Von der Alster zur Elbe – Mit dem Gefühl von Freiheit durch Hamburg spazieren

Während ich an meiner Tasse Tee nippe und die grandiose Aussicht auf die Außenalster genieße, muss ich an Lotto King Karl denken, wie er das mir zu Füßen liegende Gewässer besingt: „Bier und Brause fließt durch meine Stadt…“ Ein kühles Alster werden sich später sicher auch die sportlichen Hamburger gönnen, die an diesem frühen Samstagvormittag schon aktiv sind. Immer wieder lassen Gruppen ihre Ruderboote zu Wasser. Ich schaue ihnen nach, bis sie nur noch als kleiner Punkt zu erkennen sind, und bemerke, dass Rudern durchaus eine Herausforderung ist – Teamarbeit auf der ganzen Linie. Meine Herausforderung besteht an diesem Morgen darin, zu entscheiden, welche der vielen Leckereien den Weg auf meinen Teller finden sollen. Ein Franzbrötchen auf jeden Fall, soviel steht fest. Schließlich bin ich in Hamburg und möchte soviel wie möglich von dieser tollen Stadt in mich aufsaugen.

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Auch wenn ich ein absoluter Warmduscher bin und die Berührung mit kaltem Wasser so gut es geht meide, ziehen mich Gewässer magisch an. Ich liebe es, am Rand eines Sees, Flusses oder Meeres zu stehen und meinen Blick über das Wasser streifen zu lassen. Es bringt mich zur Ruhe, lässt mich atmen und verleiht mir ein Gefühl von Freiheit. Hamburg ist für mich allein wegen seines vielen Wassers eine unglaublich tolle Stadt. Meinen Spaziergang beginne ich an der Außenalster, die bald in die Binnenalster übergeht. Schon bei meinem ersten bewussten Hamburgbesuch hat es mir der von gründerzeitlichen Gebäuden umrahmte „See“ angetan.

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Während ich die Möwen beobachte, die sich kreischend in die Lüfte schwingen und ihre Kreise über der Alster drehen, wandert mein Blick zum gegenüberliegenden Ufer mit dem Alsterhaus und dem Hamburger Rathaus – mein nächstes Ziel.

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Als ich die reichverzierte Tür öffne, entdecke ich das kleine Hinweisschild, das zum „Stoßen“ auffordert. Meine Gedanken darüber, ob man das hier wohl so sagt oder ob es sich um einen veralteten Ausdruck handelt, werden von einem weiteren Hinweisschild unterbrochen: „Heute keine Führungen!“ Aber im Internet stand doch… Der nette Herr an der Information erklärt mir, dass sich das Organisationsteam bei den Vorbereitungen für Helmut Schmidts Geburtstag verschätzt habe. Da kann man natürlich nichts machen. Auch die 111 Meter breite Fassade und der Innenhof sind sehenswert und ich kann verstehen, dass die Hamburger auf ihr prachtvolles Rathaus stolz sind.

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„Hier brach 1842 der große Stadtbrand aus,“ verrät mir das Schild am gemütlich wirkenden Lokal mit dem passenden Namen „Zum Brandanfang“. Das Feuer hat nicht nur die Fachwerkfassade dieses Gebäudes sondern weite Teile der Hamburger Altstadt zerstört. Trotzdem fühle ich mich gerade in eine längst vergangene Zeit zurückversetzt. Kein Wunder, denn die Deichstraße ist das letzte erhaltene Stück des alten Hamburgs. In den restaurierten Häusern aus dem frühen 18. Jahrhundert haben sich hauptsächlich Restaurants und Kneipen niedergelassen. In lauen Sommernächten tummeln sich sicher viele Hamburger mit einem Bier in der Hand auf der kopfsteingepflasterten Straße. Wenn ich die Augen schließe, kann ich das fröhliche Stimmengewirr beinahe hören.

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Am Ende der Deichstraße empfängt mich wieder das Wasser. Diesmal ist es die Elbe, die sich an der von Kanälen durchzogenen HafenCity vorbeischlängelt. Ich folge ihr und flaniere am Hafen entlang. Unter mir ziehen die Barkassen vorüber, in der Ferne steht ein Schiff in der Werft. Während heute moderne Boote in Turbogeschwindigkeit nach Helgoland fahren oder Musicalbegeisterte zum Pavillon von „König der Löwen“ übersetzen, sind an den Landungsbrücken einst große Dampfschiffe Richtung Meer gestartet. Noch heute ist das imposante Bauwerk aus Tuffstein für mich ein Symbol für Sehnsucht, Fernweh, Freiheit. Einfach ein Schiff besteigen und raus aufs Meer, raus in die große weite Welt. Wie muss es da erst den Menschen gegangen sein, die nicht die Möglichkeit hatten, in ein Flugzeug zu steigen und für ein Wochenende in ein anderes Land zu fliegen?

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Als es anfängt zu dämmern, drehe ich noch eine Runde durch die Speicherstadt. Das Licht des frühen Abends schmeichelt der Wilhelminischen Backsteingotik der hundertjährigen Lagerhäuser und lässt sie fast geheimnisvoll wirken. Im 19. Jahrhundert haben die Gebäude sicherlich auch so manches Geheimnis verborgen…

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Vielen Dank an HRS für die Unterbringung im Le Royal Méridien sowie an die Deutsche Bahn, die meinen Hamburg-Aufenthalt ebenfalls unterstützt hat. Meine Meinung über Hamburg ist davon nicht beeinflusst worden.

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