Ordensburg, Stausee und einsame Wälder – Eine Rundwanderung in der Eifel

Etwas verwirrt wandern unsere Blicke von der gedruckten Wegbeschreibung zur Karte auf dem Smartphone und in der Wohngegend, in der wir uns befinden, umher. Irgendwie will das alles nicht so ganz zusammen passen. Der Anfang unserer Wanderung war noch ganz einfach: Gestartet sind wir am Wohnmobilhafen in Gemünd, wo wir uns mit unserem Bulli übers Wochenende einquartiert haben, und sind den beschriebenen Wegen bis über die Urft gefolgt. Und jetzt stehen wir hier in einem Wohngebiet und suchen den Eifelsteig. Über die grobe Richtung sind wir uns relativ schnell einig und nach kurzer Zeit geht dann auch die asphaltierte Straße in einen Waldweg über. Ab hier folgen wir jetzt den Markierungen des Eifelsteigs durch das Lassbachtal und hinauf nach Morsbach. Zunächst geht es durch den Wald, der kurz vor der nächsten Ortschaft von Feldern abgelöst wird. Hier pfeift der Wind ganz schön und ich schließe fröstelnd den Reißverschluss meiner Jacke. Insgesamt scheinen wir aber Glück mit dem Wetter zu haben, immerhin bleibt es bisher trocken.

Kurz vor den ersten Häusern der Ortschaft Morsbach biegt der Weg spitz nach rechts ab und führt uns auf den Modenhübel, wo wir den Rundumblick auf die Eifel und ihre Wälder genießen. Auch die Ordensburg Vogelsang sehen wir von hier das erste Mal. Dieses Zwischenziel unserer heutigen Rundwanderung werden wir wahrscheinlich gegen Mittag erreichen.

Vom Modenhübel geht es wieder hinab ins Morsbachtal, wo wir den Bach über einen Holzsteg queren und anschließend hömmele Stufen einer Holztreppe nach oben steigen. Der dann folgende Waldweg führt uns zum heutigen Zwischenziel: Zur Ordensburg Vogelsang. Wie vermutet ist es mittlerweile Mittag und bevor wir das Gelände der Burg betreten, machen wir eine kurze Rast auf einer Bank und verputzen unseren Proviant.

Das Gelände der Ordensburg Vogelsang ist gut besucht und im Foyer des Museums warten mehrere Gruppen auf eine Führung. Da wir noch einige Kilometer vor uns haben, nutzen wir nur schnell die Waschräume und füllen unsere Wasserflaschen wieder auf. Vom Gelände sehen wir anschließend trotzdem noch so einiges, denn die Wanderroute führt einmal quer über den Haupthof und auf der anderen Seite hinab zu den Sportanlagen. Das Schwimmbad ist auch heute noch in Betrieb.

Die ehemalige NS-Ordensburg Vogelsang ist nicht nur eines der größten Bauwerke des Nationalsozialismus, sondern auch Ausdruck seiner Überheblichkeit und Menschenverachtung. Seit 2006 entwickelt sich hier ein neuer Ort: Vogelsang IP als „Internationaler Platz“ für Toleranz, Vielfalt und ein friedliches Miteinander. Die Erfahrungen aus der Geschichte werden als Verpflichtung und Chance gleichermaßen gesehen. Wertschätzung, Dialog und Offenheit sind Haltungen, denen alle Einrichtungen am Standort verbunden sind.

Wir folgen der Teerstraße hinab zum Urftstausee, spazieren über die Brücke und biegen hinter dieser rechts ab. Nur wenige Schritte weiter führt uns ein Abzweig nach links und somit weg vom Wasser – Wegweiser nach Wolfgarten und Kloster Maria Wald. Der Weg durch das Lorbachtal steigt stetig an. Durch das Entnehmen zahlreicher Fichten und die damit verbundene beginnende Bildung eines naturnahen Waldes sieht die Landschaft zurzeit etwas zerpflückt, aber durchaus interessant aus. Besonders kurios finde ich den Anblick von mir unbekannten, grünen Büschen, die uns teilweise ein wenig im Weg stehen.

Es folgt ein weniger schöner Wegabschnitt, denn für eine Weile wandern wir parallel zu einer Landstraße, die wir jedoch kurz vor dem Ort Wolfgarten wieder verlassen. Wir machen eine kurze Rast an einer Schafweide und laufen dann geradeaus durch den Ort zum nächsten Waldstück, das wir durch ein Gatter betreten. Auf unserem Weg durch den Wald begegnen wir bis zu unserem Ziel Gemünd niemandem. Im Gegensatz zum Anfang der Wanderung ist der Schlussteil wieder recht einfach zu finden: Vom bereits erwähnten Gatter geht es ein ganzes Stück geradeaus und anschließend rechts auf einen Fortsweg. Kurz darauf biegt links ein Wanderweg nach Gemünd ab, dem wir jetzt nur noch folgen müssen.

Ein kleiner Abstecher in das Geisterdorf Wollseifen

Der Ort, dem wir vor unserer Heimreise noch einen Besuch abstatten, hat eine nicht unbedingt schöne Geschichte hinter sich. Sind bereits im zweiten Weltkrieg viele Einwohner von Wollseifen in umliegende Ortschaften geflohen, musste nach Kriegsende jeder das Eifeldorf verlassen – für immer. Britische Streitkräfte räumten Wollseifen, um den Truppenübungsplatz Vogelsang anzulegen. Ab 1950 führten hier dann die Belgier ihre militärischen Übungen durch. Erst 2006 ist der Truppenübungsplatz aufgegeben worden und seitdem kann Wollseifen besucht werden. Von den ehemaligen Gebäuden des Dorfes sind noch die Schule und die Kirche übrig, die durch einen entsprechenden Verein und das Engagement der Eifler erhalten bleiben.

Ihr wollt die Strecke einmal nachwandern? Dann schaut doch mal hier vorbei.

Weitere Infos zur Ordensburg Vogelsang findet ihr hier.

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