Wandern
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Schroffe Felsen, hübsche Fachwerkstädtchen und eine Mutprobe – Ein abwechslungsreiches Wochenende im Harz

Ich stehe auf dem Großvaterfelsen und genieße die Rundumsicht. Die Bäume ringsherum haben ihr herbstlich-buntes Laub noch nicht vollständig abgeworfen und zwischen ihren Kronen ragen Richtung Osten immer wieder die Felsen der Teufelsmauer hervor. Zu meinen Füßen liegt das kleine Harzstädtchen Blankenburg – der Startpunkt unserer Wanderung entlang der Teufelsmauer. Wir wollen heute nur einen Teil dieser Felsformation erwandern, am Hamburger Wappen bei Timmenrode werden wir wieder umkehren. Gespannt auf die vor uns liegende Wanderung steige ich den Großvaterfelsen wieder herunten und folge gemeinsam mit meinen Eltern der Beschilderung.

Der Weg ist wirklich etwas besonderes, denn wir wandern nicht an der Teufelsmauer entlang sondern über sie hinweg. Wir steigen die Felsen hinauf und wieder herunter, laufen ein Stückchen auf Waldboden und steigen dann den nächsten Felsen hinauf. Von oben haben wir immer wieder einen tollen Blick auf den Herbstwald und die umliegenden Ortschaften. Natürlich sollte man für diesen Weg festes Schuhwerk und einen sicheren Tritt haben, doch auch die am Fels angebrachten Handläufe sorgen für unsere Sicherheit.

Blick in die Tiefe vom Großvaterfelsen

Blick auf Blankenburg vom Großvaterfelsen

Trampelpfad entlang der Teufelsmauer

Handläufe erleichtern das Wandern über die Felsen

Blick von der Teufelsmauer auf das Umland

Der zweite Teil unserer Wanderung führt über laubbedeckte Waldwege. Die Sonne scheint, die Vögel singen und hin und wieder springt ein Eichhörnchen von Ast zu Ast – So muss das sein. Am Wegesrand entdecken wir den Fuchsbau, einen kleinen, in den Boden gebauten Unterschlupf, den Wanderer beispielsweise bei starkem Regen nutzen können. Eine sehr sinnvolle Einrichtung, die ich so auch noch nirgends gesehen habe.

Waldweg zwischen der Teufelsmauer und dem Hamburger Wappen

Anschließend geht es stetig aufwärts, bis wir unser Ziel – das Hamburger Wappen – erreichen. Auch hierbei handelt es sich um eine Felsformation, die bei genauem Hinsehen und mit etwas Phantasie wie das Hamburger Wappen aussieht. Ob man diese Meinung nun teilt oder nicht: Dieser Ort lädt mit seinen zahlreichen Bänken, den Höhlen und Felsen sowie der schönen Aussicht auf jeden Fall zum Verweilen ein. Ein perfekter Platz für eine kurze Rast, bevor wir den Rückweg antreten. Um nicht wieder die gleiche Strecke entlang zu laufen, entscheiden wir uns hierbei für den Waldweg unterhalb der Teufelsmauer.

Das Hamburger Wappen

Rückweg nach Blankenburg unterhalb der Teufelsmauer

Eine Mutprobe in luftiger Höhe

Da noch einige Stunden vom Tag übrig sind, fahren wir von Blankenburg weiter zur Rappbodetalsperre. Dort gibt es seit einigen Jahren die „längste Hängebrücke ihrer Art“ – die Titan RT. Mutige haben hier die Möglichkeit, auf einer Länge von 458,5 Metern hoch über dem Staubecken auf einem Gitterrost-Laufsteg zu flanieren.

Blick auf die Staumauer und die Hängebrücke

Wir kaufen unsere Eintrittskarten im Besucherzentrum direkt am Parkplatz und marschieren über einen Waldweg zum Stausee. Entschlossen lasse ich mein Ticket scannen und trete durch das Drehkreuz auf das Brückengelände. Ganz leise meldet sich meine Höhenangst, doch gleichzeitig donnert ein gewaltiges „Ich mache das jetzt einfach!“ durch meinen Kopf. Zum Glück ist nicht viel los und der Wind hält sich ebenfalls in Grenzen.

Mit gemischten Gefühlen auf der Hängebrücke

Also setze ich einen Fuß auf den Laufsteg, der zunächst noch über festem Boden verläuft, und nähere mich vorsichtig dem Punkt, ab dem die Brücke in luftiger Höhe über dem Staubecken hängt. Ich schaffe den Übergang, indem ich einfach geradeaus zum gegenüberliegenden Ufer schaue. Scheinbar bin ich recht fix unterwegs, denn meine Eltern sind nicht mehr direkt hinter mir. Ich beschließe, bis zur Mitte zu laufen, denn dort ist die Brücke ein wenig breiter, und auf sie zu warten. Etwas mulmig ist mir ja schon, doch ich hatte es mir schlimmer vorgestellt.

Herausforderungen meistern macht glücklich

Auch die zweite Hälfte des Weges schaffe ich ohne einen Panikanfall, obwohl der leichte Wind die Brücke hin und wieder schaukeln lässt. Wieder festen Boden unter den Füßen atme ich erstmal tief durch und motiviere mich für den Rückweg. Auch den bringe ich ohne Probleme hinter mich. Tschakka, geschafft! Ein wenig stolz bin ich ja schon auf mich.


Titan RT

Öffnungszeiten: Ganzjährig und täglich von 8:00 bis 22:00 Uhr

Preise: Erwachsene € 6,-; Kinder € 4,-

Weitere und immer aktuelle Infos gibt es hier.


Quedlinburg und Stolberg

Der nächste Tag steht ganz im Zeichen des Fachwerks, denn wir besuchen die beiden Harzstädtchen Quedlinburg und Stolberg. Und dort gibt es jede Menge hübsche, alte Fachwerkhäuser. Die haben wir in Goslar zwar auch, doch jeder Ort ist anders und hat seinen ganz eigenen Charme.

Quedlinburg schläft noch

Quedlinburg scheint noch zu schlafen. Anfangs spazieren wir durch fast menschenleere Straßen und Gassen, was sehr angenehm ist. Auch oben am Schloss ist noch nichts los und wir können den Blick vom Schlossberg auf Quedlinburgs rote Dächer ganz in Ruhe genießen.

Bunte Fachwerkhäuschen unterhalb des Schlosses

 

Rund ums Schloss gibt es viele kleine Gassen

Wir umrunden den Schlossberg und spazieren dann auf dem Kopfsteinpflaster weiter in die Altstadt hinein. So langsam kommt Leben in den Ort und auf dem Marktplatz bestaunen Touristen das hübsche Rathaus, während die Einheimischen ihre Einkäufe an den Marktständen erledigen.

Bei uns dreien meldet sich der Hunger und wir entscheiden uns für eine kleine Pause mit Kaffee und Kuchen. Das Café Zum Roland ist in sieben miteinander verbundenen Häuschen untergebracht und bietet gemütliche Ecken zum Verweilen. Die Auswahl an Kuchen und Torten ist riesig, ebenso wie die Stücke, die auf unseren Tellern landen. Wir sind hinterher jedenfalls pappsatt.

Nach einem kurzen Verdauungsspaziergang steuern wir unser nächstes Ziel für heute an: Stolberg. Hier parken wir am Ortseingang und erreichen nach wenigen Schritten das hübsche, aber auch verschlafene Ortszentrum.

Der Seigerturm am Stolberger Markt

Wir schlendern über den Markt, durch das Tor des Seigerturms und ein Stück die Niedergasse entlang. Auf beiden Seiten der schmalen Straße reihen sich die Fachwerkhäuser aneinander. Vor dem Haus mit der Nummer 51 bleiben wir kurz stehen und treten schließlich ein. Hier befinden sich das Friwi-Werk und der dazugehörige Fabrikverkauf. Seit 1891 stellt das Stolberger Familienunternehmen Kekse, Waffeln, Lebkuchen, Zwieback und auch Pralinen sowie Schokolade her. Noch immer satt von den Torten aus Quedlinburg verzichten wir auf einen Einkauf und verlassen das Gebäude ohne eine einzige Leckerei.

Ein typischer Straßenzug in Stolberg

Blick in die Niedergasse in Stolberg

Auf dem Rückweg haben wir einen tollen Blick auf das Schloss, das über der kleinen Altstadt thront. Nach ein paar weiteren Schritten entlang der hübschen Häuser in der Rittergasse treten wir dann schließlich den Heimweg an.

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