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Saarbrücken hat so einiges zu erzählen – Die Geschichten der saarländischen Hauptstadt

Unser Stadtführer kommt ursprünglich gar nicht aus dem Saarland, sondern aus Ostfriesland. Laut eigener Aussage ist er außerdem gut ausgeschlafen, schließlich war er jahrelang im öffentlichen Dienst tätig. Meiner Meinung nach ist er vor allem gesprächig und witzig – beste Voraussetzungen für eine interessante, kurzweilige Stadtführung. Wir beginnen im Saarbrücker Rathaus, das dank glücklicher Umstände den Krieg überstanden hat und somit im Originalzustand erhalten ist. Ganzer Stolz des Hauses ist der Festsaal mit seinen bunten Fenstern und den historischen Malereien an den Wänden. Hier erfahre ich auch, dass Honecker ursprünglich ein Saarländer war. Ob das auch die Ostampelmännchen erklärt, die ich hier und da entdecke?

Ludwigskirche (1 von 1)

Die nächsten zwanzig Minuten laufen wir durch das ehemalige Rotlichtviertel Saarbrückens. Genau genommen war es der Vergnügungsbezirk von St. Johann an der Saar, denn Saarbrücken selbst befand sich auf der gegenüberliegenden Saarseite. Erst 1909 schlossen sich beide Städte sowie Malstatt-Burbach zum heutigen Saarbrücken zusammen. Wo sich einst die Herren vergnügten, befindet sich heute die Seele der Stadt: In den Gassen um den St. Johanner Markt haben sich Cafés, Bars und Restaurants angesiedelt.

Rathaus St. Johann (1 von 1)

Rathaus Saarbrücken (1 von 1)

Auch zum Stiefelbräu hat unser Stadtführer eine Geschichte zu erzählen. In einer Zeit, zu der es noch unzählige Brauereien in Saarbrücken gab, heiratete ein Braumeister die Tochter eines Schusters. Aus dieser Verbindung entstand der Name des Bieres, das noch heute – als einziges Bier in Saarbrücken – gebraut wird.

Hände (1 von 1)

Fröschengasse (1 von 1)

Am Staatstheater vorbei geht es über die Alte Brücke in das ursprüngliche Saarbrücken. Statt einer grünen Lunge und einem Ort zum Entspannen finden wir an der Saar die Stadtautobahn. In den 60ern gebaut hat sie einige Veränderungen für das Stadtbild mit sich gebracht. So wurde nicht nur die Saar künstlich begrenzt, auch die Alte Brücke musste sechs ihrer Bögen einbüßen. Die meiste Arbeit floss allerdings wohl in das Versetzen der Schlossmauer.

Stadt (1 von 1)

Museumskirche (1 von 1)

An eben dieser Mauer macht uns unser Stadtführer auf eine steinerne Fratze aufmerksam. Ursprünglich hing sie an der Alten Brücken, wo sie als Wasserspeier diente. Mit ihr verbunden ist die Sage vom geizigen Bäcker. Eben dieser hatte kein Herz für seine armen, hungernden Mitbürger. Da dies der Fürstin missfiel, wurde der Bäcker zur Strafe und Abschreckung gleichermaßen als Abwasserspeier verewigt.

Der geizige Bäcker (1 von 1)

Das Schloss selbst hat seit seiner Erbauung im Mittelalter mehrfach sein Aussehen verändert. Über das heutige bestehen unterschiedliche Ansichten, denn die beiden historischen Seitenflügel verbindet ein moderner Glasbau. Der Vorhof ist seit Anfang der 1990er auch als Platz des Unsichtbaren Mahnmals bekannt. Knapp 2.150 Pflastersteine sind mit den Namen jüdischer Friedhöfe versehen und mit der Schrift nach unten in den Boden eingelassen worden. Der Initiator – ein Kunstprofessor – wählte den Ort des Schlossvorplatzes, weil sich dort die Leitstelle der Gestapo befand.

Schloss (1 von 1)

Rathaus Saarbrücken nah (1 von 1)

Nach 2,5 Stunden beenden wir unseren Stadtrundgang in der Ludwigskirche, die innen in reinem Weiß erstrahlt. Während wir in den ersten Reihen der evangelischen Kirche sitzen, steht unser Stadtführer vorne und erzählt von seinem Shanty Chor, der hier viele Jahre aufgetreten ist und zum Erhalt der Kirche beigetragen hat. Er nutzt die Gelegenheit außerdem für einen kleinen geschichtlichen Abriss des Saarlandes. Mal war es deutsch, mal französisch, mal unabhängig. So kam es seiner Meinung nach überhaupt erst zum Wunder von Bern, denn in der Qualifikation ließ das Saarland die BRD 3:1 gewinnen…

Ludwigskirche vorn (1 von 1)

Ludwigskirche innen (1 von 1)

Am Ende verrät uns unser Stadtführer noch, dass die Ludwigskirche in ihrer Krypta eine Kneipe hat, die für Feierlichkeiten gemietet werden kann. Das hat sein Shanty Chor natürlich auch schon das ein oder andere Mal genutzt.

Goldenes Tor (1 von 1)

Vielen Dank an die Tourismus Zentrale Saarland für die Einladung nach Saarbrücken. Meine Meinung ist wie immer meine eigene und wird von der Einladung nicht beeinflusst.

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4 Kommentare

  1. Hi Jessi,

    einen schönen Bericht über Saarbrücken hast du hier. Ausgerechnet die Hauptstadt „muss“ ich allerdings bei meinem Trip durchs Saarland auslassen, shame on me :-) Aber dein Artikel animiert mich, bei der nächsten Runde durchs Saarland unbedingt auch mal nen richtigen Zwischenstopp in Saarbrücken zu machen :-)

    LG,
    Jan
    Reiseblog über Deutschland

  2. finn sagt

    Aufgefallen ist ja die Fratze, die als Abwasserspeier diente. Was hat sich eigentlich seit der Zeit von Hungersnot verändert? Eine sehr spannende Anregung, Saarbrücken zu besuchen. Recht vielen Dank! Möchte mit Kindern eine Autoreise dorthin unternehmen. Hoffe, Schlösser und moderne Designobjekte können auf sie einen unvergesslichen Eindruck doch machen. Muss ja noch zur Übernachtung was finden.

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