Regen, Fritten und ganz viele Treppen in Lüttich

Ich habe das Glück, in einem katholischen Bundesland zu leben und somit zwei Feiertage mehr als in meinem Heimatbundesland zu haben. Einer davon war erst letzte Woche Donnerstag: Allerheiligen. Trotz relativ schlechter Wettervorhersage beschlossen mein Freund und ich, nach Lüttich zu fahren. Also stratzten wir recht früh zum Bahnhof, kauften uns ein Euregioticket, das am Wochenende und an Feiertagen für bis zu zwei Erwachsene den ganzen Tag lang gilt und fuhren etwa eine Stunde mit der belgischen Bahn nach Lüttich/Liège/Luik. Die Provinzhauptstadt hat etwa 190.000 Einwohner und liegt am Zusammenfluss von Maas und Ourthe.

Der Euregioexpress bringt uns nach Lüttich

Kaum hatten wir den Bahnhof verlassen, musste ich auch schon das erste Mal den Schirm aufspannen. Unser Weg führte zuerst Richtung Osten, bis wir an den Fluss Meuse (Maas) gelangten. Plan war, am Fluss bis in die Stadt zu laufen. Was nett klang wurde leider durch die meiner Meinung nach sehr undurchdachten Verkehrsführung eher nervig. Jedes Mal, wenn wir an eine Brücke kamen, mussten wir dreimal die Straße überqueren, denn in der Richtung, in die wir uns bewegten, gab es keinen Überweg… Einen Weg direkt am Wasser gab es leider auch nicht. Hinzu kam, dass mich das, was ich sah, sehr enttäuschte. Alles wirkte irgendwie heruntergekommen und schmuddelig auf mich. Sicher trug auch das graue Wetter dazu bei, doch wirklich hübsch war hier keines der Gebäude. Als ich beschloss, einen Blick in die Karte zu werfen, mussten wir feststellen, dass wir schon viel zu weit gelaufen waren. Der Weg wirkte auf der Karte länger. Also bogen wir links von uns in die kleineren, ruhigen Straßen von Lüttich ab. Ruhig ist ein gutes Stichwort: Anscheinend war auch in Belgien Feiertag und den verbrachten die meisten Lütticher in ihren Häusern. Wir begegneten kaum einer Menschenseele.

Abseits der Hauptstraße wurde die Gegend ein wenig freundlicher, doch begeistert war ich noch immer nicht. Selbst die alten Häuser, die es in den Gassen recht viel gab, überzeugten mich nicht. Mein Reiseführer (Dumont Belgien) empfiehlt einen Bummel durch die Sackgassen Impasse Venta, Impasse de la Couronne und Impasse de l’Ange. Hier sollen sich die ältesten, wiederhergestellten Wohnquartiere von Lüttich befinden. Als erstes entdeckten wir die letztgenannte Gasse und traten gespannt hinein. Sehr eng, aber sehr schön und bei Sonnenschein bestimmt irgendwie mediteran. Hier gefiel es mir das erste Mal seit wir in Lüttich angekommen waren richtig gut. Schade nur, dass das Wetter nicht mitspielte. Einen Bummel durch die Impasse Venta kann ich nicht empfehlen, richtig schön sind nur die anderen beiden Gassen.

Am Place Saint Barthelemy verließen wir die Hauptstraße
Die Gasse gehört zu den ältesten Wohnbezirken Lüttichs
Die Notre-Dame de l’Immaculée Conception fällt sofort auf

Und dann standen wir vor den 373 Stufen des Montagne de Bueren, auf dem sich die Zitadelle befindet. Das war eine unglaublich lange, steile Treppe, doch ich wollte Lüttich unbedingt von oben sehen. Also machten wir uns auf den Weg. Eine Stufe nach der anderen. Zwischendrin mussten wir immer wieder anhalten. Nicht nur, um die hübschen Häuschen an der Treppe zu bewundern, sondern einfach, um Luft zu holen. Wer hatte bloß die Idee gehabt, hier hoch zu gehen? Ach, das war ja ich… An der Zitadelle angekommen hatten wir wirklich einen tollen Blick auf Lüttich. Trotz der Wolkendecke genoss ich einige Momente den Ausblick. Städte von oben können mich so gut wie immer begeistern.

Da ging’s hoch
So sieht die Treppe dann von oben aus
Lüttich – leider grau in grau

Der Abstieg ging zwar schneller und raubte mir nicht den Atem, doch anstrengend war es trotzdem. Direkt am Fuß der Treppe sind wir rechts in die Impasse des Ursulines eingebogen. Sie führt zum ehemaligen Beginenkloster. Leider sind wir nicht sehr weit gekommen, denn meine vor Hunger zitternden Knie versagten mir die Besteigung weiterer Treppen. Also machten wir uns auf in Richtung City. Nächster Halt war der Place du Marché, an dem sich das barocke Rathaus sowie Lüttichs Wahrzeichen – ein Brunnen mit Gerichtspfahl – befinden. Direkt daneben, am Place St.-Lambert, steht das Palais des Princes-Eveques, das als Justizpalast genutzt wird.

Das ehemalige Kloster aus Fachwerk
Rathaus von Lüttich
Der Justizpalast von Lüttich

Hier beginnt auch der Einkaufsbereich von Lüttich, der aus mehreren Passagen und Straßenzügen besteht, aufgrund des Feiertags aber sehr verlassen war. Auf der Suche nach einer Frittenbude irrten wir ein wenig durch die Straßen zwischen Place St.-Lambert und Meuse. Leider hatte so ziemlich alles, was wir passierten, geschlossen. Fündig wurden wir schließlich am Boulevard de la Sauvenière, wo wir uns jeder eine große Portion Fritten gönnten. Gestärkt schlenderten wir dann an St.-Denis vorbei Richtung Norden bis zum Gare Liège-Palais. Von hier fuhren wir zu unserem Abfahrtsbahnhof zurück, der übrigens architektonisch auch sehr sehenswert ist.

Die futuristische Überdachung des Lütticher Bahnhofs

Das Wetter hat leider nicht mitgespielt und richtig warm bin ich mit Lüttich auch nicht geworden, trotzdem haben wir ein paar schöne Stunden an der frischen Luft verbracht und belgische Fritten verputzt.

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4 comments

  1. Schade dass das Wetter nicht mitgespielt hat! Bei Sonnenschein sieht alles immer ganz anders aus.
    Hast uns aber trotzdem ein paar schöne Bilder mitgebracht.

    LG
    Manuela

    • Ja, das war wirklich schade! Schön, wenn euch die Bilder trotzdem gefallen! 🙂

      Sonnige Grüße
      Jessi

  2. Wie schade, das mit dem Wetter! Ich habe aber auch schon gelesen, dass Lüttich zwei Seiten hat: eine dreckige und eine kulturelle 😉
    Ich möchte mir unbedingt selbst mal ein Bild machen. Aber alleine wegen der Fritten lohnt es sich ja schon fast *lach*
    Bussi, Jana

  3. Kann ich garnicht teilen deine Meinung. War heute ebenfalls im absoluten Winter-Wettergrau in Lüttich unterwegs. Angekommen nahmen wir direkt einen Weg am Wasser entlang. Eine schöne Promenade, die auch von Joggen eifrig genutzt wurde. Geht also. Entlang aller Sehenswürdigkeiten zeigte sich die Stadt sehr französisch-pittoresque. Altbauten, Kopfsteinpflaster überall. Etwas ungeordnet, aber keinesfalls dreckig! Dazu sehr viele junge Menschen unterwegs, intellektuelle, Künstler. Dazu viele gemütliche Geschäfte, aber auch hochwertige Boutiquen. Dazu hat die Stadt durch ihre Weitläufigkeit und Lebendigkeit einen sehr großstädtischen Flair! Aachen dagegen wirkt piefig klein, menschlich überaltert und ausgestorben, mit wesentlich mehr Bettlern und abgehängten Menschen und einer wesentlich heruntergekommeneren Bausubstanz, Dreckigkeit und Leerstand der Innenstadt. Ich war heute richtig positiv überrascht von Lüttich und möchte diese Stadt absolut empfehlen.

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