Gebrauchsanweisung für Aachen: Ganz viel Wasser – von unten und von oben

Als ich neulich darüber geklagt habe, dass Aachen das Wasser fehle, damit es hier perfekt sei, habe ich der Stadt schon in gewisser Weise Unrecht getan. Der aufmerksame Leser ist vielleicht sogar stutzig geworden, als ich wenig später den französischen Namen Aachens erläutert habe, schließlich steckt in Aix la Chapelle das Wort Wasser bzw. Quelle. Dass wir hier kein Wasser haben, stimmt nicht. Wir haben sogar sehr viel davon in Aachen: heißes Wasser von unten und kaltes Wasser von oben, beides in beachtlichen Mengen. Deshalb widme ich diesen Teil der Gebrauchsanweisung dem Element, dem Aachen seine große Bedeutung für die Römer und später für unseren Karl zu verdanken hat: Wasser.

 

Ich schlage vor, wir wenden uns erst einmal dem doch eher negativ behafteten Teil des Wasser-Themas zu. Die volle Regenmontur ist nicht immer notwendig, meistens aber praktisch, vor allem die Gummistiefel. Auf jeden Fall aber sollte man in Aachen einen Gegenstand möglichst immer bei sich tragen: Einen Regenschirm – einen Paraplü, wie der Öcher zu sagen pflegt. Sowohl unter den öcher Originalen als auch den Zugezogenen hält sich hartnäckig das Gerücht, dass Aachen eine der regenreichsten Städte Deutschlands sei. Stadtbekannt sind in diesem Zusammenhang Sprüche wie „In Aachen gibt es zwei Wetterzustände: entweder es regnet oder es fängt gleich an, zu regnen!“ oder „Aachen hat nur zwei Arten von Wetter – warmen und kalten Regen!“ Gefühlt ist das auch so, statistisch sieht es aber nicht ganz so düster aus. Zwar sprechen die Zahlen erst einmal für Aachen als regenreichste Stadt, denn mit 830 Liter/qm an 190 Tagen im Jahr liegt Aachen deutlich über dem deutschen Durchschnitt. Doch was die durchschnittliche Regenmenge pro Quadratmeter in Deutschland angeht, liegt Aachen nur auf Platz acht – hinter Städten wie Wuppertal, München oder Freiburg. Im nur gut 70 km entfernten Köln regnet es sogar an 73 Tagen im Jahr mehr als in Aachen.

 

Wer abends in der Nähe des Hauptbahnhofs unterwegs ist, der entdeckt sehr wahrscheinlich ein blinkendes Etwas auf dem Dach des städtischen Verwaltungsgebäudes am Bahnhofsvorplatz. Es handelt sich dabei um eine Wettersäule, die das Wetter der nächsten Stunden anzeigt. Schon oft habe ich gehört, dass doch niemand wisse, wie „dieses Ding“ funktioniere. Dabei muss man nur auf die Seite der STAWAG (Stadtwerke Aachen) schauen, die „dieses Ding“ steuert.

 

Die Wettersäule zeigt sowohl die Temperatur als auch die Wetterlage an. Für erstes ist der Schaft zuständig. Leuchtet er konstant, ändern sich die Temperaturen in den nächsten Stunden nicht. Aufsteigendes Licht verspricht steigende Temperaturen, absteigendes Licht kündigt einen Temperaturabfall an. Die Kugel auf dem Schaft zeigt die zukünftige Wetterlage an – Blinken bedeutet eine Änderung, bei konstantem Licht ändert sich nichts. Die Kugel kann aber nicht nur leuchten und blinken, sondern auch drei verschiedene Farben anzeigen: blau bedeutet heiter bis wolkig und trocken, gelbes Licht sagt bedeckten bis wolkigen Himmel ohne Niederschlag an und weißes Licht droht mit selbigem.

Wer sich nach einem langen, kalten Regenguss wieder aufwärmen möchte, sollte schnell ins warme Thermalwasser hüpfen. Das haben sich auch schon die Römer gedacht, die Aachens heiße Quellen für sich entdeckten und nutzten. Wahrscheinlich war auch in der Antike das Wetter bereits so usselig (kalt, ungemütlich, regnerisch – einfach bäh) wie heutzutage… Den Römern standen mehrere solcher Bäder im damaligen Aachen zur Verfügung. Heute müssen wir uns mit einem einzigen begnügen. Die Carolus Thermen bieten aber genügend Platz zum Entspannen, Saunieren und Einfach-mal-treiben-lassen. Zumal das Baden auch nicht mehr so zelebriert wird wie es einst die Römer taten (die hatten aber auch nicht alle eine Bademöglichkeit im eigenen Heim). Im wunderschönen Stadtteil Burtscheid befinden sich verschiedene Kurkliniken, die ebenfalls das heiße Thermalwasser nutzen. Wenn es draußen kalt ist, dann dampfen sogar die Gullideckel, was vor allem in der Dämmerung ein kleines bisschen Mystik in das Aachener Kurgebiet bringt.

Auch dieser Burtscheider Brunnen wird mit Thermalwasser gespeist.

Unter Aachen befinden sich allerdings nicht nur die Thermalquellen. Die Kaiserstadt war einst auch eine Wasserstadt, denn Aachen war von einem dichten Gewässernetz durchzogen. Doch wo ist das viele Wasser jetzt? Um 1800 begannen die Aachener, das fließende Nass zu verrohren und unter die Erde zu verlegen. Die Stadt wuchs und das Wasser musste Straßen und Gebäuden Platz machen. Andere Bäche wurden umgeleitet, um beispielsweise Mühlen anzutreiben. Heute ist vom einstigen Gewässernetz nichts mehr zu sehen. Die Bäche liegen gut verrohrt neben den Abwasserkanälen und dem Thermalwasser. Das hat aber auch Vorteile, denn ich kann mir durchaus vorstellen, dass der Schwefelgestank der vielen heißen Quellen früher teilweise unerträglich gewesen sein muss. Heute ist er nur noch am Elisenbrunnen wahrzunehmen.

Am Elisenbrunnen fließt noch Thermalwasser – Schwefelgeruch inklusive.

Wer aufmerksam durch Aachen geht, kann doch noch letzte Zeugen der Wasserstadt entdecken. In einer gepflasterten Rinne neben der Straße wurde der Johannisbach wieder ans Licht geholt – zumindest ein kleiner Abschnitt des Baches. Viele nennen ihn fälschlicherweise Annuntiatenbach, das ist aber lediglich der Name einer Straße, an der er entlang fließt, bevor er an der Pontstraße wieder in der Kanalisation verschwindet. In den Pflastersteinen der Rennbahn sind Sandsteinplatten eingelassen, die bei Ausgrabungen entdeckt wurden und einst die Blausteinrinne der Pau abdeckten.

Die in 2005 geborgenen Steinplatten bedeckten mehrere Jahrhunderte lang den Paubach.

Auch wenn die Bäche größtenteils unter Aachen fließen, so sprudelt doch an vielen Ecken das Wasser in Brunnen, von denen keiner dem anderen gleicht. Deshalb möchte ich euch zum Abschluss dieses Teils der Gebrauchsanweisung noch mit auf eine Brunnentour durch Aachen nehmen. Die hier aufgelisteten Brunnen bilden lediglich einen Bruchteil der wasserspuckenden Gebilde, die Aachen zu bieten hat.Wenn man einen Aachener nach dem Friedrich-Wilhelm-Platz fragen würde, dann wäre es recht wahrscheinlich, in ein fragendes Gesicht zu blicken. Den Weg zum Elisenbrunnen kann allerdings jeder erklären. Und dieser liegt an besagtem Platz, was vielen jedoch nicht bekannt ist. Aachens größter Brunnen fußt auf dem Fundament der einstigen Barbarossamauer und beherbergt die Touristinfo sowie ein Eiscafé. In lauschigen Sommernächten wird im Zentrum des Brunnens Tango und Salsa getanzt, während sich tagsüber Aachener und Touristen im dahinter liegenden Elisengarten sonnen.

 

 

 

Der unter Touristen und Kindern wohl beliebteste Brunnen ist der Puppenbrunnen in der Krämerstraße. Das hoch frequentierte Fotoobjekt besteht aus unterschiedlichen metallenen Puppen, deren Gliedmaße in verschiedene Positionen gedreht werden können. Schaut man genauer hin, entdeckt man unter den Darstellungen allerlei Dinge, die typisch für Oche sind. So sind die Kirche durch einen Prälat, die Textilindustrie durch ein Modepüppchen und die Hochschule durch einen Professor vertreten. Natürlich darf auch der Karneval in Form verschiedener Masken nicht fehlen und ganz oben thronen Pferd und Reiter, ohne die es in Aachen das große Reitsportevent CHIO nicht gäbe.

 

Oberhalb des Elisengartens befindet sich ein weiterer, recht bekannter Brunnen. Der „Kreislauf des Geldes“ wird ganzjährig betrieben, da er mit warmem Thermalwasser gespeist wird. Der Name ist Programm: Die Figuren stellen die unterschiedlichen Beziehungen zwischen dem Mensch und seinem Zahlungsmittel dar.

 

Am Fischmarkt treffen wir auf das Fischpüddelchen – einen kleinen, nackten Jungen, der in seinen Händen zwei Fische hält. Der arme Junge wurde aufgrund seiner Freizügigkeit mehrfach versetzt und sogar versteckt. Im Zweiten Weltkrieg wurde er dann gänzlich entfernt, er wurde eingeschmolzen. Seit 1954 steht am Fischmarkt eine Nachschöpfung des einst so skandalösen Fischpüddelchens.

 

Wo wir schon einmal bei Aachener Begrifflichkeiten sind, möchte ich euch vom „Türelüre-Lißche uus de Klapperjaaß“ erzählen. In der entsprechenden Sage wird das kleine Lieschen von drei frechen Jungen daran gehindert, eine Toilette aufzusuchen, bis es irgendwann zu spät ist. Und genau diese Situation finden wir in der Klappergasse auf dem Brunnen Türelüre-Lißje vor.

 

Am Ende der Adalbertstraße – Aachens Shoppingmeile – befindet sich der Kugelbrunnen, dessen Kugeln sich alle acht Minuten hydraulisch öffnen. Die Skulptur erinnert dann an eine geöffnete Blüte. Das darunter befindliche Becken ist mit vielen kleinen Keramikkugeln aus dem Forschungszentrum Jülich bestückt.

 

 

Als letztes möchte ich euch noch den Karlsbrunnen zeigen, der sich auf dem Marktplatz direkt vor dem Aachener Rathaus befindet und aus diesem Grund den zweiten Namen Marktbrunnen trägt. Es handelt sich dabei um den ältesten Brunnen Aachens. Die Karlsfigur, die diesem Brunnen seinen Namen gab, ist heutzutage nur noch eine Nachbildung. Das Original war bereits in Paris, wohin es 1792 durch die Franzosen verschleppt wurde. 1804 kam unser Karl aber wieder zurück nach Aachen und steht heute im Krönungssaal des Rathauses.

 

Ich hoffe, dass ihr einen kleinen Eindruck von Aachens doch recht wertvollem Nass erlangen konntet und Lust auf eine reale Brunnentour bekommen habt. Da wir nicht vom Regen in die Traufe kommen wollen, werden wir uns im nächsten Teil der Gebrauchsanweisung für Aachen den süßen Seiten der Kaiserstadt widmen.

 

Noch mehr spannende Posts:

5 comments

  1. Kleine Ergänzung noch zum Kugelbrunnen: Wegen Blütenform und Wasser heißt das Ding im Volksmund auch Pissnelke.

    VG
    Richard

  2. Also auf Wasser von oben kann ich derzeit mehr als gut verzichten. Aber ich wollt ja schon immer mal in Eure berühmte Therme. Wie heisst sie noch? Die soll ja so schön sein. Liebe Grüße, Nadine

    • Das sind die Carolus Thermen. Ich kenne zwar nur den Wasserbereich, aber der Saunabereich soll auch ganz toll sein.

      Liebe Grüße
      Jessi

  3. Wie bitte?! Aachen liegt im deutschlandweiten Regen-Ranking noch hinter München? OMG, du hast ja Recht. MUC hat sogar den vierten Platz inne, während Aachen sich auf dem achten Platz ja fast noch „sonnen“ kann.

    Jetzt wird mir so einiges klar. Und da du mich mit deinem Artikel von der Schönheit Aachens durchaus überzeugt hast, überlege ich einen offiziellen Asylantrag in euer sonniges, trockenes, ja fast schon subtropisches Wohlfühlklima zu stellen. Denkste, ich hab da gute Chancen? :]

    LG Phil

    • Ich denke nicht, dass etwas dagegen spricht! Uns ist ja Humor sehr wichtig, den bringst du mit. Und deine Leidenschaft für die Luftfahrt passt ja auch an unsere Uni. 🙂

      Wann darf ich dich als Mitbürger begrüßen?

      Liebe Grüße
      Jessi

Schreibe einen Kommentar

Required fields are marked *.