Kulinarisches, Übernachten, Wandern
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Und plötzlich sind wir Schorle-Pipeline-Paten

Freitagnachmittag. Feierabend. Wochenende. Ich verlasse das Gebäude, setze mir meine Sonnenbrille auf die Nase und schlendere zum Parkplatz, auf dem mich mein Mann gleich einsammeln wird. Endlich mal wieder ein Wochenende, das nicht aus Kartonsauspacken und Möbelaufbauen bestehen wird. Stattdessen fahren wir in die Südpfalz, genauer nach Weyher. Von Bonn aus sind wir etwa zwei Stunden mit dem Auto unterwegs und landen am Abend doch in einer ganz anderen Welt.

Wein, Schnittchen und gute Unterhaltung

Kaum haben wir vor dem Gästehaus am Ortsausgang von Weyher eingeparkt, öffnet sich die Tür und Markus Jäger kommt uns lächelnd entgegen. Im gemeinsamen Haus hat seine Frau Monika auf der oberen Etage drei Gästezimmer eingerichtet und wird bei der Bewirtung ihrer Gäste tatkräftig von Markus unterstützt. Wir kommen sofort mit unserem Gastgeber ins Gespräch, während wir ihm nach oben in unser Zimmer folgen. Vom Balkon des geräumigen Doppelzimmers haben wir einen wunderschönen Blick auf das umliegende Rebenmeer. Und wie ruhig es hier ist. Herrlich!

Der Blick vom Balkon und die Ruhe sorgen direkt für Entspannung
Auch von der Bank vor dem Haus ist der Blick in die Reben phantastisch

Nachdem wir unser Gepäck ins Zimmer gebracht haben, treffen wir Monika und Markus Jäger vor dem Haus, denn wir haben heute Abend noch etwas vor. Markus begleitet uns zum Winzer seines Vertrauens. Zu Fuß geht es in die Dorfmitte, wo wir im Weingut Norbert Brecht einkehren. Auch hier werden wir – typisch Pfalz – sehr herzlich empfangen. Winzer Norbert Brecht vertraut uns nach der Begrüßung seiner Frau Ursel an, die uns mit leckeren Schnittchen und gutem Wein versorgt. Da sich herausstellt, dass das Pärchen am Nachbartisch aus unserer alten Heimat kommt, verbringen wir den lauen Sommerabend zu sechst fröhlich plaudernd, essend und weintrinkend im Hof der Brechts. Das Auszeit-Wochenende fängt definitiv schon mal super an.

Wir beginnen mit einem weißen Burgunder
Erst werden die weißen, dann die roten Weine probiert
Der Merlot aus dem Eichenholzfass ist eindeutig unser Favorit

Satt und zufrieden treten wir später am Abend den Rückweg ins Gästehaus an, wo wir noch ein wenig auf dem Balkon sitzen und in den Sternenhimmel schauen. Trotz Vollmond sehen wir sogar einige Sternschnuppen. Immerhin ist heute der diesjährige Höhepunkt der Perseiden.

Nach der Weinprobe plumpsen wir in die gemütlichen Betten

Wanderung zum Hambacher Schloss mit leckerem Zwischenstopp

Nach einem leckeren Frühstück schnüren wir die Wanderstiefel, schultern die Rucksäcke und treffen uns erneut mit Markus, der uns zum Startpunkt unserer ersten Wandertour fährt. Am Ortsrand von Maikammer trennen sich unsere Wege fürs Erste. Wir marschieren los und folgen den Feldwegen durch das Rebenmeer Richtung Wald. Das Ziel unserer ersten Tour haben wir von hier immer im Blick: Das Hambacher Schloss.

Am Startpunkt schon das Ziel im Blick haben

An der Klausentalhütte geht das Rebenmeer in Wald über und wir sind froh über die schattenspendenden Bäume. Für eine Einkehr ist es noch zu früh, daher folgen wir weiter dem breiten Waldweg, der stetig leicht ansteigt. Es dauert nicht lange und wir entdecken die ersten Esskastanien – Keschde, wie der Pfälzer sagt. Genauso wie die Kiefer mögen sie den sandigen Boden der Südpfalz. Bis sie reif sind, dauert es aber noch ein paar Wochen.

Immer wieder trifft man auf die Keschde

Etwa auf halber Strecke treffen wir auf die nächste Einkehrmöglichkeit, die wir dieses Mal auch nutzen. Noch ist nicht viel los im Zeter Berghaus, so dass wir uns ein schattiges Plätzchen im Garten suchen können. Bei einem kühlen Getränk genießen wir die Aussicht auf die Rheinebene. Als sich der Hunger meldet, ordern wir drinnen an der Theke zwei deftige Mahlzeiten und stärken uns für die weitere Tour. Als wir weiterziehen, sind so gut wie alle Plätze im Garten des Zeter Berghauses besetzt und auf vielen Tischen steht das ein oder andere Glas Weinschorle. Wie man das Leben genießt, wissen die Pfälzer auf jeden Fall.

Im Garten des Zeter Berghauses lässt es sich aushalten
In der Pfalz isst man gerne deftig

Durch den Wald geht es weiter Richtung Hambacher Schloss. Am Busparkplatz unterhalb des Schlosses entscheiden wir uns gegen den Aufstieg an der Straße und für den etwas längeren Waldweg, der direkt hinter dem Parkplatz rechts abbiegt. Oben angekommen erkunden wir das Gelände und genießen die Aussicht, bevor wir an der Straße entlang wieder zum Busparkplatz laufen, wo Markus Jäger uns einsammelt, um uns zum Startpunkt unserer zweiten Tour zu bringen.

Durch den schattigen Wald geht es zum Hambacher Schloss
Wir haben unser erstes Ziel für heute erreicht- Das Hambacher Schloss

Schweißtreibende Aufstiege, eine tierische Begegnung und schöne Weitsichten

Nördlich von Weyher befindet sich die Villa Ludwigshöhe und damit auch der Startpunkt unserer zweiten Tour durch den Pfälzer Wald. Die Villa ist derzeit leider geschlossen. Geöffnet hat hingegen die Rietburgbahn, ein Sessellift aus dem Jahre 1954. Sowohl die Bahn als auch das Lokal in der Talstation sind gut besucht. Da ich kein Fan von Sesselliften bin, steht schnell fest: Trotz Hitze werden wir zur Rietburg hinauf laufen. Zum Glück führt der schmale, kurvige Pfad größtenteils durch den schattigen Wald. Immer wieder halten wir an, machen Trinkpausen und atmen durch. Etwa auf der Hälfte des Weges werden wir mit der ersten schönen Aussicht von einer Art Balkon belohnt.

Wer nicht laufen möchte, kann mit dem Sessellift zur Burg hinauf fahren
Wer läuft, kann den Blick vom Balkon genießen
Langweilig ist der Weg nach oben jedenfalls nicht

Etwa eine halbe Stunde später haben wir es geschafft. Wir kommen ein wenig aus der Puste oben an der Burgruine an und suchen uns erstmal ein schattiges Plätzchen, bevor wir auf Erkundungstour gehen. Direkt gegenüber hängt unter einer Holzbrücke eine große Schaukel und ich lasse es mir natürlich nicht nehmen, eine Runde zu schaukeln. Die Energie ist zurückgekehrt, weiter gehts. Und zwar über die besagte Holzbrücke zur Burgruine, in deren Lokal sich ebenfalls jede Menge Menschen tummeln.

Noch ein paar Stufen erklimmen und dann ist die Rietburg fast erreicht
Über eine Holzbrücke geht es zur Burgruine

Wir lassen das Gewusel hinter uns, spazieren an der Bergstation der Rietburgbahn vorbei und statten den Damhirschen im Wildgehege einen Besuch ab. Die Tiere sind neugierig und kommen ohne Scheu an den Zaun. Besonders beliebt sind bei ihnen natürlich die Menschen, die sich an der Bergstation für 1€ eine Tüte mit Futter gekauft haben. Dem Waldweg folgend wandern wir in einem großen Bogen am Berg entlang bis wir auf die Beschilderung stoßen, die uns den Weg zur Nello Hütte weist. Über einen steinigen Pfad geht es steil bergab ins Modenbachtal. Die sehr idyllisch gelegene Hütte wird von Ehrenämtlern betrieben und hat nur sonntags geöffnet. Doch wir haben Glück: Eine kleine Gruppe ist gerade dabei, die Hütte für den morgigen Betrieb vorzubereiten, und kann uns mit kühlen Getränken versorgen.

Die Damhirsche sind neugierig
Wir umrunden die Bergkuppe auf einsamen Pfaden
Das Gelände der Nello Hütte bietet viel Platz für durstige und hungrige Wanderer

Den steilen Hang, über den wir zur Nello Hütte nach unten gelangt sind, müssen wir leider auch wieder hinauf. Das ist dann allerdings der letzte knackige Anstieg für heute. Auf dem Weg zurück nach Weyher liegt noch ein weiteres Zwischenziel: Der Ludwigsturm. Der 15 Meter hohe Aussichtsturm aus Sandstein kann jederzeit erklommen werden, was wir auch direkt tun. Im Turm ist es an einigen Stellen recht dunkel und bei der enggewundenen Treppe bekommt man schnell einen Drehwurm. Oben angekommen, genießen wir die Aussicht auf den Pfälzer Wald und die Ruhe um uns herum, bevor wir uns an den Abstieg nach Weyher machen.

Das nächste Wegstück führt durch wunderschönen Kiefernwald
Auch die Heide mag den sandigen Boden der Pfalz
Die Aussichtsplattform des Ludwigturms ist frei zugänglich

Die drei Kilometer bis zum Gästehaus ziehen sich und bei uns ist für heute wirklich die Luft raus. Die Dusche und das anschließende deftige Essen haben wir uns auf jeden Fall verdient. Insgesamt waren das heute zwei schöne, abwechslungsreiche Wandertouren mit vielen Highlights in einer tollen Umgebung.

Die Nello Hütte und ihre Schorle-Pipeline

Bevor es für uns am Sonntag wieder nach Bonn zurück geht, haben Monika und Markus Jäger noch eine Überraschung für uns. Sie erzählen, dass die Nello Hütte, die wir gestern besucht haben, nicht an die Wasserversorgung angeschlossen ist und die Mitarbeitenden das Wasser aus einer Quelle im Ort zur Hütte transportieren müssen. Das soll geändert werden und um das teure Unterfangen finanzieren zu können, haben sich die Mitarbeitenden der Nello Hütte eine ganz besondere Spendenaktion einfallen lassen: Ab einer Spende von 50€ wird man Pate oder Patin von einem Meter Versorgungstrasse oder eben Schorle-Pipeline, wie sie augenzwinkernd genannt wird. Monika und Markus sind total begeistert von der Aktion und haben es sich nicht nehmen lassen, auch in unserem Namen zu spenden. Wir fahren also nicht nur mit vielen tollen Eindrücken, leckerem Wein und guter pfälzer Wurst im Gepäck nach Hause, sondern auch mit einer Urkunde, die bestätigt, dass wir Paten der Schorle-Pipeline sind.

Freuen sich auch auf euren Besuch: Monika und Markus Jäger

Vielen Dank an Monika und Markus Jäger für die Einladung nach Weyher und das schöne Wochenende in der Pfalz. Ebenfalls danken möchte ich den Brechts für die tolle Weinprobe. Meine Meinung wird von dieser Einladung wie immer nicht beeinflusst.

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1 Kommentare

  1. Hallo Frau Koch,

    herzlichen Dank auch im Namen meiner Frau für den tollen Blog, haben Sie super geschrieben.

    Herzliche Grüße und alles gute für Sie Beiden
    Markus

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