Mit Charme, Einfallsreichtum und Likörchen – Wie Maastricht mich um den Finger gewickelt hat

Maastricht ist nur einen Katzensprung von Aachen entfernt und doch fahre ich selten in die Hauptstadt der niederländischen Provinz Limburg. Dass sich ein Besuch durchaus lohnt, davon hat mich die schöne Stadt an der Maas erst kürzlich erneut überzeugt. Maastricht steckt voller Leben, bietet seinen Besuchern und Einwohnern viele teils einzigartige Einkaufsmöglichkeiten sowie eine internationale Küche und hat sogar bei trübem Herbstwetter einen ganz eigenen Charme.

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Charme

Maastricht hat was! Die Stadt weiß ganz genau, wie sie Besucher locken und dann auch angemessen umsorgen kann. Hätte ich die Aufgabe, Maastricht eine menschliche Rolle zuzuweisen, dann wäre es die der guten Gastgeberin. Eine solche ist auch Tanja, die mich in rotem Mantel und stets mit einem Lächeln auf dem Gesicht durch ihre Stadt führt. Dass Tanja sich in Maastricht wohl fühlt, wird immer wieder deutlich und ich kann es sehr gut nachvollziehen. Sie erzählt mir, dass das Flair hier so international ist, dass sich selbst die Holländer wie im Ausland fühlen und ihren Urlaub gerne in der Stadt verbringen. Tanja ist stolz auf ihre tolerante Stadt – eine Stadt ohne Grenzen. Doch ganz besonders stolz ist sie, als sie mir ganz in der Nähe des Marktes die Namen aller bisherigen Karnavalsprinzen zeigt, die in das Pflaster integriert sind, und auf einen ganz bestimmten Namen zeigt. „Das ist ein ganz besonderer Prinz. Das ist mein Sohn!“

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Auf unserem Weg durch die Kopfstein-gepflasterten Straßen weist Tanja immer wieder auf die Giebelsteine hin, von denen es noch 200 Stück in Maastricht gibt. Als die meisten Menschen noch nicht lesen konnten, hat man die einzelnen Häuser mit den Bildern markiert, sie sind die Vorläufer der Hausnummern.

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In den Schaufenstern der kleinen, urigen Häuser liegen Brote, Käse und Kuchen zum Verkauf bereit. Fast alle Geschäfte sind genauso gut besucht wie die Fußgängerzonen. Immer wieder führt Tanja mich in besonders gute Läden hinein und immer wieder werde ich mit einem freundlichen Lächeln und warmen Worten begrüßt. Ich frage mich, ob der Charme der Stadt auf ihre Einwohner übergesprungen ist oder umgekehrt. Tanjas Begeisterung hat sich jedenfalls schon längst auf mich übertragen.

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Einfallsreichtum

So wie in Amsterdam werden auch in Maastricht nicht mehr alle Kirchen für Gottesdienste genutzt. Um die Gebäude trotz ausbleibender Kirchgänger erhalten zu können, müssen die Maastrichter kreativ sein. Und das sind sie! Wir unterbrechen unseren Stadtrundgang, um uns bei einem Heißgetränk aufzuwärmen. Statt in eines der zahlreichen Cafés führt mich Tanja in eine Kirche bzw. in eine Buchhandlung: In der ehemaligen Dominikanerkirche hat sich 2006 eine eben solche niedergelassen. Wo einst die Kirchgänger auf knarrenden Holzbänken beteten, befinden sich heute mehrere Etagen mit prallgefüllten Bücherregalen. Im Halbrund des ehemaligen Priesterchores lassen wir uns an einem der Tische nieder, die zum ebenfalls hier ansässigen Café gehören. Coffeelovers verarbeitet ausschließlich Maastrichter Kaffee, denn der Betreiber der Café-Kette gehört familiär zur ortseigenen Kaffeerösterei.

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In der Kreuzherrenkirche wird nicht geschmökert sondern geschlafen, denn in diesem Gotteshaus ist ein Hotel entstanden. Tanja ermöglicht mir einen Blick in die Lobby und das erhöhte Restaurant. In den Nischen sind gemütliche Sitzecken entstanden, im Chor befindet sich hier ebenfalls eine Bar und sogar einen Glasaufzug kann ich entdecken. Die 60 Zimmer befinden sich im angrenzenden Kloster. Ich bin begeistert von den Konzepten, die selbst mich freiwillig in die Kirche gehen lassen. Gleichzeitig bin ich aber auch davon überzeugt, dass ein riesiger Aufschrei durch Deutschland gehen würde, wenn die Gotteshäuser ihrer eigentlichen Bestimmung beraubt werden würden.

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Likörchen

Maastricht hat so einiges an Spezialitäten zu bieten und eine darf ich während meines Besuchs probieren. Mein Weg führt mich ins „de Bóbbel“. Zur Auswahl stehen hier vier hauseigene Liköre: ein herber, ein bitter-süßer, ein süßlicher und ein richtig süßer. Ich entscheide mich für den süßlichen und schaue etwas verwirrt, als mir ein Glas auf einem Holzpodest serviert wird. Die Erklärung folgt sofort: „Das Glas wird so voll gegossen, dass man den ersten Schluck schlürfen muss.“ Und schon hänge ich über die Theke gebeugt mit spitzen Lippen am Likörglas. Diese Aktion ist nicht nur tierisch lustig sondern auch lecker. Als ich das Lokal wieder verlasse, weiß ich übrigens wie alle vier schmecken. Der richtig süße mit Pfirsich und Mandel ist mein Favorit.

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Maastricht, du hast mich wirklich begeistern können und ich habe mir fest vorgenommen, im Dezember zu „Magisches Maastricht“ wiederzukommen!

Lust auf Genuss? Dann seid ihr in Maastricht genau richtig! Warum, das zeigt euch Jana.

Vielen Dank an den VVV Maastricht, der mich zu diesem schönen Tag in Maastricht eingeladen hat. Ein ganz besonderer Dank geht auch an meine Stadtführerin Tanja Olivers. Meine Ansichten und Meinungen sind meine eigenen und nicht durch die Einladung beeinflusst worden.

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9 comments

  1. Es ist immer wieder toll, wenn Städte einen so richtig begeistern. Ich hab jetzt richtig Lust auf Maastricht bekommen. …und den Likör. 😉

    …aber vorher mach‘ ich noch einen Abstrecher zu dir nach Aachen.

    Liebe Grüße
    Ulli

    • Oh ja! Super, wenn ich dich für Maastricht begeistern konnte! 🙂
      Gerne, ich würde mich über deinen Besuch freuen!

      Liebe Grüße
      Jessi

  2. Hach, es war ein toller Ausflug! Mir hat Maastricht auch echt gut gefallen! Hast du es gut, dass du mal eben so rüber fahren kannst 🙂 Die Weihnachtszeit dort würde ich auch gerne mal erleben!!!

  3. Hallo Jessi,

    toller Artikel! Ja, der Süden ist ganz anders als Holland, das ist mir in Roermond, Arnhem & Nijmegen immer wieder aufgefallen. Deshalb lege ich auch immer so wert auf „die Niederlande“ ;-). Ich muss unbedingt mal wieder nach Maastricht!!

    LG Katharina

    • Auf jeden Fall ist Maastricht anders als Amsterdam. Weitere Städte in den Niederlanden stehen noch auf meiner Will-ich-hin-Liste! 🙂

      Liebe Grüße
      Jessi

  4. Ich liebe Maastricht! Den Likör Laden und das Kirchenkaffee kannte ich trotzdem noch nicht, also höchste Zeit mal wieder vorbei zu schauen 🙂

  5. [Als Spam markiert von Antispam Bee | Spamgrund: Server IP]
    Super-blog!
    Schade das Ihr die „andere“ Seite von Maastricht verpasst habt!
    Hier in Wyck (an die Banhofs-seite) ist nog sehr viel zu entdecken!
    Zum nächtsen mal!

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