Oche Alaaf! Mein persönliches Öcher Karnevals-ABC

Die Karnevalswoche steht kurz bevor. Donnerstag um 11:11 Uhr legt das ganze Rheinland die Arbeit nieder und feiert bis zum Aschermittwoch durch. Für Außenstehende ist das bunte Treiben häufig erst einmal etwas irritierend. Plötzlich stehen alle Kopf, tragen Kostüme und singen Lieder, deren Texte voller unbekannter Worte stecken. Da werden Traditionen ausgeübt, die Nicht-Rheinländer schon mal kopfschüttelnd beobachten. Auch ich habe während meiner letzten Jahre in Aachen so einiges über den Karneval gelernt und Liedtexte nachlesen müssen, um sie zu verstehen. Um allen Neu-Jecken und denen, die es werden wollen, einen kleinen Einblick in die schrägen Traditionen und unbekannten Worte zu geben, gibt es hier jetzt mein ganz persönliches (öcher) Karnevals-ABC.

Karneval

Alaaf – Ein Narrenruf, mit dem sich Narren und Jecken begrüßen. In Aachen wird noch ein Oche vorangestellt: „Oche Alaaf!“ Der Ruf wird in der Regel dreifach ausgerufen und stammt vermutlich vom Alt-Kölschen Ausdruck „all af“ – über alles.

Börjerwehr – Der Ursprung der Aachener Bürgerwehr liegt im Mittelalter. Die Aachener Stadtwache gibt es seit 1172, den entsprechenden Karnevalsverein seit 1922.

Dreigestirn – In der Karnevalszeit regieren der Prinz, die Jungfrau und der Bauer das närrische Volk in Köln. Hinter allen drei Figuren stecken Männer, Frauen sind nicht zugelassen. Traditionen eben… In Aachen regiert kein Dreigestirn, sondern der Prinz samt Hofstaat.

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Elferrat – Hierbei handelt es sich um das Parlament der Jecken, das aus 11 Würdeträgern besteht. Zu den Aufgaben des Rates, dem ein Präsident vorsteht, gehört vor allem die Organisation von karnevalistischen Veranstaltungen. Auf Sitzungen überreicht der Präsident den auftretenden Gästen den jeweiligen Karnevalsorden.

Fettdonnerstag – Auch als Weiberfastnacht bekannt. Der Fettdonnerstag leitet in Aachen die Karnevalswoche ein. Es wird vermutet, dass der Ausdruck entstanden ist, weil an diesem Tag besonders viel Fettgebackenes (Mutzen, Berliner usw.) gegessen wird.

Garde – Entstanden sind Karnevalsgarden (oder auch Funken), um das Militär durch den Kakao zu ziehen. Erstmals erwähnt wurden sie in den 1820ern und nach dem zweiten Weltkrieg haben die Alliierten erst einmal ein Verbot ausgesprochen, weil sie die Garden als militärisch ansahen. Dabei ist ihre Hauptaufgabe das Tanzen bzw. Hinternaneinanderreiben (Stippeföttche). Zur Garde gehört auch das bekannte Funkenmariechen.

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Karneval –  Der Ausdruck für die Zeit vor der Fastenzeit, die mit Aschermittwoch beginnt, stammt aus dem Italienischen und heißt ursprünglich „das Fleisch wegnehmen“.

Märchenprinz – Was die Großen können, können die Kleinen in Aachen erst recht und so gibt es auch jedes Jahr einen Kinder- oder Märchenprinzen.

Nonnefützje – Vielen eher als Mutzenmandeln bekannt. Es handelt sich um ein Fettgebäck, das bevorzugt in der Karnevalszeit gegessen wird.

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Orden wider den tierischen Ernst – Dieser Orden wird in Aachen jährlich verliehen. Träger sind Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben, die bei der Ausübung ihres Berufes (z.B. in der Politik) immer wieder Humor und Menschlichkeit zeigen. Ordensritter ist man sein Leben lang.

Penn – Die Öcher Penn ist Aachens ältester Karnevalsverein. Auch hier war die ursprüngliche Motivation das Persiflieren von Soldaten. Heute sorgen sie mit dem Pennzelt dafür, dass die Aachener eine Woche lang einen Ort zum ausgiebigen Feiern haben.

Rathausstürmung – Am Fettdonnerstag wird um 11:11 Uhr symbolisch der Schlüssel des Rathauses an die Narren übergeben. Anschließend regieren diese ganz offiziell die Stadt – zumindest für eine Woche.

Session – Vorsicht: Nicht englisch aussprechen! Die Karnevalssession beginnt am 11.11. und endet am Aschermittwoch. Sie wird auch als fünfte Jahreszeit bezeichnet.

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Tollität – Anderes Wort für den Karnevalsprinzen. Die Amtszeit einer Tollität beginnt mit ihrer Proklamation (Inthronisierung).

Zuggroschen – Jede Eintrittskarte, die von den Aachener Jecken gekauft wird, um an einer karnevalistischen Veranstaltung teilzunehmen, beinhaltet auch den sogenannten Zuggroschen. Dieser Teil des Eintrittspreises wird zur Finanzierung des Rosenmontagszuges verwendet. Wenn dieser startet, heißt das in Aachen übrigens „Dr Zog könt!“

Ich wünsche euch allen eine tolle Karnevalswoche!

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4 comments

  1. Vielen Dank für das tolle Karneval-ABC.

    Jetzt heißt es nur noch Songtexte auswendig lernen, Kostüm besorgen und dann kann ab morgen ordentlich gefeiert werden. Trinkfest solle man zu Karneval auf jeden Fall sein.

  2. Hi Jessi,

    vielen Dank für die Aufklärung! ich kenne mich mit Fasnacht gar nicht aus und bin immer etwas verwundert über das närrische Treiben. Aber lustig ist es dabei zu sein!

    LG aus Frankfurt
    Nicole

    • Ja, wenn man sich drauf einlässt, dann kann man eine Menge Spaß haben! 🙂
      Ich habe schon als Kind die Sitzungen im TV gesehen, obwohl ich aus Niedersachsen komme. Und ich bin froh, jetzt jedes Jahr dabei sein zu können.

      Liebe Grüße
      Jessi

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