Der Weg ist das Ziel – Mit dem Tren de Sóller von Palma in den Norden Mallorcas

Als wir das alte Bahnhofsgebäude an der Plaza España in Palma de Mallorca erreichen, setzt sich die Menschenschlange auf dem Bahnsteig gerade in Bewegung: Der Zehnuhrzehn-Zug steht zum Einstieg bereit. Wir schieben uns am Ende der Schlange vorbei in das kleine Bahnhofsgebäude hinein und reihen uns in eine weitere Menschentraube vor den Schaltern ein. Bereits jetzt müssen wir uns für einen Zug zurück nach Palma entscheiden und werfen daher einen Blick auf den Bildschirm über uns, der anzeigt, wieviele Plätze in den einzelnen Zügen noch frei sind. Zum Glück hat die Hauptsaison noch nicht begonnen und so haben wir freie Auswahl. Wir entscheiden uns für den vorletzten Zug, der Sóller um 18:00 Uhr verlassen wird. Außerdem kaufen wir gleich zwei Kombitickets, die nicht nur die Fahrten mit dem Zug sondern auch mit der alten Straßenbahn nach Port de Sóller beinhalten. Mittlerweile hat sich auf dem Bahnsteig eine Schlange für den nächsten Zug gebildet, in die auch wir uns einreihen.

Kurze Zeit später fährt unser Zug an den Bahnsteig, die Lok rangiert an den vorderen Teil des Zuges und die Passagiere dürfen einsteigen. Wir steigen direkt in den hintersten Wagen und lassen uns auf einer der dunkelroten Bänke nieder. Es bleibt noch etwas Zeit, ein paar Fotos zu machen und das Bahnhofs-WC aufzusuchen.

Pünktlich um 10:50 Uhr erklingt die Glocke und der alte Zug setzt sich mit einem Ruck in Bewegung. Das Fenster schieben wir nach oben und lassen uns den Fahrtwind um die Nase wehen, während die Häuser und Straßen von Palma an uns vorüberziehen. Schon bald lassen wir die Stadt hinter uns, die Landschaft um uns herum wird ländlicher und einsamer. In der Ferne sind bereits die Berge erkennbar, die wir im zweiten Teil unserer Fahrt nach Sóller überwinden müssen.

Mit meiner Kamera bewaffnet durchquere ich den Waggon und trete durch die hintere Tür auf die Einstiegsplattform. Auch, wenn der Zug nicht besonders schnell unterwegs ist, muss ich mich doch erst an das ungewohnte Fahrerlebnis hier draußen gewöhnen. Also lehne ich mich mit dem Rücken an den Waggon und versuche, einen möglichst sicheren Stand zu bekommen. Hier stehe ich eine Weile, beobachte die Schienen, die wir hinter uns lassen und genieße die Fahrt durch die hübsche Landschaft.

Im zweiten Teil unserer Fahrt gilt es dann, die Berge zu überwinden. Immerwieder wird es dunkel um uns herum, schließlich passieren wir insgesamt 13 Tunnel, von denen der längste fast 3 Kilometer misst. Die Beleuchtung im Zug ist schwach und durch die geöffneten Fenster zieht die kalte Tunnelluft ins Innere. Umso schöner ist der Moment, in dem wir auf der Gebirgskette ankommen und den Blick über die herrliche Landschaft unter uns schweifen lassen können. Auch Sóller sehen wir von hier oben das erste Mal (es gibt sogar einen Fotostopp), bevor sich der Zug wieder ins Tal hinabwindet.

Kurz vor unserem Ziel tauchen rechts und links Plantagen auf, an deren Bäumen zahlreiche Orangen und Zitronen hängen. Auch die Sonne wirft wieder ihre wärmenden Strahlen auf uns. Wir lassen die Zitrusbäume hinter uns und fahren gemächlich in den Bahnhof Sóller ein. Während alles auf den Bahnsteig und weiter zur Straßenbahnhaltestelle strömt, nutzen wir den leeren Waggon noch für ein paar Fotos. Die Straßenbahn lasse wir erst einmal links liegen. Bevor es zum Hafen geht, wollen wir erst einmal den Ort erkunden und das angepriesene Orangeneis probieren.

Das Zentrum des kleinen Ortes erreichen wir nach wenigen Schritten und schon rattert die erste, bis auf den letzten Platz besetzte Straßenbahn an uns vorbei. Ein Blick in die Markthalle verrät uns, dass wir wohl zu spät kommen – die meisten Stände haben bereits geschlossen. Also überqueren wir die Straße und gönnen uns erst einmal ein Eis. Anschließend lassen wir uns durch die engen Gassen von Sóller treiben. Je weiter wir uns vom zentralen Platz entfernen, um so ruhiger wird es. Die Architektur gefällt uns sehr und auch die vielen Zitronen- und Orangenbäume in den Gärten weiter außerhalb des Zentrums sehen wunderschön aus.

Sóller ist klein und so treibt es auch uns irgendwann zurück zum Bahnhof und zur Straßenbahnhaltestelle. Wir müssen nicht lange auf die nächste Bahn warten, die uns an den Hafen – Port de Sóller – bringt. Die ca. 15-minütige Fahrt führt an weiteren grünen Gärten vorbei und wird bei Bedarf durch mehrere kurze Stopps an kleineren Haltestellen unterbrochen. Als wir am Ziel ankommen, wartet bereits eine Menschentraube auf die Rückfahrt nach Sóller.

Wir schlendern erst einmal am Hafen entlang, sind aber zu träge, den Ort weiter zu erkunden. Stattdessen lassen wir uns zwei Baguettes mit Jamón Ibérico belegen, suchen uns ein ruhiges Plätzchen im Sand und genießen das Urlaubsfeeling. Hin und wieder kommen ein paar neugierige Enten vorbei, ziehen aber schnell wieder ab als sie merken, dass wir unser leckeres Mittagessen nicht teilen wollen.

Auf der Rückfahrt am Abend sind sowohl die Straßenbahn als auch der Zug relativ leer. Es lohnt sich also, den ganzen Tag in Sóller bzw. Port de Sóller zu verbringen und erst mit dem vorletzten oder letzten Zug wieder nach Palma zurückzufahren. Auf der Rückfahrt entfällt der Fotostopp oberhalb von Sóller. Uns hat der Ausflug in den Norden gefallen. Die Fahrten mit den alten Schienenfahrzeugen ist schon etwas Besonderes und es war schön, einmal dem Trubel von Palma für einen Tag zu „entfliehen“.

Immer aktuelle Infos zu Fahrtzeiten, Preisen usw. findet ihr hier.

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2 comments

  1. Das ist so lange her, dass ich mit diesem Zug gefahren bin. Lass mich vielleichtt 8 oder 9 Jahre alt gewesen sein. Und wie Deine schönen Bilder und Bericht zeigen, hat sich nicht viel geändert <3
    Danke fürs Mitnehmen!

    • Vielen Dank, es freut mich, wenn dir mein Artikel gefällt und du in Kindheitserinnerungen schwelgen kannst. 🙂

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