Vier haarige Herren, sieben Damen und ganz viel Natur – Lamawandern im Sauerland

Als wir auf dem Parkplatz an der Lamawiese bei Brilon ankommen, führt Ursula Oriwall gerade zwei ihrer Tiere durch das Gatter. Kaum ist der Motor aus, hechtet meine Begleiterin Yvi auch schon aus dem Auto und ich höre nur noch ein gequietschtes „Ah, da sind die Lamas!“, bevor auch ich die Tür öffne und in den Nieselregen trete. Ursula Oriwall bindet die beiden Lamas an die hölzerne Parkplatzabgrenzung und begrüßt uns erst einmal. Die Situation, die anschließend entsteht, muss schon etwas merkwürdig aussehen: Auf der einen Seite der Abgrenzung stehen zwei Lamas und glotzen uns neugierig an, auf der anderen Seite stehen wir und glotzen mindestens genauso neugierig zurück. Während unsere menschlichen Mitwanderinnen eintreffen, holt Ursula Oriwall noch zwei weitere tierische Begleiter von der Weide und bindet sie neben den ersten beiden an.

Am liebsten würde ich sofort zu den Lamas gehen und sie begrüßen, auch den anderen scheint es in den Fingern zu jucken. Doch zunächst erzählt uns Ursula Oriwall, was wir bei der Wanderung mit ihren Lamas zu beachten haben und was uns erwartet. Die Herren mögen es beispielsweise gar nicht, wenn man sie am Kopf berührt. Haben sie erst einmal Vertrauen gefasst, lassen sie sich aber gerne am Hals streicheln. Eine Frage, die uns allen auf der Zunge liegt, wird ebenfalls geklärt: Können die Lamas uns anspucken? Ursula Oriwall erklärt, dass die Tiere in der Regel nur untereinander spucken. Menschen werden nur dann angespuckt, wenn sich die Lamas von ihnen in die Ecke gedrängt oder bedroht fühlen.

Beherzt greifen wir alle in die Tüte mit getrockneten Brotstückchen, mit denen wir bei den haarigen Herren ein wenig das Eis brechen wollen. Renaldo, Pedro, Pablo und Santiago nehmen die Bestechung gerne an, während Ursula Oriwall ihnen die Satteltaschen anlegt, in die wir unsere Rucksäcke stecken. Sehr nett von den Herren, dass sie unser Gepäck tragen. In Südamerika tragen sie als Lastentiere sogar bis zu 50 Kilogramm auf ihren Touren durch die Berge. Yvi und ich bleiben irgendwie beim größten Tier der Truppe hängen: Pedro. Wir greifen uns jeder einen am Halfter befestigten Strick und reihen uns hinter dem coolen Renaldo und seine Begleiterin ein. Hinter uns steht Pablo zwischen zwei Damen und das Schlusslicht macht der noch recht junge Santiago mit Begleiterin. Die Reihenfolge ist auf der gesamten Wanderung einzuhalten, damit es nicht zu Streitigkeiten unter den Tieren kommt.

Gemächlich trotten die Tiere neben uns her. Herrscht zu Beginn noch ein wenig Unsicherheit sowohl auf Seiten der Tiere als auch der Menschen, wird es mit der Zeit für alle Beteiligten zu einer ganz normalen Wanderung. Auch der Regen hat mittlerweile aufgehört. Pedro ist wirklich riesig und mit mir genau auf Augenhöhe; wenn er seinen Kopf in meine Richtung dreht, kann ich seinen warmen Atem spüren. Die meiste Zeit geht er einfach brav zwischen uns her, ist dabei aber sehr aufmerksam und nimmt seine Umgebung mit Augen, Ohren und Nase ganz genau wahr. Hin und wieder zieht es ihn dann aber doch an den Wegesrand, hin zum leckeren Grünzeug. Dann müssen Yvi und ich ganz schön gegensteuern, denn so ein Lama hat ordentlich Kraft.

Nach einer Weile braucht Renaldo eine Pinkelpause – und das kann dauern. Ursula Oriwall erzählt uns, dass Lamas – ebenso wie Kamele – Wasser speichern und sich entsprechend nur sehr selten entleeren müssen. Wenn es aber soweit ist, kann das Ganze schon mal um die zehn Minuten dauern. Die restlichen Tiere nutzen die Zeit zum Fressen und wir Mädels machen fleißig Fotos mit unseren süßen Begleitern.

Ursula Oriwall geht mal am Ende unseres Trupps, mal ganz vorne mit und beantwortet geduldig unsere Fragen. Sie teilt gerne ihr Wissen über die Lamas und hat sichtlich Spaß an ihrem „Nebenjob“.

Plötzlich wird Renaldo vor uns schneller. Er weiß wohl ganz genau, dass wir an der alten Hütte dort vorne eine kurze Pause einlegen werden und er dann ganz in Ruhe fressen kann. Ursula Oriwall bindet die Tiere an unterschiedlichen Stellen an, wir nehmen unsere Rucksäcke aus den Taschen und machen es uns auf der Bank unter dem Vordach der Hütte bequem. Bei Wasser und Keksen lauschen wir dem Regen, der jetzt wieder eingesetzt hat. Ab und an summt Pedro und eines der anderen Lamas antwortet mit dem gleichen Summton, was sich schon etwas merkwürdig anhört und uns Mädels amüsiert.

Pünktlich zum Aufbruch hört der Regen wieder auf, so dass wir auch den zweiten Teil der Wanderung trocken zurücklegen können. Unsere Rucksäcke verstauen wir wieder in den Taschen, schnappen uns jeder einen Strick und führen die Lamas zurück auf den Weg. Pedro ist jetzt richtig aufgetaut: Immer wieder „spricht“ er mit uns und zweimal reibt er seinen Kopf an meinem Oberarm. Auch für Fotos steht er jetzt viel bereitwilliger zur Verfügung. Der junge Santiago ist sowieso verschmust und nutzt jede kleine Pause, um mit seiner Begleiterin zu kuscheln. Ursula Oriwall erklärt uns, dass man das nicht zu oft und nicht lange durchgehen lassen darf, weil die Lamas die Menschen sonst als gleichwertig und somit auch als Konkurrenten ansehen. Klein Santiago darf aber noch ein wenig kuscheln.

Als wir wieder an unserem Ausgangspunkt ankommen, steht Caramba am Zaun und wartet auf uns. Wir binden die vier Lamas aber erst einmal wieder am Parkplatz an, nehmen ihnen die Satteltaschen ab und füttern sie mit den restlichen Brotstücken. Santiago kommt Pedro etwas zu nah und wir werden Zeugen eines Warnschusses: Pedro spuckt einmal kräftig in die Luft, um Santiago zu signalisieren, dass er zu weit geht.

Wir führen die Tiere auf die Weide, wo sie sofort in unterschiedliche Ecken rennen und fressen. Caramba beobachtet das alles sehr interessiert, während der sechste im Bunde – Samson – nirgends zu entdecken ist. Er hat sich wohl im Unterstand zurück gezogen. Es fällt uns schwer, uns von den Lamas zu trennen, doch wir sind auch ein wenig geschafft und hungrig. Also trennen sich hier unsere Wege.

Yvi und ich genießen an diesem Abend ein fantastisches Essen in der Almer Schlossmühle und fallen anschließend satt und zufrieden in unser Bett im Hotel Rech.

Weitere Infos gibts hier:

Lama Trek

Almer Schlossmühle

Hotel Rech

Vielen Dank an den Sauerland-Tourismus für die Einladung ins Sauerland. Ein besonderer Dank gilt Ursula Oriwall und ihren Lamas für die tolle Wanderung. Meine Meinung ist wie immer meine eigene.

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2 comments

  1. Renaldo, Pedro, Pablo und Santiago? Haha, das ist super! Sieht auf jeden Fall nach einer Menge Spaß aus, insbesondere die Schnappschüsse mit den Lamas. Keine Frage, jetzt möchte ich auch gerne mal mit Lamas wandern. 🙂
    Liebe Grüße
    Nat

    • Ja, es war auch sehr spaßig! Ich kann es nur empfehlen!

      Viele Grüße
      Jessi

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