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Museum für Stadtgeschichte in Barcelona: Mit dem Aufzug in vergangene Zeiten reisen

Ich liebe es, wenn mir ganze Städte zu Füßen liegen. Dabei ist es mir egal, ob ich auf einen Turm oder eine Anhöhe steige, um den Ausblick genießen zu können. Auch in Barcelona habe ich mich auf den – nicht ganz leicht zu findenden – Weg zur schönsten Sicht auf die Stadt gemacht. Die Hauptstadt Kataloniens habe ich anschließend noch aus einer weiteren Perspektive erkundet und bin dabei gleichzeitig auf eine Zeitreise gegangen. Um 15 v. Chr. siedelten sich die Römer dort an, wo heute Barcelona liegt und dass die Römer ihre Spuren hinterlassen, ist allgemein bekannt. Unter der Placa del Rei sind zwischen 1930 und 1960 rund 4.000 Quadratmeter römische Relikte freigelegt worden. Während sich das spanische Leben oben im historischen Stadtteil Barri Gòtic abspielt, besuche ich neun Meter tiefer im Museu d’Història de la Ciutat die Römer.

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Die Erkenntnis, dass Ostersonntag kein richtiger Feiertag ist

„Hola!“ als wir den von historischen Mauern umgebenen Hof durchqueren und das Museum betreten, werden wir gewohnt freundlich von einem jungen Spanier begrüßt. Sofort wechselt er ins Englische und erklärt uns lächelnd, dass der Eintritt heute frei sei, wir unsere Taschen gerne einschließen dürfen und wo es zum Rundgang geht. Als wir wenige Minuten zuvor vor dem Museumsschild standen, war ich schon fast enttäuscht. Ihm konnten wir nämlich die Info entnehmen, dass das Museum an Feiertagen bereits um 14:00 schließt. Heute ist Ostersonntag und 14:00 schon längst vorbei. Scheinbar zählt dieser Tag nicht zu den spanischen Feiertagen und so kommen wir doch noch in den Genuss eines kostenlosen Museumbesuchs.

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Die Zeitreise beginnt

Während ich von dem, was der Sprecher erzählt, kein Wort verstehe, verfolge ich zumindest visuell die Entwicklung Barcelonas. Im Laufe der vielen Jahrhunderte ist aus einer kleinen Römersiedlung eine Metropole mit 1,6 Mio. Einwohnern geworden. Barcelona hat sich stetig gewandelt – mal rasend schnell, mal eher stagnierend. Der Film endet mit der aktuellen städtischen Ausdehnung. Wir befinden uns im Jahre 2014; das zeigt auch der Aufzug an, in den wir steigen, um unsere Zeitreise zu beginnen. Zeitgleich mit dem Lift setzen sich auch die roten Jahresziffern in Bewegung und schwups: Willkommen im Jahre 15 v. Chr.!

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Ein Rundgang durch Colonia Iulia Augusta Faventia Barcino

In Colonia Iulia Augusta Faventia Barcino herrscht eine ganz eigene Atmosphäre: gedämpftes Licht, flüsternde Besucher, verwinkelte Wege und uralte Mauern. Über das riesige Areal römischer Mauern führen gläserne Stege, so dass sich fast kein einziger Stein den neugierigen Blicken der Museumsbesucher entziehen kann. Infotafeln erklären auf Spanisch und Englisch, welche Art von Gebäude ich mir beim Blick auf die Mauern vorzustellen habe. Hilfreich sind dabei auch die vielen Zeichnungen. So spaziere ich durch römische Gassen, vorbei an Thermen, Werkstätten und einer Wäscherei. Ich spinkse in das riesige Wohnhaus einer wahrscheinlich sehr wohlhabenen römischen Familie und lerne, dass Wein mit Honig und Salz verfeinert wurde.

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Von den Römern ins Mittelalter – Kolumbus lässt grüßen

Zurück in die Gegenwart geht es nicht ganz so rasant, denn wir machen noch einen Zwischenstopp im mittelalterlichen Barcelona. Im Palau Reial erwartet uns eine 35 mal 18 Meter lange Halle aus dem Jahre 1359. In diesem von sechs Bögen getragenen Saló del Tinell haben einst Isabella und Ferdinand den zurückgekehrten Kolumbus empfangen. Wir statten auch noch der Capella de Santa Agata einen Besuch ab und beenden dann unsere Zeitreise, indem wir über die steinerne Freitreppe des Palastes wieder ins Freie treten. Wir müssen uns erst einmal orientieren, schließlich verlassen wir das Museum nicht an der gleichen Stelle, an der wir es betreten haben. Unser Weg führt uns noch einmal in den Eingangsbereich, da wir eines der Schließfächer nutzen. Dabei überqueren wir die Placa del Rei, unter der sich die nächsten Besucher auf Zeitreise begeben.

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