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Und plötzlich ist Deidesheim voller Menschen

Auf dem Weg zum Hotel begegne ich so gut wie keiner Menschenseele. Die Holzbuden des Deidesheimer Weihnachtsmarktes, die sich in der Bahnhofstraße aneinanderreihen, öffnen ihre Läden erst in ein paar Stunden. Nur einige wenige Betreiber bereiten ihre Verkaufsstände bereits für den Abend vor. Davon abgesehen ist es ruhig in den engen Straßen von Deidesheim. Dabei hatte ich bei meinen Reisevorbereitungen gelesen, dass die Adventszeit haufenweise Besucher aus dem In- und Ausland in den kleinen Ort an der Weinstraße ziehe. Vielleicht ist das die berühmte Ruhe vor dem Sturm!?

Rathaus (1 von 1)

Nächtigen in der Stiftung Bürgerhospital

Das Hotel Ritter von Böhl liegt direkt an der Weinstraße und nur wenige Schritte vom Deidesheimer Marktplatz entfernt. Ich werde freundlich begrüßt und durch das helle Atrium, in dem morgens das Frühstück serviert wird, in den frisch renovierten Trakt des Hauses begleitet. Dort beziehe ich ein geräumiges, in warmen Farbtönen gehaltenes Zimmer.

Hotel (1 von 1)

Da ich mir für heute vorgenommen habe, den Weihnachtsmarkt zu erkunden und dieser erst um 17:00 Uhr seine Pforten öffnet, habe ich noch genügend Zeit, mich ein wenig über das Hotel zu informieren und ein Stück Kuchen im hauseigenen Café zu genießen. Ich erfahre, dass ich in einer der ältesten aktiven Stiftungen Deutschlands nächtige. Bereits 1494 wurde sie von Ritter Nikolaus Übelhirn von Böhl zum Zwecke der Barmherzigkeit gegründet. Auch heute spielt „Gutes tun“ für das Haus eine wichtige Rolle. So trägt es seit 2013 die Auszeichnung „Barrierefreier Betrieb“.

Zimmer (1 von 1)

Schnecke (1 von 1)

Etwas Gutes tun können sich die Besucher auch im hauseigenen Café. Die Auswahl an selbstgebackenen Kuchen ist ebenso riesig wie das Stück, das vor mir auf dem Tisch steht und verputzt werden will.

Atrium (1 von 1)

Verweilen in der ersten cittaslow von Rheinland-Pfalz

Ich teile mein Hotelzimmer mit einer Schnecke, die bereits vor mir angereist ist und eine Flasche Wein mitgebracht hat. Einen Namen hat sie nicht, aber eine repräsentative Aufgabe. Sie steht für die cittaslows, zu denen auch Deidesheim gehört. Was genau hinter diesem für mich neuen Begriff steckt, weiß niemand besser als Stefan Wemhoener, Geschäftsführer der Tourist Service GmbH Deidesheim. Also mache ich mich auf den Weg zurück in die Bahnhofstraße, passiere den Geißbockbrunnen und betrete die wohlig-warme Touristinfo.

Brunnen (1 von 1)

Stefan Wemhoener nimmt sich Zeit für mich. Ganz entspannt sitzt er mir gegenüber und nippt an seinem Kaffee. Mit dieser Ruhe, die er trotz üblichem Weihnachtsstress ausstrahlt, passt er hervorragend ins Gesamtkonzept cittaslow. Denn eine solche ist unter anderem „eine Stadt, in der Menschen leben, die neugierig auf die wieder gefundene Zeit sind“. Neben der Anerkennung der Langsamkeit spielen Traditionen eine ebenso große Rolle wie Innovationen. In einer cittaslow sorgen regionale Produkte, Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit für eine hohe Lebensqualität. Natürlich macht man nicht von jetzt auf gleich aus einer Stadt eine cittaslow. Auch hier ist Weile statt Eile geboten und so entwickelt sich Deidesheim stetig weiter. Bei jeder Baumaßnahme, bei jeder Umgestaltung wird reiflich überlegt, wie dieses Projekt im Rahmen der cittaslow-Idee umgesetzt werden kann. Die Liste an entsprechenden Freizeitangeboten ist lang. Damit hätte ich in einem solch kleinen Ort nicht gerechnet.

leuchtender Baum (1 von 1)

Weihnachtskugeln (1 von 1)

Zum Wohlbefinden der Deidesheimer trägt ganz bestimmt auch die sonnige Lage des Ortes bei. Stefan Wemhoener erzählt mir, dass es in den Nachbarorten oft regne, während hier die Sonne scheint. Das tut natürlich nicht nur den Bewohnern, sondern auch der Flora gut. Allem voran betrifft das den Wein, doch auch Feigenbäume fühlen sich hier pudelwohl. Es gibt in Deidesheim kaum einen Garten ohne einen solchen Baum.

Bummeln über den Deidesheimer Weihnachtsmarkt

Als ich gegen 17:00 Uhr wieder auf die Straße trete, traue ich meinen Augen kaum. Wo kommen plötzlich die vielen Menschen her? Zwischen den weihnachtlich erleuchteten Verkaufsständen schieben sich Jung und Alt die Bahnhofstraße hinunter und hinauf. Auch ich lasse mich treiben und kämpfe mich tapfer zu den Buden vor, die mein Interesse wecken. Der Schwerpunkt wird hier ganz klar auf Handwerk und Kunst gelegt.

Marktplatz (1 von 1)

Eingang Bahnhofstraße (1 von 1)

Neben den üblichen Bratwurstständen entdecke ich die ein oder andere eher außergewöhnliche Leckerei. So wird zum Beispiel das Saumagenbrötchen angepriesen. Ich entscheide mich lieber für den Feuerlachs – über dem offenen Feuer gegrillter Lachs mit Honig-Senf-Sauce im Brötchen. Direkt gegenüber wartet schon der Nachtisch auf mich: Baumstrietzel. Es handelt sich um eine in Zucker und Zimt gewälzte Teigrolle. Um den Weihnachtsmarktbesuch perfekt zu machen fehlt jetzt nur noch ein Becher Glühwein. Den gibt es hier natürlich in rauhen Mengen und zwar Dank cittaslow ausschließlich aus der Region.

Süßigkeitenstand (1 von 1)

Je später der Abend, desto voller wird der Deidesheimer Weihnachtsmarkt. Bei meiner Anreise habe ich also wirklich die Ruhe vor dem Sturm zu spüren bekommen.

Vielen Dank an die Urlaubsregion Deidesheim für die Einladung nach Deidesheim. Meine Meinung wird hiervon wie immer nicht beeinflusst.

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1 Kommentare

  1. Hach ja. Ich liebe Weihnachtsmärkte, sind es doch eines der wenigen Dinge (neben Keksen), die mich die kalte Winterzeit überstehen lässt. :-)
    Sieht wirklich schön aus!
    Liebe Grüße
    Christina

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