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Ein Tag voller Astronomie im Eggental

„3, 2, 1 und go!“ Mit diesen Worten entfernt sich Hansjörg Ebnicher zügig von der soeben entzündeten Rakete. Kurze Zeit später rast der Flugkörper zischend in die Höhe und wir legen unsere Köpfe in den Nacken, um ihn möglichst zu jeder Zeit im Auge zu behalten. Kaum hat die Rakete ihre maximale Höhe erreicht, dreht sie sich und steuert nun wieder auf den Boden und damit auf uns zu. Es folgen hektische Bewegungen, überraschte Rufe und große Augen unsererseits. Doch dann können wir aufatmen – der Fallschirm hat sich geöffnet und die Rakete landet zwar noch immer recht schnell, aber kontrolliert neben uns auf der Wiese. Wie aufregend! Das Programm unseres heutigen Tages im Eggental verspricht noch mehr astronomische Highlights.

Sternenhimmel bei jedem Wetter

Wir beginnen unseren Tag am Planetarium Südtirol in Gummer, wo uns Hansjörg Ebnicher und seine Kolleginnen bei einem Glas Bitter und strahlendem Sonnenschein begrüßen. Auf den ersten Blick ist gar nicht zu erkennen, dass sich hier direkt am Dorfplatz ein Planetarium befindet, denn die Kuppel wird erst beim Betreten des Gebäudes sichtbar.

Raketenstart im Eggental

Neugierig betreten wir den kleinen Kuppelsaal, nehmen noch neugieriger die 3D-Brillen entgegen und suchen uns einen Platz. Hansjörg Ebnicher dunkelt den Saal ab und zeigt uns den Sternenhimmel, wie wir ihn heute an Ort und Stelle erleben können, wenn das Wetter nachts mitspielt. Wir sehen die Sonne untergehen und entdecken kurze Zeit später das erste helle Objekt am Himmel: Jupiter. Dicht bei ihm taucht  Saturn auf und nach und nach füllt sich der virtuelle Himmel auch mit Sternen.

Sonnenuhr auf dem Dorfplatz in Gummer

Hansjörg Ebnicher stoppt das Programm, so dass wir alles einmal in Ruhe betrachten können. Wir lernen, wie man den Polarstern findet und welche Sternbilder zurzeit zu sehen sind. Dank virtueller Linien und Bilder bekommen wir auch eine bessere Vorstellung, wie die einzelnen Sternbilder zu ihren Namen gekommen sind. Hansjörg Ebnicher kennt sogar die antiken Geschichten dazu.

Dann läuft das Programm und damit die Zeit weiter. Früh am Morgen gehen Mars und Venus über uns auf. Und auch der Mond gesellt sich dazu. Bei Sonnenaufgang beenden wir den ersten Teil des Programms.

Tipp: Falls ihr kein Planetarium in eurer Nähe habt, euch aber auch einmal den aktuellen Sternenhimmel virtuell anschauen möchtet, dann testet doch mal die kostenlose Software Stellarium. Die nutzen wir auch gerne in der Sternwarte, um zum Beispiel die Sternbilder zu zeigen.

 

Am Planetarium hat man die Sternwarte und das Sonnenobservatorium im Blick

Jetzt kommen die 3D-Brillen zum Einsatz, die wir uns alle gespannt auf die Nase setzen. Gemeinsam begeben wir uns auf eine Reise durch unser Sonnensystem und weit darüber hinaus. Natürlich starten wir auf der Erde im Eggental und schauen uns unseren wunderschönen Planeten erst einmal aus einer Höhe von ca. 400 Kilometern an. So, wie es die Astronauten und Astronautinnen auf der ISS tun. Anschließend besuchen wir den ein oder anderen Planeten in unserem Sonnensystem und verlassen dieses schließlich. Es geht immer weiter hinaus ins All. Wir legen Entfernungen zurück, die so unvorstellbar sind, dass sie selbst mich als Hobbyastronomin ganz schwindelig machen.

Im Planetarium Südtirol gibt es auch 3D-Shows

Wieder sicher auf der Erde gelandet, schauen wir uns noch ein wenig im Planetarium um, bevor wir zum nächsten Programmpunkt aufbrechen.

Sternenbeobachtung am Tag!?

Das Schöne an Planetarien ist ja, dass man sich den Sternenhimmel wetterunabhängig jederzeit ansehen kann. Allerdings eben nur virtuell. Wer so richtig in die Sterne schauen möchte, der sollte eine Sternwarte besuchen. Und das tun wir jetzt auch.

Blick auf die Sternwarte und das Sonnenobservatorium

Einige von euch denken sich wahrscheinlich „Eine Sternwarte tagsüber besuchen? Macht das irgendwie Sinn?“ Na klar, schließlich können wir den für uns allerwichtigsten Stern nur am Tag beobachten – die Sonne. Die Volkssternwarte Max Valier ist noch recht jung, hochmodern und besteht aus zwei Gebäuden. Das Sonnenteleskop befindet sich in der kleineren Kuppel – dem Sonnenobservatorium Peter Anich. Dorthin bittet uns Johannes Karl Haller, engagierter Hobbyastronom und Mitglied des Vereins der Amateurastronomen Max Valier. Ganz coronakonform betreten wir einzeln den kleinen Kuppelbau. Als ich an der Reihe bin, steige ich auf die Leiter, kneife das linke Auge zusammen und schaue mit dem rechten durch das Okular. Schade, zurzeit ist nicht viel los auf der Sonne, aber wenn man ganz genau hinschaut, kann man auf sechs Uhr eine leichte Aktivität erkennen. Trotzdem ist es immer wieder spannend, einen so detaillierten Blick auf unseren Zentralstern zu werfen.

Zur Sonnenbeobachtung benötigt man ein spezielles Sonnenteleskop oder einen entsprechenden Filter

Wichtig: Bitte niemals direkt in die Sonne schauen, vor allem nicht durch ein Teleskop. Eure Augen können hierdurch irreversibel geschädigt werden. Zur sicheren Sonnenbeobachtung gibt es spezielle Teleskope bzw. Filter.

 

Die Sternwarte Max Valier vor toller Bergkulisse

Der Besuch der zweiten und größeren Kuppel macht mich ein wenig neidisch. Hier läuft alles automatisch. Statt selbst viel Kraft aufzuwenden, drückt Johannes Karl Haller einen Knopf und wie von Zauberhand öffnet sich die Kuppel, dreht sich das Spiegel-Teleskop in die gewünschte Richtung und die Kuppel folgt einfach. Innerhalb kürzester Zeit dürfen wir erneut auf eine Leiter steigen und einen Blick auf die Venus werfen.

Das moderne Spiegelteleskop der Sternwarte Max Valier

Anschließend beantwortet Johannes Karl Haller bereitwillig und ausführlich unsere Fragen. Schnell wird deutlich, dass er mit Herzblut dabei ist und für die Astronomie brennt. Wie sehr ich das nachvollziehen kann…

Eine Wanderung durch unser Sonnensystem

Auch unser dritter Guide heute, Brigitte Lintner, ist sichtlich Feuer und Flamme für die Astronomie. Sie nimmt uns mit auf eine Wanderung durch unser Sonnensystem. Rund um die Sternwarte führt ein Planetenweg auf neun Kilometern einmal um die Sonne bzw. den Kuppelbau.

Die erste Station des Planetenwegs befindet sich unweit der Sternwarte und beschäftigt sich logischerweise mit Merkur. Der kleine Planet flitzt in einem Abstand von ca. 58.000.000 Kilometern um die Sonne; auf dem Wanderweg ist er 58 Schritte von der imaginären Sonne (der Sternwarte) entfernt.

Die erste Station auf dem Planetenweg ist Merkur

Als nächstes erreichen wir nach weiteren 50 Schritten die Venus. Brigitte Lintner versorgt uns an jeder Station mit interessanten Informationen zu den jeweiligen Planeten. Ihr könnt den Weg aber auch ohne Guide gehen; an jeder Station findet ihr unterschiedliche Zahlen und kurze Texte.

Zum Mars bitte hier entlang

Wir besuchen noch die restlichen Gesteinsplaneten – Erde und Mars – und wandern bis zum Jupiter, dem größten Planeten unseres Sonnensystems. Aus Zeitgründen beenden wir unseren Spaziergang hier. Würde man den Planetenwegweisern weiter folgen, würde man nach insgesamt neun Kilometern wieder an der Sternwarte ankommen.

Unsere acht Planeten im Kleinformat – links Gesteinsplaneten, rechts Gasplaneten

Auch Brigitte Lintner beantwortet engagiert die vielen Fragen unserer Gruppe. Ich finde es super, dass das Thema Astronomie scheinbar sehr schnell alle in seinen Bann zieht.

Auch ein Dinner kann lehrreich sein

Einen so tollen Tag sollte man gebührend ausklingen lassen. Und das tun wir bei einem Stern-Lern-Menü im Hotel Oberwirt Weißes Kreuz in Steinegg. Die nächsten Stunden verbringen wir nicht nur damit, gut zu essen, leckeren Südtiroler Wein zu trinken und uns über die heutigen Erlebnisse auszutauschen. Nein, auch unsere grauen Zellen werden noch einmal herausgefordert, schließlich heißt es ja Stern-LERN-Menü.

Pluto als Vorspeise

Zu jedem Gang gibt es eine Beschreibung des namengebenden Himmelskörpers oder astronomischen Ereignisses. So erweitern wir nicht nur unser Wissen sondern können auch besser nachvollziehen, warum die Köstlichkeiten vor uns auf die jeweilige Weise drapiert wurden.

Eine ringförmige Sonnenfinsternis auf dem Teller

Am Asteroidengürtel

Dass im Oberwirt sehr gut gekocht wird, durften wir bereits gestern erleben, aber heute setzen die Küchenfeen noch eine Schippe oben drauf. Ich bin total begeistert von der Kreativität und Liebe zum Detail. Besonders raffiniert finde ich den „Blutmond“, die ringförmige Sonnenfinsternis und den Auszug aus dem Asteroidengürtel.

Der Eagle ist gelandet – Mitten im Eggental

Nach dem üppigen Essen plumpsen wir alle in unsere bequemen Betten. Während wir in Sternen-, Wein- oder Getreidezimmern untergebracht sind, befindet sich im Untergeschoss des Hotels ein richtiges Schätzchen. Hier hat Gastgeber Roland Schroffenegger unglaublich viel Herzblut reingesteckt und dafür gesorgt, dass sich Weltraumnerds einen Traum erfüllen können: Er hat die Landefähre der Apollo 11 Mission im Maßstab 1:1 nachgebaut. Sie bietet auf zwei Ebenen vier Personen Platz zum Schlafen, das stylische Badezimmer ist separat.

Der Eagle als Hotelzimmer

Auf dem Mond

Natürlich dürfen wir uns dieses außergewöhnliche Hotelzimmer während unseres Aufenthalts einmal in Ruhe ansehen.

Mit großen Augen und einem breiten Grinsen im Gesicht steige ich die wenigen Stufen zur Mondoberfläche hinunter und lege meinen Kopf in den Nacken. Wahnsinn, so groß habe ich mir den Eagle irgendwie nicht vorgestellt.

Auch das Bad ist richtig stylish

In große Fußstapfen treten

Neugierig inspizieren wir die beiden Zimmer und das angrenzende Bad. Roland Schroffenegger präsentiert uns stolz die Special Effects, die per Tablet gesteuert werden können: Nebel, Zischen, vibrierende Betten. Gleich hebt der Eagle ab…

Erstes Europäisches Sternendorf

Wer sich für Astronomie interessiert, wen der Kosmos fasziniert oder wer einmal einen authentischen Ausflug in den Lichtjahre entfernten Himmel unternehmen möchte – der ist im Sternendorf der Gemeinde Karneid goldrichtig!

So wird es auf der entsprechenden Webseite des Eggental beschrieben. Die kleinen Ortschaften Steinegg und Gummer liegen erhöht und inmitten der Dolomitenberge. Perfekt für Beobachtungen des Sternenhimmels, denn hier gibt es nur eine sehr geringe Lichtverschmutzung. Deshalb haben sich die Gemeinden 2012 auch zum ersten Europäischen Sternendorf zusammengeschlossen. Einige der astronomischen Angebote durfte ich – wie ihr hier nachlesen könnt – selbst erleben.

 

Vielen Dank für die Einladung zu dieser tollen Pressereise. Mein besonderer Dank gilt all unseren motivierten Guides – Hansjörg Ebnicher, Johannes Karl Haller und Brigitte Lintner – sowie dem Ehepaar Schroffenegger für die herzliche Gastfreundschaft. Danke auch an Beate Kellermann für die hervorragende Organisation. Meine Meinung wird durch die Einladung nicht beeinflusst.

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