Von Flußkrebsfischern und einem Wein mit Doktortitel – Wie man in Bernkastel-Kues Karriere macht

Während ich meiner Taxifahrerin dabei zuhöre, wie sie von ihrem letzten Urlaub am Bodensee schwärmt, nähern wir uns dem kleinen Moselort Bernkastel-Kues. Hoch oben thront die angestrahlte Ruine der Burg Landshut und vertreibt zumindest in ihrer unmittelbaren Nähe die Dunkelheit. Am nächsten Tag werde ich erfahren, dass jüngste Forschungen zu der Erkenntnis geführt haben, dass die Burg und somit auch Bernkastel viel älter sind als bisher vermutet, schließlich hat man römische Grundmauern unter der heutigen Ruine entdeckt. Doch für solche Ausflüge in die Geschichte der Moselregion ist es jetzt eindeutig zu spät und stattdessen genehmige ich mir lieber eine warme Mahlzeit, bevor ich in die Kissen falle.

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Am nächsten Morgen bin ich durchaus bereit für Kultur und Geschichte. Beides erwartet Jana von Sonne&Wolken und mich auf der Kueser Moselseite. Als Bernkastel im 13ten Jahrhundert das Stadtrecht verliehen wurde, hätten wir nicht so einfach über den Fluss auf die andere Seite gelangen können, denn die Brücke gibt es erst seit dem 15ten Jahrhundert. Damals war sie die erste Moselbrücke zwischen den Städten Koblenz und Trier. Es hätte allerdings auch keinen Grund gegeben, das gegenüberliegende Ufer erreichen zu wollen. Kues lag zu dieser Zeit ein Stück moselaufwärts und war ein eigenständiger kleiner Ort.

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Für uns gibt es heute nicht nur die Möglichkeit, sondern auch einen Grund, die Mosel zu überqueren und die Kueser Seite zu besuchen: Das St. Nikolaus-Hospital Cusanusstift. Ich muss zugeben, dass uns weniger das Altenheim als vielmehr die Vinothek interessiert. Seit 1996 werden in ihren Kellergewölben 150 Weine aus der gesamten Region ausgestellt und zum Verkauf angeboten. Wir können uns gar nicht satt sehen an den vielen hübschen Flaschen und so scheint es auch der Gruppe Amerikaner zu gehen, die lachend und mit Gläsern bewaffnet durch die Gänge zieht. „Die Amerikaner interessieren sich vor allem für die süßen Weine.“, verrät uns Sebastian Quint und zeigt uns auf unseren Wunsch hin ein paar trockene Varianten.

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Das Stift geht auf Nikolaus Krebs zurück, der Sohn eines wohlhabenden Moselschiffers war. Der Familienname stammt vermutlich von den Tieren ab, die hauptsächlich ins Netz gingen. Schon mit 15 Jahren nahm Nikolaus sein Studium auf und stieg später zum Kardinal und Bischof auf. Das Altenheim für ursprünglich 33 bedürftige Männer finanzierte er mit einem 8ha umfassenden Weingut.

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Nach einer Moselrundfahrt, die mich ebenfalls über das Thema Altenheim nachdenken lässt, treffen wir Sebastian Quint wieder – diesmal auf der Bernkasteler, der alten Seite. Stolz erzählt er uns, dass Bernkastel-Kues mit seinen 6.500 Einwohnern der größte Ort zwischen Koblenz und Trier ist und jährlich 1,5 Mio. Touristen aus aller Welt anlockt. Heute kommen viele per Schiff, während es bis Ende 1962 noch möglich war, mit der Moseltalbahn – auch liebevoll Saufbähnchen genannt – auf gut 100km von Bullay nach Trier die Weinorte abzufahren und auch in Bernkastel-Kues einen feucht-fröhlichen Zwischenstopp einzulegen. „Schade, das wäre sicher noch heute eine echte Touristenattraktion!“, wirft Jana ein und ich muss ihr zustimmen. Überhaupt nicht schade, sondern eher unvorstellbar finde ich, dass die kopfsteingepflasterte Straße, über die wir uns auf den Markt zubewegen, bis 1997 eine Bundesstraße war.

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Auf dem Marktplatz komme ich das erste Mal in Weihnachtsstimmung, was beim Anblick der festlich geschmückten Buden vor der unglaublich hübschen Fachwerkkulisse auch nicht schwer fällt. Jetzt fehlt nur noch der Schnee… Kalt ist es jedenfalls schon und als wir vor der Straußwirtschaft Dillinger stehen, in der ich im letzten Jahr bereits den Wein genießen durfte, sehne ich mich nach Wärme. Doch statt einzukehren, erfahre ich, dass auch hier Karl der Große seine Finger im Spiel hatte. Im Jahre 812 hat der wohl berühmteste Öcher den Winzern erlaubt, eine Wirtschaft zu betreiben. Dem entsprechenden Erlass haben wir auch die heutigen Straußwirtschaften, in denen man vier Monate im Jahr den Wein genießen darf, zu verdanken.

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Zum Abschluss unseres Rundgangs durch Bernkastel-Kues stehen wir dann dem teuersten Weinberg gegenüber – dem Bernkasteler Doctor. Einer Sage nach war einst der Kurfürst so sehr erkrankt, dass er dem Tode bereits ins Auge blickte. Während die Ärzte mit ihrem Latein am Ende waren, sorgte der Wein dieser deutschen Einzellage an der Mosel für eine schnelle Genesung des Fürsten. Diesem Umstand hat der teure Wein seinen Namen zu verdanken.

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Nach einem grandiosen Essen in der Rotisserie Royale, dem ich liebend gerne ebenfalls mindestens einen Doktortitel verleihen würde, dürfen wir den Doctorwein kosten. Im Weingut Dr. Pauly-Bergweiler werden uns 13 edle Tropfen kredenzt. Bei jedem der Weine handelt es sich um Riesling, doch könnten sie geschmacklich nicht unterschiedlicher sein. Allein in Farbe und Duft ist keiner wie der andere. Als wir am nächsten Vormittag durch die Weinberge spazieren, entdecken wir sogar einige der Lagen, von denen die köstlichen Weine stammen.

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Vielen Dank an die Wein- und Ferienregion Bernkastel-Kues, die mich zu dieser Recherchereise eingeladen hat. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst worden.

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4 comments

  1. Pingback: Lomoliebe: Bernkastel-Kues in feinstem "Grau in Grau" » Sonne & Wolken

  2. Kleine Kurzgeschichten die man gerne liest. Sehr schön. Lade Sie mal nach Zeltingen ein zu einer Original Bulli Tour. Grüße Markus Reis, Hotel Zeltinger-Hof, Gasthaus des Rieslings

    • Sehr gerne! Kontaktieren Sie mich doch einfach per E-Mail.

      Herzliche Grüße
      Jessica Koch

  3. Sehr schöner Bericht! Ich glaub ich war da auch mal muss aber schon ein paar Jahre her sein….
    Lg Nicole

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