Ahrweiler: Auf und im Silberberg

Ahrweiler, oder besser gesagt der Silberberg, hütet ein großes Geheimnis. Nagut, mittlerweile ist es kein Geheimnis mehr. Gott sei Dank, denn sonst müssten wir noch immer Angst vor dem Dritten Weltkrieg haben und könnten nicht diese tolle, geschichtlich sehr wichitge Anlage besuchen. Die Rede ist vom Regierungsbunker. Noch nie etwas davon gehört? Ich war auch ganz erstaunt, als ich davon auf einem Betriebsausflug im Sommer 2009 das erste Mal hörte.

Der Eingang der Dokumentationsstätte Regierungsbunker

Fangen wir mal ganz vorne an: Ursprünglich wurden die beiden Tunnel durch das Ahrgebirge oberhalb von Ahrweiler für die strategische Eisenbahnstrecke, die Elsass-Lothringen und das Ruhrgebiet verbinden sollte, gebaut. Diese Strecke ist nie vollendet worden, die Tunnel waren aber komplett vorhanden. Von 1960 bis 1972 wurden diese Tunnel dann aufgrund ihrer Nähe zu Bonn zum „Ausweichsitz der Verfassungsorgane der BRD in Krise und Krieg“ ausgebaut. Der Regierungsbunker sollte also während des Kalten Krieges dafür sorgen, dass die Regierung der BRD im Falle eines atomaren Angriffs Schutz finden und weiterregieren konnte. Dies wäre bis zu 30 Tage möglich gewesen. Anschließend hätte man entweder wieder nach draußen gekonnt, oder hätte den Bunker als Grab hinnehmen müssen. Das alles klingt unglaublich furchtbar und unvorstellbar, doch das ist es wohl auch, was die vielen Besucher dieser Dokumentationsstätte fasziniert. So auch mich und da war es keine Frage, ob ich das Museum ein weiteres Mal besuche.

Die Dokumentationsstätte hat mittwochs, samstags und sonntags von 10:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. Als wir um kurz nach 10:00 den Eingang erreichten, fanden wir bereits eine beachtliche Schlange vor. Wer nicht lange auf eine Führung warten möchte, der sollte also schon zur Öffnung der Anlage am Bunker sein. Wir kauften uns beide ein Studententicket für jeweils € 5,00 (Normalpreis: € 8,00) und ein Fototicket für € 2,50 (ansonsten ist das Fotografieren nicht gestattet). Wir hatten Glück und mussten nicht lange auf unseren Guide warten, der uns ca. 1,5 Stunden durch die Anlage führte. Wenn ich Anlage schreibe, dann ist damit ein sehr kleiner Teil der Ursprungsanlage gemeint. Der gesamte Regierungsbunker hat unglaubliche Ausmaße und so ist nur ein Trakt wieder hergestellt und mit Originalgegenständen bestückt worden.

Lediglich der kleine beleuchtete Teil ganz rechts ist heute begehbar.

Ein bisschen mulmig wurde mir bisher jedes Mal, wenn ich die großen MAN-Rolltore anschaute, die sich im Notfall (oder bei den regelmäßigen Übungen) nach Ankündigung durch eine Sirene und Rotlicht blitzschnell schlossen und die atomare Verstrahlung abhalten sollten. Der Eingangsbereich besteht neben diesen zwei riesigen Toren aus mehreren kleinen. Dahinter befindet sich dann direkt die Dekontaminierungsanlage. Hier musste jeder durch, der in den Bunker wollte: ausziehen, duschen, eventuell mit verdünnter Ameisensäure duschen, Check durch einen Arzt und wieder einkleiden.

Der Maschinenraum eines Rolltores
Pro Eingangsbereich gab es zwei riesige MAN-Tore.
Blick zurück zum Eingang

Vorbei ging es durch schmale Gänge an einer Schaltzentrale, einem Friseursalon, Technikräumen, dem Schlafzimmer des Bundeskanzlers, der Küche, dem Arztzimmer und weiteren mit Originalgegenständen ausgestatteten Räumen. Unser Guide erzählte uns viele interessante Geschichten, die ich zwar meist schon kannte, aber trotzdem erneut in mich aufsog.

Büroequipment – damals der neueste Stand der Technik
Jeder Abschnitt hatte seine eigene Schaltzentrale.
Der Kontakt zum Volk war über das Fernsehen möglich.
Hier sollte die Regierungsspitze tagen.
Der Zahnarztbereich

Am Ende der Dokumentationsstätte befindet sich ein Raum, der einen Blick in den ehemaligen Eisenbahntunnel zulässt. Hier ist es besonders zugig und kalt (im restlichen Bunker herrschen um die 12°C). Anschließend ging es noch in die zweite Etage, in der sich die Schlafbereiche befinden.

Blick in den nackten Tunnel

Wenn ihr zufällig einmal im Ahrtal seid, dann solltet ihr euch einen Besuch der Dokumentationsstätte Regierungsbunker nicht entgehen lassen. Ich bin mir sicher, dass er nicht nur Geschichts- und Technikbegeisterte fasziniert.

Nach den 1,5 Stunden im kalten, engen Bunker, war ich froh, die Sonne wieder zu sehen. Wir beschlossen, vor unserer Heimreise noch ein wenig auf dem Rotweinwanderweg entlang zu spazieren, der unter anderem am Regierungsbunker vorbei führt. So erkundeten wir den Silberberg also auch noch von außen und fanden einen weiteren interessanten Tunnel vor: den Silberbergtunnel. Direkt davor sind Pfeiler einer Brücke erkennbar. Denn auch hier sollte einmal eine Bahnlinie entstehen. Bis auf die Brücke, deren Pfeiler heute als Klettergelegenheit genutzt werden, war diese auch fertiggestellt, als der Bau 1923 von der französischen Besatzung eingestellt wurde. Im Zweiten Weltkrieg fanden in dem Tunnel schließlich 2.500 Menschen Schutz vor den Bombenangriffen auf das Ahrtal. Sie bauten sich Holzhütten, in denen sie tagsüber hausten, und so entstand eine Stadt im Berg. Nach dem Zweiten Weltkrieg sprengte die französische Besatzungsmacht den Tunnel. So steht der Besucher heute vor einem Trümmerhaufen. Ein Stück von der Schutzmauer am Eingang und Reste einer Holzhütte erinnern an den Zufluchtsort im Zweiten Weltkrieg und sollen als Mahnung gegen Völkerhass und Krieg dienen.

Weinreben am Silberberg
Am Rand des Rotweinwanderwegs wachsen viele rote Trauben.
Blick auf die Pfeiler der geplanten Eisenbahnbrücke
Der Silberbergtunnel erinnert an den Zweiten Weltkrieg.

Ihr seht, der Silberberg in Ahrweiler hat so einiges zu bieten. Wer geschichtlich weniger interessiert ist, der wird sicher die schöne Aussicht auf Ahrweiler und die Weinreben genießen. Vielleicht habt ihr ja auch Glück und trefft so wie wir einen Winzer, der günstig Wein und Traubensaft ausschenkt.

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8 comments

  1. Achmensch, der ist jetzt doch offen? Ich hatte mal eine Doku gesehen und fands damals schade, dass der nicht zu besichtigen war.
    Was mich übrigens irritiert: In der Doku haben sie viele Bilder gezeigt, da war alles vergammelt und kaputtgeschlagen. Ich glaube, die haben das hier teilweise nachträglich wieder aufgebaut, oder?
    Sehrsehr spannend! Dankeschön für diesen Beitrag.
    LG /inka

    • Ja, da hast du Recht. Der Bunker wurde erst rückgebaut und alle Gegenstände wurden verschenkt oder einfach mitgenommen. Dann wurde aber beschlossen, einen kleinen Teil zu erhalten, weil der Bunker so wichtig für die deutsche Geschichte ist. Es wurden Aufrufe gestartet und so ist der betreibende Verein wieder an die vielen Einrichtungsgegenstände gekommen. Tolle Sache!

      Liebe Grüße
      Jessi

  2. Das bedrückt einen ja schon beim zusehen…aber ich wäre wohl auch hinein gegangen. Unglaublich, wie man sich nach 1,5 Stunden in so einem Bunker wieder auf das Sonnenlicht freuen kann oder?
    Liebe Grüße, Jana

    • Ja, das ist wirklich alles sehr bedrückend. Bei den vielen Übungen, die von der Bundeswehr durchgeführt wurden, haben wohl auch einige einen Bunkerkoller bekommen.

      Sonnige Grüße
      Jessi

  3. Hey hallo!

    Also ich finde das alles nicht ganz so furchtbar, den schließlich hatten die wenigstens einen Bunkern. Wenn es aber wirklich einmal zu so einer Katastrophe gekommen wäre (und das ist meiner Meinung nach das furchtbare), dann säßen jetzt in einem ziemlich großen Bunker viele Politiker, während draußen die „normalen“ keine Chance hätten. Naja… Regierung schön und gut, aber wenn’s um Katastrophen geht, glaube ich dass zuerst nur mal zählt so viele Menschen wie möglich zu retten.

    Okay, ein sehr ernstes Thema. 😉 Finde den Ausflug auf jedenfall sehr interessant, vorallem wenn man wie mit einer Zeitreisemaschine die alten Sachen im Bunkern ansehen kann. ^_^

    Liebe Grüße
    Christina

    • Ja, da hast du wohl Recht. Ich frage mich, ob es überhaupt noch etwas zu regieren gegeben hätte im Ernstfall bzw. was nach den 30 Tagen gewesen wäre…

      Liebe Grüße
      Jessi

  4. Hallo, 🙂

    nicht hauen, ich habe erst Registrierungsbunker gelesen und dachte an einen Unterschlupf der GEZ. Sorry…..
    Aber die Fotos sind toll, ich wusste bis heute nicht das es sowas gibt.
    Allerdings beim Anblick des Zahnarztraumes sträuben sich mir die Nackenhaare. Rrrrrr. 🙂

    Lieben Gruß
    Oliver

  5. Pingback: Deutschland - deine Unterwelten. Spurensuche in deutschen Großstädten. - Teilzeitreisender.de

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