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Ein Mädelswochenende mit Kultur und Kulinarik in Antwerpen

Ich hatte schon oft gehört, dass der Hauptbahnhof von Antwerpen etwas ganz Besonderes sein soll und auch die Fotos, die ich bisher gesehen hatte, bestätigten das immer wieder. Doch jetzt fahre ich live und in Farbe selbst die Rolltreppe vom zweiten Untergeschoss nach oben Richtung Bahnhofshalle. Bei all dem Gucken und Staunen darf ich bloß nicht vergessen, auf das Ende der Rolltreppe zu achten. Doch auch hier gibt es eine Besonderheit, die meine Aufmerksamkeit – lange bevor ich über das obere Ende stolpern könnte – von der Architektur auf die Rolltreppe zieht: Aus der Treppe wird plötzlich ein ebenes Laufband, aus dem kurze Zeit später wieder eine Treppe wird. Verrückt! Meine beste Freundin und ich grinsen uns an. Das wird ganz bestimmt ein tolles Mädelswochenende in Antwerpen.

Unser Hotel liegt direkt ums Eck und wir können fast den gesamten Weg dorthin innerhalb des Bahnhofsgebäudes zurücklegen. Keine zehn Minuten später stehen wir auch schon an der Rezeption und checken ein. Anschließend werden ersteinmal Pläne geschmiedet. Jede von uns hat sich vorher ein paar Gedanken über kulturelle und kulinarische Orte gemacht, die wir gerne besuchen würden. Meine Freundin nutzt den Stadtplan, den wir an der Rezeption bekommen haben, um alle für uns wichtigen Orte zu markieren. Und dann kanns auch schon losgehen.

Unser erstes Ziel ist es, unseren Hunger zu stillen. Und zwar stilecht mit ein paar Fritten. Zu Fuß gehts durch den Stadspark und über den Theaterplein in die Korte Gasthuisstraat. Hier wuseln Touristen und Einheimische zwischen Bäckereien, Kneipen und Restaurants umher. Unser Ziel, das Frites Atelier, liegt ganz am Anfang der kleinen Fußgängerzone und die Schlange ist überschaubar. Wir entscheiden uns für eine Frittenvariante mit Tomatenpulver, Basilikummayonnaise und geriebenem Parmesan sowie einmal Fritten mit Erdnusssauce und finden sogar noch zwei Sitzplätze in dem kleinen Raum.

Gut gesättigt schlendern wir durch Antwerpens belebte Straßen und ruhige Gassen. Natürlich legen wir auch einen Stopp auf dem gut besuchten Grote Markt ein, wo die alten Häuser um die Wette strahlen, als würden sie an einem Schönheitswettbewerb teilnehmen. Im Zentrum des Platzes steht Silvius Brabo auf einem Brunnen und schleudert die Hand des Riesen Antigonus in den Fluss Schelde. Der Legende nach hackte eben dieser Riese in der Römerzeit allen, die mit ihrem Schiff auf der Schelde Antwerpen passierten und keinen Wegzoll zahlen wollten, die Hände ab und warf sie in den Fluss. Bis Silvius Brabo dem Ganzen ein Ende setzte. So soll übrigens auch der Name der Stadt entstanden sein: „Hand werpen“ wurde zu Antwerpen.

Viel ruhiger als auf dem Grote Markt geht es im Vlaeykensgang zu. Kein Wunder, denn der Geheimgang aus dem Jahre 1591 springt einem nicht gerade ins Auge. Man muss schon wissen, dass es ihn gibt, sonst läuft man einfach daran vorbei. Hier kann man es sich im exklusiven Restaurant Sir Anthony Van Dyck schmecken lassen oder auf einer der Bänke verschnaufen und dem Trubel der Stadt entfliehen. Oder aber wie wir einfach neugierig um die Ecken schleichen.

Bevor wir uns auf den Rückweg zum Hotel machen, statten wir der Dominikanerkirche St. Paulus einen Besuch ab. Das helle Kirchenschiff beherbergt über 200 Skulpturen und 50 Gemälde, unter anderem auch von Rubens. Ebenfalls sehenswert ist der angrenzende Garten.

Mit müden Beinen und den ersten Eindrücken von Antwerpen im Kopf lassen wir uns auf eine der Bänke vor dem Oud Arsenaal plumpsen. Mein Reiseführer sagt über diese Kneipe, dass es sich um eins der ursprünglichsten „Bruin Cafés“ Antwerpens handele, das Bier bezahlbar und die Gäste insbesondere Stammkunden seien. Wir finden, das klingt sehr gut. Die Bierauswahl ist riesig, doch die Karte ist übersichtlich gestaltet und bietet zu jedem der Biere genügend Infos. Wir werden auf jeden Fall fündig und der erste Schluck bestätigt, dass wir beide jeweils die richtige Wahl getroffen haben.

Am nächsten Morgen spazieren wir Richtung Hafen zum Museum aan de Stroom (MAS). Hier gehen wir an den Kassen vorbei und steuern direkt auf die Rolltreppe zu. Wir wollen uns nämlich nicht die Ausstellungen ansehen, sondern die Aussicht von der Plattform auf der zehnten Etage genießen. Auf jeder der Etagen, die wir auf unserem Weg nach oben passieren, befinden sich Ausstellungsräume mit Exponaten zu Antwerpen und den Geschichten rund um die belgische Stadt. Hier kann man sicherlich den ganzen Tag verbringen. Von oben lassen wir unseren Blick über das angrenzende Hafenviertel „Het Eilandje“ schweifen und auch der Hauptbahnhof erhebt sich in der Ferne aus dem Häusermeer. Ich schaue mir eine Stadt sehr gerne von oben an; so bekommt man einen guten Überblick und kann die Vogelperspektive als Orientierungshilfe nutzen.

Die Wolken verziehen sich so langsam und es wird angenehm warm, während wir an der Schelde Richtung Süden entlang schlendern. Hinter dem Cruiseterminal – auf dem man scheinbar entlang laufen und die Aussicht genießen kann (was ich gerade erst beim Schreiben des Artikels feststelle) – wechseln wir die Straßenseite und betreten ein etwas merkwürdig anmutendes Gebäude, das so gar nicht mit den Häusern seiner Umgebung harmoniert. Hier befindet sich der Eingang zum Sint-Annatunnel – einem Fußgängertunnel unter der Schelde. Wir haben zwar nicht vor, ihn vollständig zu durchqueren, aber ich hatte gelesen, dass die Rolltreppen aus Holz seien und das müssen wir uns ansehen. Wir fahren auf den außergewöhnlichen, alten Rolltreppen bis nach ganz unten und laufen ein Stück in die Röhre hinein. Hier unten ist es ganz schön kühl; also fix wieder nach oben in die Sonne fahren. Außerdem melden sich so langsam unsere Mägen, die gefüllt werden wollen.

Meine Freundin hatte sich schon etwas überlegt und ich folge ihr zu dem Restaurant, das sie sich ausgeguckt hat. Auf dem Weg dorthin zieht allerdings ein anderen Laden – Hawaiian Poké Bowl – unsere Aufmerksamkeit auf sich und wir werfen spontan unseren Plan über den Haufen. Und diese Entscheidung bereuen wir keine Sekunde, während wir unsere beiden individuell zusammengestellten Bowls verputzen.

Nach einem weiteren Besuch des Oud Arsenaal und einer kleinen Pause im Hotel verbringen wir den Abend bei ein paar Snacks und Bierchen in der Bar Basil. Antwerpen hat unglaublich viele kleine und sehr individuelle Bars, Cafés und Restaurants. Wir haben uns einfach durch die Straßen treiben lassen und jetzt sitzen wir eben in der Bar Basil, die sich langsam füllt und zum Leben erwacht. Die Kellnerinnen sind super nett, das belgische Bier schmeckt und der Welpe ein paar Tische weiter zieht alle Blicke auf sich. Bevor wir unseren zweiten Tag in Antwerpen für beendet erklären, machen wir noch einen Abstecher in den Hauptbahnhof. Spät abends ist hier kaum etwas los und wir können ganz in Ruhe Fotos machen. Solch einen schönen Bahnhof habe ich tatsächlich noch nie gesehen. Auch wenn ihr nicht mit dem Zug anreisen solltet: Schaut hier mal vorbei; bevorzugt abends.

Den letzten Vormittag in Antwerpen nutzen wir für einen Einkauf bei The Chocolate Line. Der kleine Laden befindet sich im Paleis op de Meir und ist einfach ein Gesamtkunstwerk. Mein Blick schweift über die kunstvoll verzierten Wände an die nicht weniger hübsche Decke, während der Schokoduft meine Nase kitzelt und mir das Wasser im Mund zusammenläuft. Kann man hier einziehen?

Wir werfen noch einen Blick in den Botanischen Garten – das Gewächshaus ist leider geschlossen – und dann müssen wir uns von Antwerpen verabschieden. Mit einem Umstieg in Brüssel Nord geht es mit dem Zug in etwa zwei Stunden wieder zurück nach Aachen. Das war ein sehr schönes Mädelswochenende in einer sehenswerten Stadt!

Links:

  • Frites Atelier: Leckere niederländische (!) Fritten mit außergewöhnlichen Toppings

  • Oud Arsenaal: Gemütliche, alt eingesessene Bierkneipe mit einer umfangreichen Karte

  • Museum aan de Stroom: Museum zur Stadtgeschichte mit einer kostenlosen Aussichtsplattform auf dem Dach

  • Hawaiian Poke Bowl: Leckere Bowls mit frischen Zutaten zum Selbstzusammenstellen; auch die kleinere Variante macht schon richtig satt

  • Bar Basil: Eine von Antwerpens gemütlichen Bars für einen schönen Abend

  • The Chocolate Line: Belgische Schokolade – was sonst…

 

 

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