Drei ganz unterschiedliche Wanderungen rund um Oberstdorf

Als ich das letzte Mal im Zug nach Oberstdorf saß, war die Vorfreude auf die Berge nicht ganz so groß, dafür bin ich aber damals umso begeisterter wieder weggefahren und hatte mir vorgenommen, unbedingt mehr wandern zu gehen. Sobald feststand, dass ich dieses Jahr wieder ein paar Tage in Oberstdorf verbringen würde, war die Vorfreude umso größer. Dieses Mal hatte ich sogar Wanderschuhe im Gepäck und fühlte mich dank meines regelmäßigen Sportprogramms fit genug für die Bergwelt. Leider hatte ich nur zwei Tage Zeit, um die Berge rund um Oberstdorf zu erkunden, aber die habe ich gemeinsam mit meinen Eltern voll ausgenutzt. Heute möchte ich euch drei ganz unterschiedliche Wanderungen vorstellen. Da ist sicherlich für jeden – außer für Fans von Klettersteigen – etwas passendes dabei. Und von einem Schockmoment muss ich euch auch noch berichten…

Nebelhorn und Faltenbachtobel

Obwohl wir eine der ersten Bahnen hoch zum Nebelhorn nehmen wollen, ist schon reger Betrieb an der Talstation mitten in Oberstdorf. Auch die ersten Gleitschirmflieger stehen mit ihren großen Rucksäcken in der Schlange. In den Sommermonaten bekommen die Gäste vieler Hotels und Ferienwohnungen eine Karte für die umliegenden Seilbahnen und können so während ihres Aufenthalts kostenlos auf die Berge und wieder herunter fahren. Auch wir nutzen dieses Angebot gerne.

Mit der Kabinenbahn geht es mit zwei Umstiegen in den Stationen Seealpe und Höfatsblick hinauf zum Gipfel. Auf 2.224 Metern genießen wir den Ausblick auf die umliegende Bergwelt. Selbst für Wandermuffel ist dieser 400-Gipfel-Blick sicherlich etwas ganz besonderes. Um den Gipfel herum führt seit kurzem der sogenannte Nordwandsteig, eine barrierefreie Stahlkonstruktion direkt an der Bergwand, und natürlich darf ein Besuch des Gipfelkreuzes nicht fehlen.

Anschließend fahren wir wieder eine Station nach unten, um mit Blick auf den Seealpsee unser zweites Frühstück einzunehmen. Es ist herrlich, den Blick schweifen zu lassen und dem Gebimmel der vielen Kuhglocken zu lauschen, während die Gleitschirmflieger über uns ihre Runden drehen. Aber wir sind ja nicht hier oben, um „nur“ die Aussicht zu genießen. Wir wollen uns ja auch noch ein bisschen bewegen. Also geht es mit der Bahn noch eine weitere Station nach unten.

Ausgangspunkt unserer kleinen Wanderung ist die Station Seealpe der Nebelhornbahn. Von hier geht es zunächst einen Schotterweg hinunter, bevor wir rechts zum Faltenbachtobel abbiegen. In diesem Abschnitt ist der Faltenbach besonders wild und schießt immer wieder als Wasserfall die Felsen herab. Am tosenden Wasser entlang führt ein Trampelpfad über Wurzeln und Steine – Wanderschuhe und Trittsicherheit sind hier ein Muss, Wanderstöcke sind sehr hilfreich. Unterwegs halten wir immer mal wieder an, um einen Blick auf den Faltenbach zu werfen und unseren Gelenken eine Pause zu gönnen.

Den Wald verlassen wir nach knapp 2,5 km wieder in unmittelbarer Nähe der Skisprungschanzen. Bis zum Ortskern ist es nicht mehr weit. Hier suchen wir uns einen schattigen Platz vor einem der zahlreichen Cafés und gönnen uns erst einmal einen leckeren Kaiserschmarrn, um uns für unsere nächste Tour zu stärken, die wir uns für heute Nachmittag vorgenommen haben.

 

Mit dem Roller vom Oytal nach Oberstdorf

Der Tag ist noch jung und wir haben genügend Zeit für eine zweite Tour. Diesmal geht es aber nicht auf einen Gipfel sondern nur moderat aufwärts. Kurz bevor die Oststraße über die Trettach führt, biegen wir rechts in einen schattigen Kiesweg ein. Entang des Flusses geht es stetig aber sehr gemächlich aufwärts. Die Steigung ist kaum zu spüren. Bis zum Berggasthaus Oytalhaus sind es ca. 5 Kilometer und 190 Höhenmeter.

Im Gasthaus leihen wir uns drei Bergroller, mit denen wir über die Oytalstraße zurück nach Oberstdorf düsen, wo wir sie wieder abgeben können. Am Anfang bin ich noch etwas zaghaft und muss mich erst an mein neues Gefährt gewöhnen, aber dann macht es einfach nur noch Spaß, die gut asphaltierte Straße entlangzurollern. Bis auf das letzte Stück ist der gesamte Weg auch nicht besonders steil, so dass man nicht ständig die Bremse ziehen muss. Für diese Tour braucht ihr weder Wanderschuhe noch Wanderstöcke, sondern einfach ein bisschen Spaß daran, mal wieder Kind zu sein.

 

Eine Gratwanderung auf dem Fellhorn

Die beiden gestrigen Touren waren genau das richtige zum Einstieg, doch heute wollen wir uns dann doch mal ein wenig fordern. Also fahren wir recht früh mit dem Bus von Oberstdorf zur Fellhornbahn und in der Kabine bis zur ersten Station, der Gipfelbahnstation. Während die anderen Gäste umsteigen und weiter zum Gipfel fahren, verlassen wir die Station und starten unsere Wanderung Richtung Schlappold-Alpe.

Der Schlappoltsee schmiegt sich wunderschön in die bergige Landschaft und ist ein traumhaftes Fotomotiv. Ich bin so von meiner Umgebung begeistert, dass ich die beiden Murmeltiere, die vor uns auf dem Weg sitzen, gar nicht bemerke. Mein Vater ist da aufmerksamer und flüstert uns freudig seine Entdeckung zu. Auch meine Mutter und ich sind sofort hin und weg. Wir zücken die Kameras und beobachten die zwei Tiere, die natürlich schnell das Weite suchen, als sie uns bemerken. Für solche Augenblicke lohnt es sich auf jeden Fall, früh aufzustehen. Einige Zeit später wird es hier garantiert von Wanderern wimmeln, während die Murmeltiere sicher in ihrem Bau schlafen.

Vor unserem ersten Aufstieg stärken wir uns mit einem Stück Kuchen auf der Terrasse der Alpe Schlappold. Und dann wirds ernst. Wir schultern die Rucksäcke, stellen die Wanderstöcke in der richtigen Länge ein und passieren das Kuhgatter. Der vor uns liegende Trampelpfad hat lediglich eine Länge von 700 Metern, auf denen wir 195 Höhenmeter überwinden. Wir kommen nur recht langsam voran, denn der Weg ist uneben und steinig. Immer wieder geht es über Holzstufen, die der Strecke zwar etwas die Steilheit nehmen, aber den Knien nicht unbedingt gut tun. Nach einer halben Stunde haben wir es geschafft – wir stehen auf dem Gratweg zwischen Deutschland und Österreich, dem wir die nächsten Stunden bis zur Kanzelwandbahn folgen werden.

Der steinige, unebene Gratweg führt uns mal ein Stück hinab, mal ein Stück herauf. Immerwieder müssen wir anhalten, um Entgegenkommende passieren zu lassen und tief durchzuatmen. Ich bin froh über meine Wanderschuhe und den Wanderstock, der mir gute Dienste erweist. Die meiste Zeit geht es sowohl links als auch rechts steil hinab und ich weiß sofort: Das wird eine richtig tolle Wanderung!

Knappe 2 Kilometer wandern wir im Gänsemarsch den Gratweg entlang bis wir das Gipfelkreuz des Fellhorns erreichen. Meiner Meinung nach haben wir uns heute das Gipfelkreuz verdient, denn es ist heiß und die ständigen Auf- und Abstiege sind unglaublich anstrengend. Bis zur Gipfelstation der Fellhornbahn auf 1.967 Metern ist es jetzt nur noch ein kurzer Abstieg. Hier machen wir es uns in den Liegestühlen auf der Terrasse bequem und essen unseren Proviant – im Hintergrund das Gebimmel der Kuhglocken.

Unser Ziel für heute ist die Gipfelstation der Kanzelwandbahn. Bis zu ihr sind es weitere 1,7 Kilometer, die wir ebenfalls mit einem ständigen Auf und Ab zurücklegen. Das letzte Stück führt an einem künstlich angelegten Wasserlauf vorbei, den man an unterschiedlichen Stellen stauen kann. Hier haben nicht nur die Kinder ihren Spaß und bei der Hitze tut eine kleine Abkühlung gut. Im Gegensatz zur Fellhornbahn ist die Kanzelwandbahn, die hinab ins österreichische Kleinwalsertal führt, eine Kabinenumlaufbahn. Wir steigen zu dritt in eine der kleinen Kabinen und sofort wird mir etwas mulmig. Die großen, ruhig dahingleitenden Kabinenbahnen sind mir durchaus lieber. Das Ganze wäre aber nur halb so schlimm gewesen, wenn es nicht plötzlich einen Notstopp gegeben hätte und unsere Kabine wie ein Flummi auf und ab gehüpft wäre – zweimal. Ich war noch nie so froh, aus einer Seilbahn wieder aussteigen zu können.

Diese Wanderung hat mich durchweg begeistert. Sie war anspruchsvoll und landschaftlich unglaublich schön. Wanderschuhe, Wanderstöcke und eine gute Kondition solltet ihr auf jeden Fall haben.

 

 

 

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