerland-Tourismus für die Einladung ins Sauerland und zum Grubenlightdinner. Ein ganz besonderer Dank gilt Anna Galon, die meine Reise mit ganz viel Herz organisiert und begleitet hat. Meine Meinung bleibt wie immer hiervon unberührt.

Ich freue mich über das Teilen dieses Beitrags:

Noch mehr spannende Posts:

4 Kommentare

    • Ich hatte mich extra dick eingepackt. Und war dann erstaunt, dass es gar nicht so kalt war. Die Kälte kam nach ein paar Stunden dann allerdings doch noch, aber da war das Dinner schon fast zu Ende. :-)

      Liebe Grüße
      Jessi

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.