Auch im Nieselregen die schönste Zeche der Welt: Zollverein

„Wenn ich komisch gucke, liegt das nicht an Ihnen, sondern an meinem Hexenschuss!“ versichert uns die Touristenführerin, die mich ein bisschen an Gerburg Jahnke erinnert, vor allem wenn sie lacht. Und trotz ihres Hexenschusses lacht unsere Gerburg ziemlich oft. In den nächsten zwei Stunden wird sie uns den Weg der Kohle auf Zeche Zollverein erläutern und uns von so mancher Kuriosität rund um die „Schönste Zeche der Welt“ erzählen. Ich beschließe, dass das usselige Wetter in Essen ganz gut zum Zechenflair passt und bin am Ende doch froh, als die zwei Stunden um sind. Das liegt aber ganz und gar nicht an Zollverein und an Gerburg erst recht nicht.

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Wir beginnen auf dem Hof, über den wir heute Mittag das Zechengelände betreten haben. Als hier noch gefördert wurde, war dies den VIPs vorbehalten, denen sicher sofort der riesige Förderturm ins Auge gefallen ist, der dem Eingangstor direkt gegenüber in den Himmel ragt. Die Architekten haben die Dramatik noch verstärkt, indem sie die Fensterfront unmittelbar unter dem Turm vertikal angelegt haben. Das gleiche gilt für das Gebäude, hinter dem sich einst ein riesiger Schornstein befand. „Zollverein war nicht nur die wirtschaftlichste, sondern auch die schönste Zeche!“ betont Gerburg. Sie weist uns auf die Symmetrien hin, die um uns herum herrschen: der Förderturm in der Mitte, rechts und links zwei exakt gleich breite Gebäude, sogar zwei Pförtnerlogen. Die Perfektion wurde so vehement auf die Spitze getrieben, dass eines der Gebäude lediglich an seiner Front verlängert wurde – aus rein optischen Gründen…

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Die Kumpel sind niemals durch dieses Tor und über den symmetrischen Hof zur Arbeit gekommen. Sie wurden durch Hintereingänge auf das Gelände gelotst. „Es sollte der Eindruck vermittelt werden, dass hier gar keine Menschen arbeiten, sondern lediglich Maschinen,“ weiß Gerburg.

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Wir werden in das Förderturmgebäude geführt, wo wir eine ungefähre Vorstellung davon bekommen, unter welchen Bedingungen die Kumpel arbeiten mussten. Gerburg erläutert uns anschaulich und mit entsprechender Geräuschkulisse untermalt, welche körperlichen Arbeiten hier verrichtet wurden. Die Lautstärke entspricht nicht annähernd der realen und auch die Temperaturen liegen noch über denen, die hier im Winter herrschen konnten. Trotzdem bin ich erleichtert, als das laute Hämmern endlich beendet wird und auch meine Füße werden langsam zu Eisklumpen.

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Ganz zum Schluss führt uns Gerburg noch auf das Dach des Besucherzentrums. Von hier aus können wir das ganze riesige Gelände der Zeche Zollverein überblicken. In den letzten zwei Stunden haben wir nur einen Bruchteil des Geländes inspiziert. Da gibt es zum Beispiel noch die Kokerei mit dem leider schon länger defekten Sonnenrad, dem Werksschwimmbecken und der Eisbahn.

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Für uns geht es statt zur Kokerei erst einmal ins warme Besucherzentrum, wo wir uns im Shop aufwärmen. Ich stehe eine ganze Weile vor den Postkarten und amüsiere mich köstlich. Passend zur Adventszeit hier eine kleine Kostprobe:

Maria, wärst du hart geblieben,

dann wäre uns Weihnachten erspart geblieben.

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9 comments

  1. Da war ich im Frühjahr auch erst und von mir gibt es auch ein Bild auf der Rolltreppe! 🙂 Wenn du Bergwerke magst empfehle ich ein „Dinner unter Tage“. Das kann man in Meschede machen!!! Total aufregend und super authentisch!!! Man fährt tatsächlich mit einem alten Grubenwagen 300 Meter in die Tiefe (inkl. Helm und Kittel! :-))

    • Danke für den Tipp, habe ich gestern zufällig auch im NRW-Duell von gehört. 😉
      Da ich vom Harz komme, bin ich schon in so manches Bergwerk eingefahren. Ein Gruben-Light-Dinner habe ich allerdings noch nicht besucht…

      Liebe Grüße
      Jessi

    • Unbedingt! Bei schönem Wetter kann man dort bestimmt sehr gut den ganzen Tag verbringen und über das Gelände pirschen. Tolle Fotomotive gibt es an jeder Ecke!

  2. Ich hab die Tour damals 2009 gemacht, ich glaub das war in dem Jahr als das Ruhrgebiet Kulturhauptstadt wurde. War schon toll und beeindruckend, und wir hatten ähnliches Wetter wie ihr. Die Rolltreppe ist einfach genial… Ich hab mir für kommendes Jahr die Ruhrtopcard besorgt und werd damit sicherlich das eine oder andere Highlight des Ruhrgebiets noch abfahren. In das Bergwerk in Goslar wollt ich irgendwann übrigens auch mal 🙂

    • Vielleicht schaffen wir es ja, das ein oder andere Highlight im Pott gemeinsam zu besuchen!?
      Das Goslarer Bergwerk muss ich auch mal wieder besuchen…

      Liebe Grüße
      Jessi

  3. Im Herbst und Winter schön und im Frühling und Sommer noch viel schöner, die Zeche Zollverein. Dazu das riesige Gelände mit vielen Fotomotiven, das RuhrMuseum, das RedDot Design Museum, verschiedene Veranstaltungen über’s Jahr etc. Überboten wird das nur noch durch eine echte Grubenfahrt, die ich letzten Montag (in Marl) unternommen habe.

    LG
    Michael

    • Ja, im Sommer muss das Gelände toll sein und im Winter bei Schnee stelle ich es mir auch schön vor! Ich hoffe, ich schaffe es dieses Jahr noch auf die Eisbahn.
      Für Grubenfahrten bietet sich meine Heimat – Harz – auch sehr gut an! 🙂

      Liebe Grüße
      Jessi

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