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Gent für jeden Geschmack

Vatertag oder Himmelfahrt? Ganz egal, wie ihr diesen Tag nennt, eines steht fest: Es ist Donnerstag! Für die Einwohner der flandrischen Stadt Gent bedeutet das vor allem, dass heute kein Fleisch auf den Tisch kommt. Im Jahre 2009 ist der Donnerstag in der Veggie-Hauptstadt Europas nämlich zum Veggiedag ernannt worden. Es gibt sogar einen eigenen Stadtplan, auf dem Restaurants mit (hauptsächlich) vegetarischem Angebot sowie Biosupermärkte aufgeführt sind. Auch ich schließe mich heute der Kampagne an und mache mich auf die Suche nach einem passenden Restaurant für ein vegetarisches Mittagessen. In der Jan Breydelstraat werden wir fündig und ergattern den letzten freien Tisch vor der gemütlichen Brooderie. Während vor uns eine Pferdekutsche über das Kopfsteinpflaster rappelt, studieren wir die kleine aber feine Karte des Restaurants und starten in unser kulinarisches Wochenende in Gent.

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Es ist gar nicht so einfach, aus den leckeren Gerichten eines auszuwählen. Dank meines Vorsatzes, heute auf Fleisch zu verzichten, kann ich aber im Ausschlussverfahren vorgehen und entscheide mich schließlich für warmen Ziegenkäse mit Salat. Mein Freund hat sich spätestens beim Lesen der Karte vom Veggiedag verabschiedet und wählt eine flandrische Spezialität: Stoverij. Das gekochte Rindfleisch sieht auch wirklich lecker aus und ich muss wenigstens einmal von der süß-säuerlichen Biersauce probieren.

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Vom leckeren Essen gestärkt beginnen wir unseren Rundgang durch das wunderschöne Gent. Ein Bummel durch die Altstadt ist übrigens am Tag und in der Nacht gleichermaßen zu empfehlen, aber dazu wann anders mehr. Eine der jungen Damen, die unser B&B betreiben, hatte uns vorhin einen heißen Tipp für die besten Pralinen in ganz Gent gegeben und wir beschließen, uns einen kleinen belgischen Nachtisch zu gönnen. Der Chocolatier Hilde Devolder liegt in einer Seitenstraße, Touristen verirren sich vermutlich nicht sehr häufig hierher. Außer, sie haben einen heißen Tipp bekommen…

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Schon beim Anblick der variantenreichen Leckerbissen läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Die nette Dame hinter dem Tresen zeigt mir auf meinen Wunsch hin die milchfreien Pralinen und auch dann ist die Auswahl noch groß. Wir entscheiden uns für eine kleine gemischte Schachtel und spazieren zum Leie-Ufer, um die belgische Spezialität zu kosten und gleichzeitig den Ausblick auf Gents Zunfthäuser aus dem Mittelalter zu genießen.

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Frische Luft und Bewegung machen bekanntlich hungrig. Also steuern wir im Anschluss an die Stadtführung und unser heutiges kulturelles Programm eine kleine Friture an. Während ich mich auch hier wieder an den Veggiedag halte, landet bei meinem Freund unter anderem eine Frikandel Spezial auf dem Teller. Die fritierten Leckereien essen wir direkt am Holzbüdchen und beobachten die belgischen Kunden, die statt Fritten Schnecken bestellen. Dieses Experiment werde ich irgendwann auch einmal wagen.

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Bevor wir etwas ermattet aber zufrieden in unser Bett plumpsen, machen wir noch einen kleinen Abstecher in die im Süden des Genter Zentrums gelegene Gentse Stadsbrouwerij Gruut. Nachdem die Stadt im Mittelalter unzählige Brauereien vorzuweisen hatte, gab es  lange Zeit kein in Gent gebrautes Bier mehr. Seit einigen Jahren wird direkt am Ufer der Leie wieder gebraut. Das Besondere am Gruut? Statt Hopfen wird nach mittelalterlicher Tradition eine Kräutermischung verwendet.

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Fast hätte ich den eher unscheinbaren Eingang in das schwarze Brauereigebäude übersehen. Um die kupfernen Braukessel und Edelstahltanks grupieren sich Tische, an denen größere Gruppen das heimische Bier genießen. Einige von ihnen haben sicher an der Brauereibesichtigung teilgenommen. Von den insgesamt fünf Bieren probieren wir vier. Einige sind intensiver im Geschmack, andere weniger. Am Ende des ersten schönen Tages in Gent haben wir beide jeweils unseren persönlichen Gruut-Favoriten gefunden.

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Die Schlange in der kleinen Bäckerei endet am Freitagmorgen erst draußen auf dem  Groenten Markt. Kein Wunder, die Brote und Teilchen, die sich im Schaufenster stapeln, sehen köstlich aus. Ein kleiner Wagen vor der Bäckerei unterstützt den Verkauf und ich entdecke schnell das, wonach ich suche: Mastel. Das flämische Zimtbrötchen erinnert aufgrund seiner Form ein wenig an einen Bagel oder Donut. Wir verputzen es an Ort und Stelle; mit ein wenig Marmelade wäre es aber sicherlich auch lecker gewesen.

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Links und rechts neben dem kleinen Bäcker entdecken wir die nächste Genter Spezialität. Auf zwei Holzkarren liegen lilafarbene Kegel, die sogenannten Cuberdons oder Neuzen. Vorsicht beim Reinbeißen – die Süßigkeiten sind mit Himbeergelee gefüllt. Eine süße, klebrige Angelegenheit.

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Heute ist kein Veggiedag und so kehren wir zum Mittag in die Große Fleischerhalle – das Groot Vleeshuis – ein. Im Mittelalter fand hier der Fleischhandel statt und auch heute hängt der Genter Ganda-Schinken an den Holzbalken, die die gesamte Halle durchziehen. Meiner Meinung nach kann der Schinken durchaus mit den Kollegen aus Spanien und Italien mithalten. Apropos Pendants: Als Getränk wähle ich Gents Antwort auf den Hugo – RoomeR. Das alkoholische Getränk mit Holunderblüten hat es in sich und ich bin froh über den gut gefüllten Brotkorb auf unserem Tisch.

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„Waterzooi is out!“ höre ich den Kellner sagen und bin schlagartig enttäuscht. Jetzt sind wir doch extra hierher gekommen, weil das flämische Nationalgericht auf der Speisekarte steht. Der Eintopf wird wahlweise mit Fisch oder Huhn, immer aber mit Gemüse und Kartoffeln serviert. Man muss mir meine Enttäuschung wohl angesehen haben, denn plötzlich ist es doch möglich, noch eine Portion zu bekommen. Mein Abend ist gerettet und als wir unsere Teller geleert haben, hat es schon längst angefangen zu dämmern. Es wird Zeit für einen Spaziergang durch das feenhafte Gent…

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Ganz gleich ob vegetarisch, deftig, süß oder süffig – Gent hat für jeden Geschmack etwas zu bieten!

Vielen Dank an Tourismus Flandern-Brüssel für die Einladung nach Gent. Meine Meinung wird hiervon nicht beeinflusst.

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5 Kommentare

  1. Uj, ich hätte ja nicht gedacht, dass es in Gent mehr als Pommes zu essen gibt! Diese Cuberdons sehen jedenfalls sehr verführerisch aus – die passen doch bestimmt gut zu so einen lochlosen Bagel ;) Hach, Schlemmerland, irgendwann komm ich mal vorbei!
    Lieben Dank für den kulinarischen Spaziergang, Jessi!
    LG Claudi

    • Jessi sagt

      Sehr gerne!

      Du musst auf jeden Fall mal nach Belgien und/oder in die Niederlande fahren. Nicht nur wegen des Essens. Und auf dem Weg dorthin kommst du in Aachen vorbei. :-)

      Liebe Grüße
      Jessi

  2. Hi Jessi,

    schöner Bericht, jetzt bin ich richtig hungrig auf Gent geworden. Die Stadt steht ja auch auf meiner Reiseliste.

    Danke für die Essenstipps!
    Nicole

    • Jessi sagt

      Vielen Dank!

      Dann mal nichts wie hin und am besten gleich eine ganze Tour durch Flandern machen! :-)

      Liebe Grüße
      Jessi

  3. Pingback: Mal sehen, was in Gent so geht | fernweh-blog

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