Gewoon laten drijven – Ein Rundgang durch Amsterdam

Einfach treiben lassen – das geht in Amsterdam sehr gut. Zu Fuß, per Rad oder in einem der vielen Boote auf den Grachten. Wir entscheiden uns für die erste Variante und erkunden die niederländische Hauptstadt, ohne auch nur ein (öffentliches) Verkehrsmittel zu benutzen. Das ist auch gar nicht notwendig; alle Sehenswürdigkeiten sind von unserem zentral gelegenen Hostel fußläufig zu erreichen. Kommt, ich nehme euch mit auf einen gemütlichen Rundgang durch das abwechslungsreiche, schöne und ein bisschen verrückte Amsterdam.

 

Grachten

Ich bin ein absoluter Wasser-Fan. Das ist auch einer der Gründe, weshalb ich so auf Hamburg stehe. In Aachen haben wir ja leider kein größeres, fließendes Gewässer. Umso erfreuter bin ich, wenn ich in eine Stadt mit viel Wasser komme. Da liegt es nahe, dass ich vom „Venedig des Nordens“ – wie Amsterdam auch genannt wird – sofort hin und weg bin. Und soll ich euch was verraten? Venedig ist längst nicht so schön wie Amsterdam.

 

 

Ganze 165 Grachten durchziehen die niederländische Hauptstadt und eine ist malerischer als die andere. Habe ich soeben noch gedacht, dass ich jetzt das schönste Foto der herrlichen Eintracht von Gracht, alten Häusern und bunten Fahrrädern geschossen habe, taucht auch schon die nächste auf und ich bin wieder ganz verzückt. Besonders toll finde ich auch die Hausboote, die auf einigen Grachten dicht an dicht ankern. Stundenlang könnte ich am Geländer stehen und auf das Wasser starren. Doch es gibt noch so vieles mehr in Amsterdam zu entdecken…

 

 

 

Kirchen

An der Nieuwe Kerk erinnern verschiedene Transparente an die erst vor kurzem vollzogene Krönung von Willem-Alexander. Die 1408 erbaute Kirche dient seit 1815 als Krönungskirche und bildet gemeinsam mit dem Koninklijk Paleis eine wunderschöne, historische Kulisse. Für Gottesdienste wird die Kirche so gut wie gar nicht mehr genutzt, sondern vielmehr für Konzerte und Ausstellungen. Das ist in den Niederlanden keine Seltenheit. Zum einen haben lediglich 50% der Niederländer eine Konfession und zum anderen wird keine Kirchensteuer erhoben. Die häufig ausbleibenden, aber sehr wichtigen Spenden der Kirchgänger bringen den Verkauf und damit die anderweitige Nutzung von Kirchen mit sich.

 

 

Als Pendant zur Nieuwe Kerk begegnen wir im Rotlichtviertel der Oude Kerk. Ja, die älteste Kirche Amsterdams steht tatsächlich inmitten von Bordellen, Table Dance Bars und ähnlichen Etablissements.

 

Die Westerkerk gefällt mir persönlich besonders gut. Auffällig ist vor allem der gekrönte Kirchturm, doch es gibt noch weitere Besonderheiten, die an diesem Ort nicht unbeachtet bleiben sollten. So entdecken wir das Homomonument De Drie Driehoeke. Das Mahnmal erinnert an die Verfolgung und Vernichtung von Homosexuellen während der NS-Zeit. Anschließend wundern wir uns über die Menschenschlange, die sich um die Kirche herum zu winden scheint. Wir folgen ihr und stehen am Ende vor dem Anne Frank Haus. Das wird nicht das letzte Mal sein, dass wir in Amsterdam eine lange Schlange vor einem Museum vorfinden…

 

Märkte

Zwischendurch schlendern wir auch auf Märkten zwischen den unterschiedlichsten Verkaufsständen hindurch. Hier sind wir in bester Gesellschaft amsterdamer Einwohner, die frisches Obst und Gemüse, Fleischwaren und natürlich Käse kaufen. Das ist Amsterdam – nicht das touristische, sondern das authentische Amsterdam.

Anders sieht es auf dem uns zuvor mehrfach angepriesenen Singel Bloemenmarkt aus. Ich hatte mir ein Meer von bunten Blumen vorgestellt. Stattdessen finden wir – neben Blumen – viele Stände, die den Touristen vor allem Souvenirs und Tulpenzwiebeln verkaufen. Wir werden mit der Menschenmasse einfach an den schwimmenden Buden vorbeigeschoben und sind hinterher ein wenig enttäuscht.

 

 

Der Flohmarkt am Waterlooplein ist ein Sammelsurium von Fahrradteilen, Kleidung und Dekoartikeln. Hier werde ich auch endlich fündig und erstehe eine quietschgrüne Fahrradklingel.

China Town

Nicht weit von unserem Hostel entfernt und direkt an das Rotlichtviertel angrenzend finden wir uns plötzlich in einer anderen Welt wieder. Unter den niederländischen Straßenschildern hängen chinesische Schriftzeichen, in einigen Schaufenstern ganze Enten. Wir sind in China Town. Die älteste Straße Amsterdams ist gesäumt von Garküchen und Asiashops. Sogar einen Tempel gibt es hier – den Fo Guang Shan He Hwa Tempel.

 

 

Am Abend kommen wir noch einmal hierher zurück, um das uns empfohlene Thai-Restaurant Bird aufzusuchen. Die Preise auf der Speisekarte im Fenster schrecken uns ein wenig ab, doch wir brauchen uns nur umzudrehen und stehen vor dem Imbiss Bird, der die gleichen Speisen zu geringeren Preisen anbietet und natürlich zum Restaurant gegenüber gehört. Wir haben Glück: in dem winzigen Raum sind noch zwei Plätze frei und so nehmen wir neben einem niederländischen Pärchen Platz. Um uns herum wird ausschließlich nierderländisch gesprochen (naja, und eine asiatische Sprache). Wir beschließen, dass das ein gutes Zeichen ist und werfen einen Blick in die Speisekarte. Wenig später stehen zwei große Schüsseln Curry vor uns, deren Inhalt wir genüsslich aber nicht vollständig verspeisen. Das Bird kann ich euch ans Herz legen, wenn euch leckeres Thai-Food zu moderaten Preisen wichtiger ist als ein ruhiges, komfortables Restaurant.

„Versteckte“ Überraschungen

Eine ganz andere Welt finden wir auch vor, als wir durch die kleine Holztür in den Begijnhof treten. Der Beginenhof ist eine kleine Oase inmitten der trubeligen Stadt. Ich kann mich gar nicht satt sehen an den kleinen Häuschen, die in Reih und Glied hinter gepflegten Vorgärten stehen. Sofort kommt mir ein Gedanke: Hier möchte ich wohnen! Vermutlich liegt das aber nicht in meinem Budget. Wer heute hier wohnt, das weiß ich nicht, früher (ab 1346) taten es fromme, aber nicht an den katholischen Orden gebundene Frauen. Auch das älteste Wohnhaus Amsterdams, das zugleich eines der beiden letzten erhaltenen Holzhäuser der Stadt ist, steht im Begijnhof.

 

 

 

Besonders schön finde ich auch das Shoppingcenter Magna Plaza, das sich direkt hinter der Nieuwe Kerk befindet. Wo heute Einheimische und Touristen durch die 40 Shops und Cafés bummeln, residierte einst die Hauptpost. Von außen macht der Bau schon etwas her, doch wirklich erstaunt bin ich, als wir das innere erblicken. So viel Prunk habe ich bisher eher selten in Einkaufstempeln vorgefunden.

 

Vielen Dank an Hostelbookers, die den Aufenthalt in Amsterdam mit einem Zimmer im Amsterdam Cribs unterstützt haben. Meine Meinungen und Ansichten sind lediglich durch die schöne Stadt beeinflusst worden.

Wart ihr schon mal in Amsterdam? Was sind eure Highlights? 

 

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18 comments

  1. Schöner Bericht!
    Ich gehe auch am liebsten zu Fuß durch die Stadt, da sieht man einfach am meisten.
    Mit dem Blumenmarkt ging es mir ähnlich wie dir. Ich hatte mir bei einem schwimmenden Blumenmarkt, doch auch ein bisschen was anderes vorgestellt 😉
    LG Simone

    • Danke!
      Ja, zu Fuß ist immer am schönsten. In manchen Städten aber leider nicht immer möglich (in Paris z.B.).

      Liebe Grüße
      Jessi

  2. Hach schee wars! Schade nur, dass du durch deine Erkältung nicht so viel davon hattest…da hilft nur wiederkommen 😉
    Bussi :-* Jana

  3. Hallo Jessi,

    toller Artikel :-)! Jetzt weißt Du, was ich meine, wenn ich sage: Ich bin süchtig nach Amsterdam ;-).
    Soviel ich weiß, wohnen auch heute noch überwiegend alleinstehende Frauen im Begijnhof. Dorthin bin ich auch immer gern gegangen – eine Oase im stressigen Zentrum :-).
    Das Magna Plaza war ursprünglich das königliche Postamt, deshalb ist es so prunkvoll.

    Eine kleine Korrektur: die Plakate an der Nieuwe Kerk weisen auf die Ausstellung zum Königshaus hin, die kurz nach der Amtseinführung des Königs gestartet ist.

    LG & schönes WE
    Katharina

  4. Was für ein schönes Marktfoto 🙂 Ich erst einmal und nur ganz kurz (ganze 2 Stunden) in Amsterdam und sollte wohl mal einen längeren Aufenthalt planen…

  5. Amsterdam ist meine große Liebe! Wann immer ich da mit der Bahn einfahre, kullern die Tränchen. Vor ein paar Jahren habe ich mir dort mal für 5 Tage ein Hausboot gemietet. Morgen wurde ich nicht vom Wecker, sondern vom Schwänen geweckt und auf dem Dach sind Entenbabys geschlüpft! Ich flipp immer noch aus, wenn ich daran denke 😀

    Sightseeing habe ich in Amsterdam noch nie gemacht. Ich lasse mich immer einfach treiben und das meistens in der Altstadt. Hach…ich muss ganz unbedingt bald mal wieder hin <3

    Liebe Grüße und ich hoffe, dass es bald eine neue Gelegenheit für ein Treffen „in echt“ gibt 🙂

    • Toll, toll, toll! Das ist auch einer meiner Träume: Eine Weile auf einem Hausboot wohnen!

      So wie dir mit Amsterdam geht es mir mit Wien! Ich muss da auch mal wieder hin…

      Sonnige Grüße
      Jessi

      PS: Klappt bestimmt bald mal! 🙂

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