Weißer Sand, freilebende Papageien und ein Dorf am Strand auf den Abacos

Ich gebe zu, ich hätte gerne noch etwas länger den Luxus am pinken Strand von Harbour Island genossen, doch unsere Bahamas-Reise führt uns weiter auf die Abacos. Gegen Mittag verlassen wir etwas wehmütig das Coral Sands Beach Resort, spazieren zum Hafen und setzen ein letztes Mal mit dem Wassertaxi nach Eleuthera über, wo wir in ein Taxi zum Flughafen steigen. Dieses Mal betreten wir nicht das Hauptgebäude sondern ein noch kleineres, das einige Meter entfernt ebenfalls direkt am Vorfeld steht. Im Terminal der Privatflieger werden wir von einer Dame am Empfangstresen begrüßt und geben ihr unsere Koffer. Während wir uns in die Ledersessel plumpsen lassen, verschwindet unser Gepäck hinter einer Tür Richtung Vorfeld. Kurz vor Abflug betritt der Pilot den Raum, teilt den Anwesenden mit, dass er mit Cherokee Air nach Marsh Harbour fliegt und führt uns sowie eine Handvoll weiterer Passagiere zum Flugzeug.

Ich setze mich auf den Sitz direkt hinter dem Piloten und schließe den Dreipunktgurt. Kurze Zeit später sind alle an Bord und es kann los gehen. Die Cessna 208 Caravan setzt sich in Bewegung, wir rollen zur Startbahn und heben mit viel Getöse ab. Während Eleuthera unter uns langsam kleiner wird, kann ich mich nicht so recht entscheiden, wo ich hinschauen soll: Auf die Instrumente direkt vor mir oder auf das türkisfarbene Wasser unter mir. Kurzum: Es ist einer der interessantesten Flüge, die ich bisher erleben durfte, auch wenn mein kleines Höhenproblem sich kurzzeitig meldet. Ich schaffe es aber, das Monster im Zaum zu halten; das Fliegen lasse ich mir dadurch nicht verderben! Nach etwa zwanzig Minuten landen wir auf dem Leonard M. Thompson International Airport auf Great Abaco. Bevor wir mit unserem Gepäck in eines der Taxen steigen, bezahlen wir noch unseren Flug, den wir übrigens vor unserer Reise per E-Mail gebucht hatten.

Vom Flughafen geht es mit dem Taxi 45 Kilometer Richtung Nord-Westen zum Treasure Cay Beach, Marina and Golf Resort. Beim Einchecken erfahren wir, dass wir ein Zimmer-Upgrade bekommen und kurze Zeit später erklimmen wir die Treppen eines der Häuschen im Oleander-Block. Unser Reich für die nächsten Tage besteht aus zwei Stockwerken: Unten stehen uns eine komplett eingerichtete Küche, ein kleines Bad, ein Sofa und ein Fernseher zur Verfügung; auf der Empore befinden sich das Bett, ein Kleiderschrank, ein weiterer Fernseher und ein Badezimmer. Vom Balkon im ersten Stock des Hauses blicken wir auf die Marina, in der die unterschiedlichsten Segelboote vor Anker liegen.

Im Resort stehen uns nicht nur mehrere Restaurants, sondern auch ein Supermarkt, eine Bäckerei, eine Bank, eine Post und sogar eine Polizeistation zur Verfügung. Trotzdem ist die Anlage überschaubar und keineswegs überlaufen. Den weißen Sandstrand erreichen wir zu Fuß innerhalb weniger Minuten. Hier wird auch das Frühstück serviert und das teilweise sehr flache Wasser lädt zum Spaziergang auf den Sandbänken ein. Das Auto für unsere Inselerkundung mieten wir ebenfalls direkt im Resort.

Freilebende Papageien und eine unheimliche Begegnung

Ich hatte in unserem Reiseführer gelesen, dass im Abaco National Park Papageien (Bahama Parrots) leben. Also erkundigen wir uns vor unserer Fahrt über die Insel, ob es Führungen durch den Park gibt oder wir generell eine Chance haben, Papageien zu sehen. Wir bekommen die Antwort, dass es keine Führungen gibt und der Nationalpark leider viel zu groß ist, um eine reelle Chance auf eine Papageiensichtung zu haben. Allerdings wird uns empfohlen, in den Bahama Palm Shores Halt zu machen. In diesem Wohngebiet sollen auch ein paar Papageien leben.

Genauso wie auf Eleuthera gibt es auf Great Abaco nur eine Hauptstraße, die sich einmal von Nord nach Süd über die Insel schlängelt. Wir folgen also dem Highway nach Marsh Harbour und dann immer weiter nach Süden. Bei den Palm Shores machen wir halt und finden auch direkt einen Parkplatz, auf dem wir unser Auto abstellen können. Das Gelände besteht aus mehreren parallel verlaufenden Straßen, an denen teilweise riesige und recht luxuriöse Grundstücke mit schmucken Häusern liegen. Wir spazieren wahllos ein paar Straßen ab, spitzen unsere Ohren und lassen die Blicke über die Bäume schweifen. Auf dem Rückweg zum Auto werden wir dann schließlich fündig: In einem Baum sitzen gleich mehrere der kleinen, grünen Papageien. Leider sitzt im Garten des dazugehörigen Grundstücks ein großer Hund und das Grundstück ist offen…

Normalerweise habe ich keine Angst vor Hunden, aber dieser hier versucht ganz eindeutig sein Revier zu verteidigen, knurrt und bellt unentwegt und rennt uns sogar hinterher. Zum Glück bekommt das aber der Nachbar mit, der die Situation schnell unter Kontrolle bringt. Der Hund hat scheinbar großen Respekt vor ihm und verzieht sich wieder ins Haus. Wir bedanken uns bei unserem Retter und betrachten noch eine Weile zu dritt die Papageien, bevor wir wieder zum Auto spazieren und unsere Fahrt Richtung Süden fortsetzen. Der Schreck steckt zumindest mir noch eine Weile in den Knochen.

Im Schneckentempo holterdipolter nach Little Harbour

Wir folgen dem Highway bis zu seinem Ende ins Fischerdorf Sandy Point und blicken eine Weile aufs Meer. In der Ferne können wir ein Kreuzfahrtschiff ausmachen. Sicherlich handelt es sich um eines der Disney-Schiffe, das bei Castaway Cay vor Anker liegt, einer zu einem Freizeit- und Unterhaltungspark umfunktionierten Insel des Disney-Konzerns.

Etwa auf halbem Weg zurück nach Marsh Harbour wollen wir für eine Mittagspause Pete’s Pub ansteuern, der uns wärmstens empfohlen wurde. Die etwas andere Strandbar liegt in einem kleinen Ort mit dem passenden Namen Little Harbour, der direkt auf dem Strand errichtet wurde. Die letzten Kilometer dorthin sind recht abenteuerlich, denn wir befinden uns hier auf keiner geteerten Straße sondern einer Buckelpiste, die ihrem Namen alle Ehre macht. Obwohl mein Mann das Auto langsam und sehr vorsichtig durch die tiefen Schlaglöcher steuert, werden wir ordentlich durchgeschüttelt. Es lohnt sich aber, diesen beschwerlichen Weg auf sich zu nehmen, denn das Dorf ist wirklich malerisch und die Burger in Pete’s Pub schmecken 1A.

Wieder zurück auf der geteerten Straße, fahren wir nicht direkt zum Highway zurück sondern machen noch einen Abstecher zum abgeschiedenen Fischerdorf Cherokee Sound. Das Dorf mit den hübschen Holzhäuschen ist bis auf eine Straße, auf der man das Dorfzentrum mit dem Auto umrunden kann, komplett Fußgängerzone. Wir stellen den Wagen ab und folgen dem Weg Richtung Meer. In das zurzeit sehr flache Wasser hinein reicht ein hölzernen Landungssteg, der übrigens der längste Holzsteg der Bahamas ist. Wir laufen ihn bis zu seinem Ende ab und beschließen dann, eine der zahlreichen Treppen hinab zu benutzen und den Rückweg durchs Wasser zurück zu legen. Hier gibt es viele Conchs. Die meisten von ihnen sind bewohnt, also kommen sie natürlich sofort wieder ins Wasser. Wir haben Glück und finden nach einer Weile auch eine unbewohnte, noch fast intakte Muschel.

Über Marsh Harbour zurück nach Treasure Cay

Auf dem Highway, den es in dieser Form übrigens erst seit 1995 gibt, geht es wieder Richtung Norden nach Marsh Harbour. Hier stellen wir noch einmal das Auto ab und vertreten uns etwas die Beine. Für einen Ausflug mit der Fähre nach Hope Town auf Elbow Cay ist es leider schon zu spät; stattdessen decken wir uns in einem der Supermärkte mit US-Amerikanischen Leckereien ein und betanken anschließend das Auto. Dabei kommen wir zweimal an der einzigen Verkehrsampel auf den Abacos vorbei und beide Male ist sie rot.

Die Fahrt zurück nach Treasure Cay zieht sich, denn die Landschaft ändert sich hier kaum und zieht monoton an uns vorüber. Doch auch dieser Abschnitt unseres Ausflugs endet irgendwann und wir parken das Auto wieder am Resort. Die Ausbeute des heutigen Tages kann sich sehen lassen: Papageien gesichtet, mit dem Schrecken davon gekommen, eine Kokosnuss (die mein Mann in der Küche bearbeitet), eine Conch, amerikanische Lebensmittel und natürlich viele schöne Erinnerungen.

Infos und Links

  • Allgemeines zu den Bahamas – auch zu Mietwagen – habe ich euch hier zusammengestellt. Der Wagen wird vor Fahrtantritt bar bezahlt.

  • Von Eleuthera nach Great Abaco sind wir mit Cherokee Air geflogen. Den Flug haben wir vor unserer Reise per E-Mail gebucht; bezahlt wird es erst am Zielort.

  • Gewohnt haben wir im Treasure Cay Beach, Marina and Golf Resort. Dort haben wir auch direkt den Mietwagen gebucht. Das Resort ist eine gute Mischung aus „alles kann“ und „nichts muss“. Hier hat man wirklich alles an einem Ort und kann viele Angebote nutzen. Gleichzeitig war aber am Strand nie viel los und wir konnten einfach die Seele baumeln lassen.

  • Weitere Infos zu den Abacos gibts hier.

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