Kaffeeklatsch mit: Beatrice aus dem Bergischen

Meine Interviewreihe Kaffeeklatsch mit… geht in die nächste Runde. Dieses Mal dreht sich alles um das Bergische, eine Region in NRW. Beatrice von Landeidoskop, die vor einiger Zeit in diese Region gezogen ist, hat mir Rede und Antwort gestanden. Sie verrät uns, was sie an ihrer neuen Heimat liebt, welche Orte man unbedingt besuchen sollte und warum das Bergische überhaupt so heißt.

Neues Titelbild

Fernweh und so: Hallo Beatrice! Schön, dass du dich meinen Fragen stellen möchtest. Kannst du dich und deinen Blog Landeidoskop kurz vorstellen? Wie bist du auf den interessanten Blognamen gekommen?

Beatrice: Hallo Jessi! Vielen lieben Dank für die Anfrage! Aber gerne: Ich bin 26, habe drei Magisterabschlüsse in Kulturanthropologie, Anglistik und Ethnologie und arbeite als Kulturredakteurin. Geboren bin ich in Madrid als Tochter eines wahren Globetrotters – die Reiselust wurde mir also schon in die Wiege gelegt! So haben mich die ersten Jahre in Spanien und frühe Reisen schon von Kindesbeinen an geprägt. Vielleicht bin ich deswegen immer neugierig auf Kultur, Reisen und alles etwas Verrückte! Das wollte ich auch mit meinem Blognamen ausdrücken. Da ich nicht immer reisen kann, ist er eher eine Schau von Reisen, Ausflügen und Alltagserlebnissen auf dem Lande, die ich auch immer wieder durch die Brille einer Kulturanthropologin zu präsentieren versuche.

Mit den Beinen im Bach - möglich im Bergischen_klein

Fernweh und so: Du bist in Spanien geboren und bereits viel in der Welt herumgekommen. Was hat dich jetzt ins Bergische verschlagen?

Beatrice: Ganz klassisch: die Liebe. Eigentlich wollte ich letztes Jahr nach Schottland auswandern. Das Bergische war mir bis dato selbst noch unbekannt. Aber hier bin ich nun! Und werde auf einmal auch gehalten durch die Liebe zum Landstrich, einer wundervollen Arbeit bei einem Regionalmagazin und vielen lieben neuen Freunden.

Fernweh und so: Das Bergische – wer denkt da nicht als erstes an ein Mittelgebirge? Das liegt bei dem Namen ja erst einmal nahe. Kannst du uns erklären, wie die Region in NRW zu ihrem Namen gekommen ist?

Beatrice: Wir leben hier tatsächlich in einer wunderschönen, zum Teil dünn besiedelten Mittelgebirgslandschaft mit idyllischen Bachtälern, großzügigen Talsperren und weiten Wäldern. Tatsächlich stammt der Name aber vom Grafengeschlecht derer zu Berg, die hier lange auf Schloss Burg residierten (ja, die heißt wirklich so!).

Der Eifgenbach am Jakobsweg_klein

Fernweh und so: Was macht das Bergische für dich liebenswert? Gibt es vielleicht besonders spaßige Traditionen oder eine regionale Delikatesse oder ist der Menschenschlag dort etwas Besonderes?

Beatrice: Also, abgesehen von Burger Brezeln und Zwieback zum Zoppen oder Dröppelminas? Wie, kein Wort verstanden? Na gut, das ging mir zu Beginn auch so! Tatsächlich sind die Einwohner von Burg stolz auf ihre sehr speziellen, harten Brezeln, die zum Beispiel in süßen Suppen eingeweicht werden. Genauso auf ihren Zwieback – den gibt es in allen Varianten: Thai-Chili-Kokos, Vanille, Mohn, Ingwer – es ist wirklich alles dabei! Der wird traditionell gezoppt, also in Stücke gebrochen und in Heißgetränke getunkt. Es geht aber noch verrückter: Die Bergische Kaffeetafel ist hier schon lange Tradition: Auf den Tisch gebracht werden von Kuchen über Kottenbutter, also belegte Brote, bis hin zu den Bergischen Waffeln (große Eierwaffeln mit Kirschen, Sahne und Milchreis) wirklich alles. In der Mitte prangt die Dröppelmina, eine Kaffeekanne mit Zapfhahn. Die Englische Tea Time kann also einpacken! Sagt das genug über den Menschenschlag aus?

Fernweh und so: Wenn es mich oder meine Leser mal ins Bergische verschlägt, welche Städte, Orte, Landstriche sollten wir auf keinen Fall verpassen?

Beatrice: Verpassen sollte man auf gar keinen Fall die Mühlen, die es auf Grund des Wasserreichtums hier in Fülle gibt: In vielen ehemaligen Kornmühlen gibt es heute wunderbare Gastronomien. Und zahlreiche Kotten, also wasserbetriebene Klingenschleifereien, zeugen heute noch vom traditionellen Handwerk der Region. Der Oberbergische Kreis ist für mich hier der schönste: Feldstein- und Fachwerkhäuser, die sich auf Hügelkuppen und in Täler schmiegen, eingerahmt von dichten, weiten Wäldern. Durch unser Wanderland verlaufen außerdem viele schöne Routen, vor allem aber der Jakobsweg – zum Pilgern braucht man also nicht in die Ferne schweifen! Und wer glaubt, unser Städtedreieck Solingen, Wuppertal und Remscheid sei nur industriell geprägt, sollte unbedingt mal in der Altstadt von Remscheid-Lennep vorbeischaun…

Der Wipperkotten eine alte Klingenschleiferei_klein

Fernweh und so: Hast du einen Lieblingsort in deiner Region, an den es dich immer wieder zieht?

Beatrice: Oh ja: den Altenberger Dom! Die großzügige Klosteranlage mit Kräutergarten, Kirche, Buchladen und Cafés ist meine Oase der Ruhe und Rekreation!
Der Eifgenbach ersetzt außerdem im Sommer jedes Freibad – nirgends kann man so herrlich mit den Füßen planschen!

Der Altenberger Dom_klein

Fernweh und so: Was hast du reisetechnisch für 2014 geplant? Auf was dürfen sich deine Leser in diesem Jahr freuen?

Beatrice: Gerade erst war ich in Hamburg, wo ich ein sehr interessantes Sozialexperiment gewagt und mich in eine ganz fremde Welt gewagt habe… Bloggen werde ich außerdem über Wien, wo ich ein Picknick in einer Gondel des ehrwürdigen Prater Riesenrads veranstalten werde. Im Sommer geht es wieder nach Schottland: Die Leser meines Blogs kennen meine große Leidenschaft für das Land.

In Schottland meinem Lieblingsland_klein

Dieses Jahr werde ich wieder über fliegende Baumstämme und wirbelnde Kilts berichten, es werden aber neue Erfahrungen dazu kommen: Ich werde es wagen, im Badeanzug in Loch Ness nach seiner berühmtesten Einwohnerin zu suchen und, sollte ich das überleben, mir noch unbekannte Landstriche erobern. Schließlich werden im Herbst die Segel gesetzt – ich heuere als Leichtmatrosin auf einem alten Schoner an… Also, zwar werde ich wegen meiner Berufstätigkeit auch künftig nicht so fleißig bloggen können wie viele tolle, engagierte Reiseblogger, aber treue Leser erwartet hoffentlich trotzdem das eine oder andere Bonbon. Ich freue mich jedenfalls von Herzen über jeden Follower! Ganz herzlichen Dank Dir für diesen schönen Kaffeeklatsch – vielleicht treffen wir uns das nächste Mal ja bei mir im Bergischen bei Kottenbutter und Dröppelmina…?!

Fernweh und so: Ich danke dir für den interessanten Einblick in dein Bergisches Leben. Gerne komme ich mal bei dir vorbei!

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3 comments

  1. Liebe Jessi,

    ganz herzlichen Dank noch einmal für den schönen und spaßigen Kaffeeklatsch und auf bald bei einer schönen Bergischen Waffel!

    Liebe Grüße
    Beatrice

  2. Ein ganz toller Bericht und es hat mir Spaß gemacht, ihn zu lesen. Mich hat es selbst auch ins Bergische verschlagen und ich schätze die Urpürnglichkeit und auch die Abgeschiedenheit dieser Gegend sehr. LG Monika

    • Das freut mich, vielen Dank! 🙂
      Ich persönlich könnte nicht so abgeschieden wohnen, aber für einen Ausflug ist es bestimmt toll.

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