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Hach Gent, du hast mich verzaubert!

Mit einem Eiskaffee in der Hand und der Sonnenbrille auf der Nase sitze ich im Zentrum der flandrischen Stadt Gent und lasse die Beine von der Mauer baumeln. Vor mir gleiten Boote voller Touristen über die Leie. Die Besucher lauschen gespannt dem jeweiligen Captain und zücken ihre Kameras. Es geht um die alten Zunfthäuser, die hinter mir noch immer stolz das Ufer säumen und von der wohlhabenden  Vergangenheit Gents erzählen. Mein Blick ist auf das gegenüber liegende Ufer gerichtet, wo ein ganzes Orchester für die musikalische Untermalung der traumhaften Szenerie sorgt. Hier lässt es sich aushalten!

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Irgendwann muss ich leider meinen Platz an der flandrischen Sonne verlassen. In wenigen Minuten beginnt der nachmittägliche Stadtrundgang, an dem ich teilnehmen werde. Also spaziere ich das kurze Stück vom Leieufer zum Infokantoor Visit Gent.

Eine Stadtführung mit viel Zeit für Fotos

„Ich werde es so machen, dass ich erst auf Englisch und dann auf Deutsch erzähle“, informiert uns unser Guide über die bevorstehende zweistündige Führung. Die hierdurch etwas länger gehaltenen Aufenthalte vor markanten Punkten der Stadt lassen sich prima für gemütliche Fotoaufnahmen nutzen. Statt gleichzeitig zuhören und fotografieren zu müssen, kann ich erst den Informationen lauschen und mich dann dem bildlichen Festhalten der alten Gebäude widmen.

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Zum Glück gab es die Weltausstellung

Immer wieder weist uns unser Guide auf Stellen in alten Gebäuden hin, die nicht so recht stimmig sind. Mal ist der Bruch zwischen zwei architektonischen Stilen eindeutig erkennbar, mal muss ich schon etwas genauer hinsehen. An der Rathausfassade sind sogar Fensterbögen mittendrin abgebrochen worden. Fast immer war das liebe Geld (in nicht vorhandener oder ausgehender Form) Schuld am Bauabbruch. Und genauso oft gab es auch – häufig viele, viele Jahre später – ein Ereignis, das den Bau wieder aufleben ließ: Die Weltausstellung 1913 in Gent.

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Von verschollenen Häusern und findigen Gentern

Wir spazieren an der Leie entlang. Jetzt sind wir die Touristen, die den Erläuterungen zu den mittelalterlichen Zunfthäusern lauschen, versuchen, die Schönheit mit der Kamera einzufangen und von Sonnenanbetern beobachtet werden. Mir scheint, als hätten die Genter für jeden erdenklichen Beruf ein eigenes Haus erbaut und so war es wohl auch. Die Fischer hatten zudem einen eigenen Markt, auf dem sie ihre frische Ware feilboten. Unpraktischerweise hatten sich aber die Fleischer zwischen diesem Markt und dem Fluss breit gemacht. Doch unser Guide hat auch die Lösung dieses Problems parat: Die Fischer hatten niedrige Boote, mit denen sie unter dem Groot Vleeshuis hindurch- und bis an den Markt herangleiten konnten.

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Ganz besonders weist uns unser Guide auf ein prachtvoll verziertes Zunfthaus hin. „Das hier ist nicht das ursprüngliche Haus. Aber auch das existiert noch und ich werde es Ihnen gleich zeigen“, verspricht er uns. Und tatsächlich, wenige Meter weiter steht ein doch sehr ähnliches Gebäude. Das original Mauerwerk wurde hinter einer Mauer gefunden, die hier einmal gestanden hat. Anhand von Plänen und Zeichnungen aus dem Stadtarchiv ist das mittelalterliche Haus dann wieder aufgebaut worden. Manchmal ist es doch ratsam, Dinge aufzubewahren…

Der Weg ist das Ziel!?

Als wir das Lokal verlassen, das mir die letzte Waterzooi des Tages serviert hat, hat es bereits zu dämmern begonnen. Die alten Mauern des Groot Vleeshuis direkt gegenüber werden in ein fast geisterhaftes Licht getaucht. Der perfekte Startpunkt für einen Rundgang durch das illuminierte Gent. Während ich die Kamera zücke, hat mein Freund die Aufgabe, uns anhand der eigens für diesen Rundgang erstellten Karte durch die Straßen zu lotsen.

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Spaziergang durch eine feenhafte Stadt preist der dunkelblaue Flyer das nächtliche Erlebnis an. Sich nicht in den kleinen, dunklen Straßen der flandrischen Stadt zu verlaufen, ist gar nicht so einfach. Immer wieder bleiben wir stehen, starren gemeinsam auf die viel zu kleine Karte mit noch viel kleineren Straßennamen, schauen verwirrt in die Gegend und wieder auf die Karte. Als wir unseren Weg wieder aufnehmen, werden wir ein Stück von drei betrunkenen Jugendlichen begleitet, die lärmend durch die Straßen pilgern. Feenhaft? Geht so…

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Großes Finale auf der St.-Michaels-Brücke

Die Wahl des Startpunktes hatten wir aus praktischen Gründen und eher zufällig getroffen, doch er stellt sich am Ende des Spaziergangs durch das illuminierte Gent als Glücksgriff heraus. Denn so haben wir uns das Beste für den Schluss aufgehoben und erleben ein atemberaubend schönes Finale an der Leie. Gespannt spinkse ich um die letzte Häuserecke, die mir den Blick auf die Türme der Stadt versperrt. Sofort bin ich von dem, was mir geboten wird, begeistert.

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Fast andächtig nähere ich mich auf der St.-Michaels-Brücke der Szenerie ein Stückchen. Dann habe ich auch freie Sicht auf den Fluss und die alten Zunfthäuser. Schlagartig werde ich in den Bann der mittelalterlichen Kulisse gezogen. Immer wieder muss ich meinen Blick von ihr lösen, damit ich nicht die Stufen, auf denen ich von der Brücke ans Leieufer gelange, hinunterpurzel. Und dann sitze ich wieder am Ufer des Flusses, diesmal mit dem Blick Richtung Zunfthäuser gerichtet…

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Vielen Dank an Tourismus Flandern-Brüssel für die Einladung nach Gent. Meine Meinung wird hiervon nicht beeinflusst.

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6 Kommentare

  1. Hallo Jessi,

    wow! Das sind wirklich tolle Bilder von Gent (vor allem die bei Nacht – ich bin ja so eine Romantikerin).
    Ich werde am Wochenende nach Gent reisen und freue mich dank deinem Bericht noch viel mehr drauf. Ich wär dir super dankbar über ein paar Tipps (Stadtführung welche? Bootstrip? Radeln? Food?, meine email: kontakt@unterwegsunddaheim.de). Du kennst dich ja schon ein bisschen aus. Würd mich freuen, wenn Du mir einen Tipp gibst. Leider komme ich erst Freitag spät an, ich hoffe die Zeit reicht bis Sonntagabend, um die schöne Stadt zu erkunden?!

    Liebe Grüße
    Nicole

  2. Pingback: Der Maler und das Meer – endlich in Ostende | – meikemeilen –

    • Jessi sagt

      So soll es ein! :-)
      Flandern scheint viele tolle Städte und Ecken zu haben. Und es ist ja zum Glück nicht weit.

      Sonnige Grüße
      Jessi

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