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Winterliche Erinnerungen an Prag

Während ich im Arbeitszimmer vor dem Rechner sitze, wird der Regen unaufhörlich gegen das Fenster gepeitscht. Heftig schüttelt der Sturm die Bäume vor dem Haus und zerrt an den Regenschirmen der Passanten, die sich vor die Tür getraut haben. Ich lausche dem Prasseln des Regens und dem Rauschen der Heizung. Ein Blick auf das Thermometer verrät mir, dass draußen Temperaturen im zweistelligen Bereich herrschen. Und das im Januar. Was für ein merkwürdiges Wetter… Da träume ich mich doch lieber zurück nach Prag, wo ich zumindest für eine kurze Weile dem Winter begegnet bin. Und euch nehme ich mit.

Karlsbrücke mit Burg (1 von 1)

Bin ich jetzt in Paris?

Als wir am Fuße des Petrín in die Standseilbahn steigen, hat es schon längst zu dämmern begonnen. Mit einem lauten Tuten schließen sich die Türen, dann geht es in gemächlichem Tempo den Berg hinauf. Während wir auf halber Strecken kurz halten und auf die entgegenkommende Bahn warten, werfe ich einen Blick zurück auf die Prager Altstadt. Aus der Höhe betrachtet haben Städte für mich immer einen ganz besonderen Reiz und ich freue mich schon auf den Blick vom Petrín.

Standseilbahn unten (1 von 1)

Es dauert nicht lang und um uns herum ist die Dämmerung zur Dunkelheit geworden. Die Wege auf dem Petrín sind aber alle gut beleuchtet, so dass wir uns schnell und gut orientieren können. Besonders hell leuchtet nicht weit von uns entfernt eine 63,5 Meter hohe Eisenkonstruktion, die uns sehr bekannt vorkommt. Je näher wir kommen, desto deutlicher erkennen wir in dem Aussichtsturm einen Eiffelturm im Miniaturformat. Laut meines Reiseführers handelt es sich tatsächlich um eine Kopie, die seit 1891 den Prager Hausberg schmückt.

Eiffelturm (1 von 1)

Eiffelturm nah (1 von 1)

Wir verzichten auf eine Besteigung des Minieiffelturms und schlendern stattdessen um ihn herum Richtung Abstieg. Zwischen den kahlen Bäumen hindurch können wir immer wieder einen tollen Blick auf die hell erleuchtete Prager Burg und die glitzernde Altstadt erhaschen. Als wir wieder auf die Standseilbahn treffen, biegen wir nach links und folgen dem sich windenden Weg bis nach unten. Teilweise ist es ganz schön steil und wir können immer mal wieder ein Stückchen kichernd über den glatten festgetretenen Schnee schlittern.

Schnee zum Nachtisch

Unten angelangt schaue ich mich suchend um und stecke meine Nase in den Reiseführer. Eigentlich wollte ich mir jetzt gerne das Lobkowicz-Palais ansehen. In diesem befindet sich seit 1975 die deutsche Botschaft und die ist schließlich geschichtsträchtig. Unser Vorhaben bleibt erfolglos. Aufgrund kalter Füße und leerer Mägen beschließen wir, uns stattdessen auf die Suche nach einem passenden Lokal zu machen. Diesmal sind wir erfolgreich.

Moldau (1 von 1)

Gegen die Kälte gibt es für uns erst einmal eine heiße Suppe. Wenn der Gastraum schon nicht muckelig warm ist, dann wärmen wir uns eben von innen. Danach gönnen wir uns natürlich zwei deftige, bömische Gerichte mit Fleisch, Knödeln und Sauerkraut. Und auch wenn wir kurz vor dem Platzen sind, können wir auf den Nachtisch nicht verzichten. Meiner Meinung nach ist so ein Essen ja genau das richtige für kalte Wintertage.

Noch während wir unsere Biergläser leeren, wird meine Aufmerksamkeit auf das gezogen, was sich draußen abspielt. „Ich glaube, es schneit!“ freue ich mich und kann es kaum abwarten, das Lokal zu verlassen. Und tatsächlich erfüllt mir Prag den Wunsch, endlich mal wieder im Schneefall spazieren zu gehen.

Vom Matsch in den Schnee

Am nächsten Morgen ist es mit der weißen Pracht leider schon wieder vorbei. Mit Prag passiert das, was jeder verschneiten (Groß)Stadt recht schnell blüt: Überall Matsch. Doch mindestens einen Ort gibt es noch, an dem wenigstens ein bisschen was von dem schönen Weiß übrig ist. Und da geht es jetzt mit der Straßenbahn hin. Es geht wieder bergauf, diesmal auf den 70 Meter hohen Hügel des Hradschin – das größte zusammenhängende Burgareal der Welt.

Dom (1 von 1)

Verschneiter Burgberg (1 von 1)

Hier herrscht wenigstens noch ein bisschen Winter. So sind die Dächer des Doms und der vielen hübschen Gebäude drumherum mit einer dünnen Schicht aus Schnee bestäubt. Auch der Blick auf die Prager Altstadt zeigt trotz diesigem Wetter, dass der Winter seinen weißen Zauber tapfer verteidigt. Natürlich ist das Burgviertel total überlaufen und so ist es mir leider nicht lange vergönnt, den Blick über die Stadt schweifen zu lassen. Bevor ich mich wieder zum Gehen wende, nehme ich mir vor, diesen Anblick so lang wie möglich in Erinnerung zu behalten. Wer weiß, wann ich das nächste Mal gepuderzuckerte Dächer zu Gesicht bekomme. Wenn ich da an den letzten Winter denke…

weißes Prag (1 von 1)

Eingang Karlsbrücke (1 von 1)

Der beste Weg, sich aufzuwärmen

Nach dem Winterspaziergang flüchten wir später vor der Kälte in das hoteleigene Spa, das wir für die nächsten zwei Stunden gebucht haben. Leider entspricht das Wasser im Whirlpool nicht dem, was ich unter einer angenehmen Badetemperatur verstehe. Doch die Sauna ist bereits vorgeheizt und lässt uns schwitzen. Als ich später gemütlich auf der Liege sitze und in meiner Zeitschrift blättere, bin ich froh, dass ich dem Winter zumindest für eine kurze Weile begegnen durfte.

Whirlpool (1 von 1)

Habt ihr den Winter auch schon gefunden? Hat er euch vielleicht sogar direkt vor der Haustür begrüßt? Verratet ihr mir eure liebsten Winterausflugsziele?

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