Aachen, Deutschland, Gebrauchsanweisung für
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Gebrauchsanweisung für Aachen: Die Öcher und ihr Oche

Wenn ich euch fragen würde, was euch zu Aachen einfällt, würdet ihr wahrscheinlich so etwas antworten wie Printen, Technische Hochschule, Nähe zu Holland/Belgien; Pferdefreunde würden den CHIO nennen und diejenigen, die in Geschichte aufgepasst haben, würden Karl der Große sagen. Was Aachen sonst noch so ausmacht, seine „Macken“ und liebenswerten Seiten, werde ich euch in dieser neuen Blogserien aus Sicht einer Zugezogenen, die auch erst mal so einiges über ihre neue Heimat lernen musste, näher bringen.

Wenn man es ganz genau nimmt, dann heißt Aachen ja eigentlich Bad Aachen. Doch dann würde unsere wunderschöne Stadt nicht mehr als allererstes in der alphabetisch sortierten Liste aller deutschen Städte erscheinen… Und das wollen wir natürlich nicht! Von den Einwohnern Aachens – den Öchern – wird die Kaiserstadt übrigens Oche genannt (das stünde aber ja noch weiter unten in der Liste).

Wenn ihr mich fragt, dann klingt Oche etwas plump, aber auch mit den sprachlichen Eigenheiten muss man sich nun mal arrangieren. Am schönsten klingt Aachen in meinen Ohren auf Französisch: Aix la Chapelle. Der erste Teil des wohlklingenden Namens steht dabei für Wasser bzw. im übertragenen Sinne für Quellen. Und da wären wir dann wieder bei Bad Aachen, doch auf die heißen Quellen werde ich in einem separaten Post eingehen. Da es mehrere Orte mit dem Namen Aix gibt, wurde zusätzlich noch Aachens berühmter Dom – la Chapelle – in den Namen der Stadt eingebaut. Auf den Stadtplänen, die an einigen zentralen Orten in Aachen stehen, taucht neben der deutschen und der französischen Bezeichnung auch noch das Wort Aken auf. Na, wer errät, welcher Sprache dieser Name entsprungen ist? Richtig, Aken kommt aus einem der beiden direkt an Aachen grenzenden Ländern: den Niederlanden.

Auch auf den Stadtplänen wird die Nähe zu B und NL deutlich.

Und damit wären wir bei Aachens geographischer Lage. Auf Deutschland bezogen ist Aachen eine Randstadt, genauer gesagt ist sie Deutschlands westlichste Großstadt. Bezieht man die nahe Umgebung in die geographische Betrachtung mit ein, so liegt Aachen in einem Gebiet, das liebevoll Das Herz Europas genannt wird. Hierzu zählen die vier Regionen Süd-Limburg (NL), Belgisch Limburg (B), Provinz Lüttich (B) und eben Aachen-Düren-Heinsberg (D). Wer jetzt denkt, dass Aachen aufgrund seiner Nähe zu den Niederlanden flach wie eine Flunder ist, der irrt gewaltig. Ebenfalls gleich um die Ecke befindet sich nämlich die Eifel, deren Ausläufer bis nach Aachen reichen. Und das bekommt man an der ein oder anderen Stelle durchaus zu spüren, vor allem als Radfahrer.

Die Kinder recken den vom Nadelnsortieren steifen Klenkes in die Höhe.

Dank seiner Lage ist es möglich, von Aachen aus sowohl einen Tagesausflug ans Meer als auch nach Köln, Düsseldorf oder ins Ruhrgebiet zu machen. Naturverbundene sind ruck zuck im Mittelgebirge Eifel oder im Hohen Venn.

Kaiser Karl thront auf dem Brunnen vor dem Rathaus.

Besucht man Aachen mit dem Auto, dann fährt man meist von der Autobahn kommend auf einer Straße, die den Namen der Stadt trägt, in deren Richtung sie jeweils führt, direkt auf das Zentrum Aachens bzw. einen der Ringe zu. Vereinfacht ist Aachen nämlich in drei Ringe unterteilt: Grabenring, Alleenring, äußerer Ring (hierbei handelt es sich allerdings eher um einen „offenen“ Ring). Die beiden ersten Ringe existieren schon seit ca. 1172 und ca. 1300, denn hier standen einst die innere (Barbarossa-Mauer) und die äußere Stadtmauer. Reste beider Befestigungsanlagen sind noch erhalten, unter anderem das gewaltige Ponttor und das Marschiertor sowie verschiedene Mauerabschnitte.

Das Ponttor war Teil der Befestigungsanlage.

Alles, was sich innerhalb des Alleenrings befindet kann zur Innenstadt gezählt werden. Dominiert wird sie durch den Dom – übrigens das erste deutsche UNESCO Weltkulturerbe – und das Rathaus im direkten Zentrum Aachens. Hier hat einst Karl der Große regiert, dem man nicht nur auf dem Marktbrunnen sondern auch an anderen Orten Aachens begegnet. So sind beispielsweise die Carolus Thermen nach ihm benannt und durch die historische Altstadt wird man von zahlreichen Messingnägeln im Kopfsteinpflaster begleitet. Schaut man genauer hin, entdeckt man auf ihnen das Karlsmonogramm – die offizielle „Unterschrift“ Karls des Großen. Auch dem wohl bekanntesten Bewohner Aachens werde ich mich in einem gesonderten Post noch einmal ausführlich widmen.

Das Karlsmonogramm zieht sich durch die gesamte Altstadt.

Beim Thema Innenstadt muss ich die Damen auf das Kopfsteinpflaster aufmerksam machen, das zwar wunderschön alt ist und zur Kulisse passt, allerdings auch sehr Stöckelschuh-unfreundlich ist. Ich persönlich kenne das Problem bereits aus meiner Heimatstadt, doch Ungeübten empfehle ich möglichst flaches Schuhwerk bei der Erkundung von Aachen. Dann kann auch Frau ohne Hindernisse über den weitläufigen Marktplatz und durch die kleinen Gassen wandeln. Aachens Zentrum ist – vergleicht man es mit Städten ähnlicher Größe – übrigens das am dichtesten besiedelte innerhalb von Deutschland.

Der Marktplatz wird von alten Häusern gesäumt.

Ich möchte noch einmal auf die Sprache zurückkommen, denn wie ich als Hochdeutsch-sprechende Niedersächsin recht schnell feststellen musste, gehört das Öcher Platt genauso zu Aachen wie der Dom, die Printen oder der liebe Karl. Allein das Wort „öcher“ ist schon ein gutes Beispiel für die Eigenarten des hiesigen Dialekts und führt dazu, dass Nichtkenner auch gerne mal an das Kölsche denken müssen. Beide haben nämlich gemeinsam, dass das „ch“ als „sch“ ausgesprochen wird. Dafür wird der Fisch umgekehrt aber auch ganz schnell mal zum Fich…

Auf dem Hof stehen vier Häuser aus vier Epochen direkt nebeneinander.

Ganz allgemein würde ich den öcher Dialekt als Singsang beschreiben, es steckt unglaublich viel Melodie in jedem gesprochenen Satz. Als Zugezogene wurde ich anfangs außerdem mit vielen für mich neuen Worten konfrontiert. Relativ schnell kam mir das typische „Tschö!“ über die Lippen; echte Profis hängen noch ein „waa“ an. Flucht der Öcher, ruft er gerne mal „Au Hur!“, möchte er sein Mitgefühl ausdrücken, ist ein mitleidiges „Och härm!“ zu hören. Dem Öcher ist auch nicht kalt, er hat kalt. Im Regen benutzt er einen Paraplü und der kleine Finger ist auch als Klenkes bekannt.

Im Stadtkern gibt es viele kleine Gassen.

Ne echte Öcher bin ich zwar nicht, doch habe ich mir schon so einiges an sprachlichen Eigenheiten angewöhnt. Ein Beweis dafür, dass ich mich in Oche pudelwohl fühle.

Der Dom ist das erste UNESCO Weltkulturerbe Deutschlands.

Ich hoffe, meine kleine Einführung in die Eigenarten Aachens hat euch gefallen!? In Zukunft wird es noch viele weitere Posts unter dem Motto „Gebrauchsanweisung für Aachen“ geben. Unter anderem soll es dabei um viel Wasser, die süßen Seiten Aachens und den Teufel höchstpersönlich gehen…

Ich freue mich über das Teilen dieses Beitrags:

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