Deutschland, Kulinarisches, Übernachten
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Für den dritten Stempel im Zipfelpass ging es nach Görlitz

Auf unserem Weg in Deutschlands östlichsten Zipfel lassen wir Dresden und den Regen schnell hinter uns. Dicht bebaute Großstadtstraßen werden von viel Natur und kleinen Ortschaften abgelöst. Auf der A4 geht es immer weiter nach Osten und aus dem Radio dudelt ein Lied von BAP – wir sind aber tatsächlich in Sachsen und nicht in NRW unterwegs. Unser Ziel Görlitz erreichen wir ganz entspannt innerhalb einer guten Stunde und richten uns ersteinmal in unserem Quartier für die nächsten zwei Nächte ein.

Wir sind das erste Mal in Görlitz und ziehen das typische Touristenprogramm durch:

  • Mit einem speziellen Stadtplan laufen wir auf der Suche nach den Filmkulissen von Görliwood durch die Straßen.

  • Über die Johannes-Paul-II.-Stadtbrücke laufen wir nach Polen, spazieren dort am Neißeufer entlang und laufen anschließend über die Altstadtbrücke wieder zurück nach Deutschland.

  • Im Café Lucullus probieren wir eine süße schlesische Spezialität: Die Mohnpiele.

  • Auf dem Untermarkt testen wir den Flüsterbogen und sind total begeistert von seine Funktionsweise.

Görlitz ist ein hübsches altes Städtchen, das sich gut für einen Besuch übers Wochenende eignet. Aus den Socken gehauen hat es mich nicht so richtig. Begeistert bin ich aber sowohl von unserer Unterkunft als auch von einem Restaurant, in dem wir am zweiten Abend geschlemmt haben. Beides möchte ich euch deshalb hier vorstellen.

Übernachten in einem 150-jährigen Baudenkmal

Die Gebäude im Zentrum von Görlitz sind alt und aufwändig restauriert – ein sehr hübsches Bild. Ich kann gut nachvollziehen, warum die Straßenzüge schon oft zur Filmkulisse wurden. Verlässt man das Zentrum und spaziert durch die angrenzenden Straßen, bietet sich jedoch ein ganz anderes Bild. Auch hier steht historische Bausubstanz. Geschätzt ist davon aber nur die Hälfte restauriert und bewohnt. Viele Gebäude stehen leer und werden langsam zur Ruine.

In Görlitz gibt es ganze Straßenzüge mit schönen, alten und sanierten Gebäuden

Viele Gebäude im Stadtkern sind aufwändig und liebevoll saniert worden

Wir treffen aber auch immer wieder auf Gebäude, die langsam zerfallen – wie das Sommertheater

Diesem Schicksal entkommen ist das 150-jährige Baudenkmal, in dem sich die Appartements und Ferienwohnungen von VIA’s befinden. Bei der Suche nach einer Unterkunft in Görlitz hatten mich die Bilder auf den Webseiten sofort überzeugt. Das Gebäude ist zwar alt, die Einrichtung ist im Gegensatz dazu aber sehr modern und stylish. Die Lage ist ein weiterer Pluspunkt: Das Kaufhaus Görlitz – auch als Grand Budapest Hotel aus dem gleichnamigen Film bekannt – und somit der Eingang zum historischen Stadtkern sind nur wenige Schritte entfernt.

Unsere Unterkunft in Görlitz

Das Görlitzer Kaufhaus, auch als Grand Budapest Hotel bekannt

Wer den Film Grand Budapest Hotel kennt, erkennt sicherlich das Foyer inklusive Empfang

Wir verbringen zwei Nächte in einem Appartement mit großzügigem Wohnbereich inklusive Küchenzeile, separatem Schlafzimmer und kleinem Bad. Die Bilder haben nicht zu viel versprochen, denn die Einrichtung gefällt mir tatsächlich richtig gut. Mindestens genauso gut ist der Service. Als wir abends ankommen und uns selbst einchecken, finden wir im Bad keine Handtücher vor. Dieses Versehen wird nach einem kurzen Telefonat sofort und vor allen Dingen unglaublich freundlich behoben. Wir fühlen uns hier direkt willkommen und pudelwohl.

Hinter diesen hübschen, alten Türen verbergen sich moderne Ferienwohnungen

Das Wohnzimmer mit integrierter Küche gefällt mir besonders gut

Im Erdgeschoss wird morgens Frühstück serviert, das wir jedoch nicht gebucht haben. Außerdem gibt es einen Getränkeautomaten und mehrere Gemeinschaftsräume. Wen das alles noch nicht überzeugt, dem sei gesagt, dass VIA’s laut eigener Angaben auf fossile Brennstoffe verzichtet und Strom aus erneuerbaren Energien nutzt. Ich für meinen Teil würde jederzeit wieder dort einziehen.

Im Erdgeschoss gibt es mehrere Aufenthaltsräume

Slow Food in der Obermühle

Unseren Görlitz-Tag starten wir mit einem Frühstück beim Bäcker. Anschließend geht es leider zunächst bei Regen durch die Straßen und Gassen der Altstadt. In der Touristinfo hole ich mir den dritten Stempel für meinen Zipfelpass und nehme bei der Gelegenheit einen Görliwood-Stadtplan mit, auf dem die Drehorte unterschiedlicher Filme verzeichnet sind.

Den östlichsten Zipfel Deutschlands und Polen trennt die Neiße

Gegen Mittag können wir nicht nur endlich die Schirme zumachen, sondern brauchen auch dringend etwas Leckeres zum Energieaufladen. Auf der Terrasse des Caféhauses Lucullus genießen wir eine echte Görlitzer Spezialität: Die Mohnpiele. Wenn ihr mehr über diesen wirklich saftigen Mohnkuchen erfahren möchtet, dann schaut doch mal bei der lieben Meike vorbei.

Die Mohnpiele wird mit Sahne und Eierlikör gereicht

Ihr mögt kein Mohn- Dann probiert doch mal das Schokotörtchen.

Das war definitiv sehr lecker, aber das kulinarische Highlight des Tages erleben wir einige Stunden später im Restaurant des Hotels Obermühle. Auf der Homepage heißt es:

Essen bedeutet für uns: Genuss mit Verantwortung. Als Teil der Slow-Food-Bewegung liegen uns gute, saubere und faire Lebensmittel besonders am Herzen. Deshalb verarbeiten wir in unserem Restaurant täglich Lebensmittel von regionalen Partnern und das selbstangebaute Gemüse der RainKost Obermühle. Geschmacksvertstärker oder Fertiggerichte suchen Sie bei uns vergeblich.

Ihr findet, das klingt mehr als gut? Finden wir auch! Und wir können euch den Besuch der Obermühle auf jeden Fall empfehlen.

Das Restaurant ist klein und gemütlich. Vom Gastraum führt eine Tür auf die Terrasse, die direkt an der Neiße liegt. Ein paar wenige Ruderboote werden am Ufer leicht hin und her geschaukelt. Es ist richtig schön hier und bei gutem Wetter sicherlich auch nicht so leer wie zu unserem Besuch. Für ein Abendessen ist es aber mittlerweile auch schon eher spät und wir vermuten, dass deshalb neben unserem nur noch ein weiterer Tisch besetzt ist. Anders können wir es uns jedenfalls nicht erklären.

Das Team der Obermühle verleiht auch Ruderboote

Bei den Zutaten für die unglaublich leckeren Gerichte wird streng auf Saisonalität, Regionalität und Bioanbau geachtet. Backwaren, Bier, Pasta und Apfelsaft werden außerdem selbst hergestellt. Wir sind definitiv begeistert und verbringen einen schönen, leckeren Abend in der Obermühle.

Die Obermühle liegt ganz idyllisch an der Neiße

Zwischenstopp in Bautzen

Auf unserer Fahrt von Görlitz ins Elbsandsteingebirge machen wir einen Zwischenstopp in Bautzen und genießen bei einem Bummel durch die Senfstadt das jetzt wieder richtig schöne Wetter. Dieses spielt bei meiner Wahrnehmung sicherlich ebenfalls eine Rolle, aber auch unabhängig von Regen oder Sonnenschein gefällt mir Bautzen definitv besser als das schon fast gehypte Görlitz.

Die Türme von Bautzen

Wir parken auf dem Schützenplatz und laufen zu Fuß in die gegenüberliegende Altstadt, wo wir durch die Gassen bummeln. Anschließend überqueren wir die Hauptspree und genießen von einer Anhöhe den Blick auf die alten Befestigungsanlagen der Stadt. Bautzen ist richtig fotogen und es gibt viele Aussichtspunkte außerhalb sowie innerhalb der Altstadt.

Blick auf die Burg von Bautzen

Natürlich möchten wir auch den Bautzener Senf nicht ganz links liegen lassen. In einem der zahlreichen Restaurants finden wir auf der Speisekarte eine große Auswahl an – teilweise recht ausgefallenen – Gerichten mit Senf. Mein Mann probiert sogar ein Honig-Senf-Bier, das geschmacklich mit dem Essen allerdings nicht mithalten kann.

Idylle an der Hauptspree

Zipfelwas?

Wenn ich vom Zipfelpass berichte, schaue ich meist in fragende Gesichter.

Die vier äußersten Regionen Deutschlands haben sich 1999 zum sogenannten Zipfelbund zusammengeschlossen. Hierzu gehören: Oberstdorf im Süden, List auf Sylt im Norden, Görlitz im Osten und der Selfkant im Westen.

Die vier Gemeinden bieten für Reisende den Zipfelpass an, in dem Stempel aus eben diesen vier Zipfeln gesammelt werden können. Hierfür muss mindestens eine Übernachtung in dem jeweiligen Ort nachgewiesen werden. Schafft man es, innerhalb von vier Jahren alle vier Stempel zu sammeln, erhält man ein Zipfelpaket mit regionalen Produkten.

Jetzt fehlt nur noch ein Stempel

Ich habe mir meinen Pass und den ersten Stempel in Oberstdorf zugelegt und den zweiten Stempel im Selfkant erhalten. Den dritten gab es in Görlitz. Fehlt noch der Norden.

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2 Kommentare

  1. Atlas mountains sagt

    Danke für deinen tollen Beitrag. es ist wirklich interessant und lesenswert. Ich weiß es wirklich zu schätzen. mach weiter so mit der tollen arbeit.

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