Berlin, Berlin, wir waren in Berlin

Endlich Urlaub, einfach mal entspannen! Das hatte ich jedenfalls gedacht… Am Dienstag begann mein Feierabend und somit mein verlängertes Wochenende bereits um 16:00. Mit dem Bus fuhr ich zum Hauptbahnhof, um mich dort mit meinem Freund zu treffen. Wir wollten mit dem Bus zum Flughafen Maastricht-Aachen fahren und mit Germanwings nach Berlin fliegen. Der Bus hatte zehn Minuten Verspätung und wir hatten in Maastricht zehn Minuten Umsteigezeit… Auf der Fahrt vergrößerte sich die Verspätung dann durch Baustellen und den Feierabendverkehr. So verpassten wir ganz knapp den Bus zum Flughafen und mussten dann feststellen, dass der nächste erst eine Stunde später fahren würde. Da wir unser Gepäck nur bis eine dreiviertel Stunde vor Abflug aufgeben konnten, war das zu spät. Gott sei Dank gibt es Taxen! Wir waren dann mehr als pünktlich am Flughafen, von dem aus lediglich Germanwings nach Berlin und Ryanair in verschiedene Städte Südeuropas fliegen. Der Hauptverkehr gilt hier den Frachtfliegern. Entsprechend klein und unspektakulär ist der Flughafen. Aber in den Niederlanden existiert die Luftverkehrsabgabe, die man seit diesem Jahr in Deutschland zahlen muss, nicht. Der Bus zum Flug kostet 5,50 €.
Nach einem kurzen Flug landeten wir in Berlin-Schönefeld und fuhren dann mit der S-Bahn zum Ostkreuz, da wir bei Verwandtschaft meines Freundes unterkommen konnten, die in Friedrichshain wohnt. Leider sind der Onkel meines Freundes und seine Freundin am nächsten Morgen ebenfalls in den Urlaub geflogen, so dass wir nur noch kurz ein Glas Wein zusammen getrunken und wichtige Neuigkeiten ausgetauscht haben. So hatten wir aber eine schöne, große Altbauwohnung für uns allein. Danke noch mal dafür, ihr zwei! 🙂
Mittwoch
An unserem ersten Urlaubstag haben wir erst einmal ausgeschlafen. Nach dem Frühstück sind wir dann zur Gropius-Passage gefahren und waren shoppen. Die Tageskarte für den Berliner Nahverkehr kostet 6,30 € und lohnt sich auf jeden Fall. Meine Ausbeute unserer Shoppingtour: Staffel Nummer sechs der Serie Friends, eine kurzärmlige Bluse, ein dunkelblauer Rock und ein Top im Marinestil. Die Passage hatte ich ausgesucht, weil sie laut Internet angeblich die größte von Berlin sein soll. Ich rate davon ab, hier shoppen zugehen. Sie ist wirklich eher ein Witz als ein riesiges Einkaufsparadies. Da lohnt sich eher der Besuch der schweinchenrosa Alexa, in die wir auf der Suche nach einem Starbucks am Alexanderplatz hineingestolpert sind.

Nach einem kleinen Mittagssnack in der Sonne sind wir dann zum Flughafen Tempelhof gefahren, der seit seiner Schließung vor drei Jahren als Freizeitpark zur Verfügung steht. Hier gibt es Grillplätze, Hundewiesen, Fußballplätze und jede Menge Informationstafeln zu den dort heimischen Pflanzen und Tieren. Die Asphaltwege werden vor allem  von Fahrradfahrern, Skatern und Kitesurfern genutzt. Wir sind die Start-/Landebahn 09 R abgelaufen und dann auf verschiedenen Taxiways wieder Richtung Flughafengebäude spaziert. 

Zwischendrin gab es dann im Biergarten noch einen Kaffee und ein Eis und lauter alte „Schätze“ zu entdecken (siehe Fotos). Anschließend haben wir den Park verlassen und sind am Flughafengebäude entlanggelaufen. Von der Vorfeldseite kann man leider nicht an das Gebäude heran. Ich hatte das Gefühl, dass das Gebäude niemals enden wird, doch irgendwann erreichten wir dann doch den Haupteingang, dessen Türen natürlich verschlossen waren. Hinweisschilder machten uns auf die aktuelle Nutzung des Gebäudes aufmerksam, so findet man in Hangar 2 eine Eissportfalle und Hangar 3 wird für verschiedene Events genutzt. Auf dem Weg zur U-Bahn haben wir noch einen Blick auf das Denkmal zur Luftbrücke und entsprechende Informationstafeln geworfen.

Übungsflugzeug der Flughafen-Feuerwehr

Schießstand der US Air Force

Fallschirm-Sprunganlage

Vor dem Haupteingang

Denkmal der Luftbrücke
Abends haben wir uns dann mit dem Cousin meines Freundes und seiner Freundin getroffen. Wir sind nach Kreuzberg gefahren, um dort die Bar Raval aufzusuchen. Es handelt sich dabei um eine Tapasbar, in der man die echten spanischen Tapas serviert bekommt. Kleine Info am Rande: Daniel Brühl ist Miteigentümer dieser Bar. Die Bar war gut besucht, trotzdem wurden wir recht schnell bedient. Wir bestellten zum einen die gemischten warmen Tapas, die sich der Cousin meines Freundes mit seiner Freundin teilte, sowie eine Portion Oliven, Fleischbällchen in Tomatensauce, Kartoffelspalten mit Knoblauchdip, Hühnchen-Schinken-Kroketten und eine Kugel frittiertes Hackfleisch-Kartoffel-Mus. 
Die Speisekarte ist nicht besonders üppig, es gibt jeweils eine kleine Auswahl an kalten und warmen Tapas sowie eine Sonderkarte mit wechselnden Angeboten. Dafür ist die Weinauswahl recht groß. Wir haben uns aber für Bier und Wasser entschieden. Ich persönlich fand alles sehr lecker und kann die Bar Raval für einen netten Abend mit Wein und/oder Snacks für den kleinen Hunger sehr empfehlen.
Donnerstag
Am Donnerstag ging es am späten Vormittag in den Zoo. Diese Idee hatten am Feiertag natürlich viele und so waren die vier Schlangen vor dem Eingang recht lang. Trotzdem ging es schnell voran. Studenten zahlen für eine Tageskarte ohne den Eintritt für das Aquarium 10,00 €. Die Massen, mit denen wir zuvor noch in der Schlange gestanden hatten, verteilten sich auf den vielen, weitläufigen Wegen sehr schnell. Insgesamt habe ich die Tiergehege als alt und nicht-artgerecht empfunden, doch es wird viel gebaut und auch im Eintrittspreis sind 10% Baubeitrag enthalten. Außerdem hat es an vielen Ecken nicht gerade angenehm gerochen, was ich so in noch keinem Zoo erlebt habe. Alles in allem ein netter Ausflug, es gibt aber durchaus schönere Zoos.
Um 16:00 war es dann endlich soweit. Der Grund für unseren Berlinbesuch war, dass ich letztes Jahr auf der ILA einen Flugsimulator-Gutschein gewonnen hatte, den mein Freund einlösen durfte. Er hatte die gewonnene halbe Stunde für 30,- um eine weitere halbe Stunde verlängert. Und so fuhren wir mit der Bahn nach Wedding zu JETSIM. Dort begrüßten uns zwei nette Herren in weißen Hemden und dunkelblauen Krawatten. 🙂 Mein Freund durfte sich seine Strecke(n), die er fliegen wollte, aussuchen und nach einer kurzen Einweisung bestiegen wir zu dritt das Cockpit des A320. Ich durfte die ganze Zeit über hinter den beiden Piloten sitzen und habe fleißig Fotos geschossen. Als erstes wurden unglaublich viele Knöpfe und Schalter gedreht, umgelegt und zum Leuchten gebracht, bevor wir mit einem Pushback am Flughafen Köln-Bonn begannen. Es folgten eine Platzrunde über Köln und eine erste sichere Landung. Danach switchte der Co-Pilot auf den nächsten Flughafen: Sint Maarten. Das besondere hier: Die Start-/Landebahn liegt direkt hinter dem Strand. Wer mag, kann ja mal nach Fotos im Internet suchen. Als letzten sind wir vom neuen Flughafen in Hong Kong zum alten Flughafen, der mitten in der Stadt liegt, geflogen. Auch wenn ich nur zugeschaut habe und nicht wirklich viel vom Piloten-Latein verstehe, hat es wirklich Spaß gemacht und mein Freund war sowieso begeistert. Er strahlte wie ein Honigkuchenpferd! 🙂 

Am Abend zuvor hatten wir den Tipp bekommen, zu Pizza Dach in Friedrichshain zu gehen. Hier stehen jeweils 50 Sorten Pizza und Pasta zur Auswahl. Eine 26 cm Pizza kostet 2,50 €, Pasta 2,90 €. Pizza Dach besteht aus einem kleinen Raum mit einem Getränkekühlschrank und einer Theke, hinter der zwei Herren im Akkord Pizzateig formen und belegen. Trotz des großen Ansturms kann man seine Pizza bereits nach wenigen Minuten auf den Holzbänken und –tischen vor dem Laden genießen. Die Pizza schmeckte zwar nicht außergewöhnlich gut, doch sie war lecker und das Preis-/Leistungsverhältnis stimmte 100%ig.

Freitag
Freitagvormittag sind wir zum Gesundbrunnen gefahren. Hier findet man in einem unscheinbaren Pavillon die Berliner Unterwelten e.V. Dabei handelt es sich um einen Verein, der die Stadt unter der Stadt erforscht und die Anlagen für Touristen öffnet. Insgesamt werden acht verschiedene Touren mit einer Dauer von 60 bis 150 Minuten angeboten. Der Preis für eine Tour liegt bei 6,00 € bis 18,00 €. Wir haben uns für die Tour M- Mauerdurchbrüche entschieden. Diese Tour dauert 120 Minuten, kostet für Studierende 10,00 € und startet an einer ehemaligen Bunkeranlage an der Bad-/Ecke Hochstraße. Unsere Gruppe wurde durch einen jungen Mann, der ein wenig an Kurt Krömer erinnerte und eine junge Frau begrüßt. Die Tour wurde von ihm geleitet und sie begleitete sie als Assistentin. Erst einmal ging es hinab in den Bunker, der ursprünglich als Aufenthaltsraum für U-Bahn Mitarbeiter dienen sollte. Hier gab es eine kurze Einführung, bei der bereits deutlich zu erkennen war, dass „Kurt Krömer“ diesen Job mit Leidenschaft ausübte. Die gesamte Tour enthielt zwar viele Daten und Fakten, doch er verstand es, diese in witzige, lockere Monologe zu verpacken und konnte auch jede Frage der Teilnehmer beantworten. Wie der Name der Tour verrät, geht es um Fluchtwege von Deutschland nach Deutschland bzw. von Berlin nach Berlin. Nach einem längeren Aufenthalt im Bunker, durch den wir auf verschlungenen Pfaden wanderten und in dem wir bereits viel über die verschiedenen Arten der Fluchten und der Fluchtverhinderungen lernten, landeten wir in einem U-Bahnhof und fuhren zwei Stationen bis an die ehemalige Grenze. 
Hier befindet sich auch der Berliner Mauerweg, auf dem stilisierte Skulpturen alte Wachtürme und Mauerpfeiler darstellen. Eine Rasenfläche lässt erahnen, wo sich der Todesstreifen befand. Hier hielten wir vor mehreren Häusern im ostberliner Teil und erfuhren, wer hier aus welchem Keller in die Freiheit geflohen war. „Kurt Krömer“ erzählte uns von gelungenen Fluchten, Verrätern, dummen Zufällen und der angeblichen Ermordung eines Grenzsoldaten durch einen westberliner Fluchthelfer. Ich war richtig begeistert und ein wenig enttäuscht, als die zwei Stunden vorbei waren; ich hätte gern noch weiteren Geschichten gelauscht. Für mich steht fest, dass ich eine weitere Tour buchen werde, wenn ich das nächste Mal in Berlin bin!

Nach dem informativen Vormittag/Mittag war es Zeit für ein weiteres kulinarisches Highlight. Ein Freund hatte uns das australische Restaurant Corroboree empfohlen. Es ist gleich zweimal in Berlin vertreten: Im Sony Center und an der Museumsinsel. Wir sind zur Friedrichstraße gefahren und dann zum S-Bahnbogen 181-183 gelaufen. Bei strahlendem Sonnenschein genossen wir das wirklich leckere Essen. Für mich gab es eine Portion Oliven mit Baguette sowie drei Chickenfingers in einem Mantel aus Kokos und mit einem fruchtigen Mangodip. Mein Freund nutzte das Mittagsangebot und bestellte sich einen BBQ-Burger mit Kartoffelspalten. 
Am Schluss teilten wir uns noch einen Teller Death by Chocolate (Brownies mit Schokoeis, Schokosauce und Sahne). Neben den vielen lecker klingenden Snacks gibt es eine große Auswahl an Salaten und Burgern, aber auch Australische Spezialitäten (z.B. Känguru). Sehr leckeres Essen zu moderaten Preisen! Leider mussten wir sehr lange auf unser Essen warten… Trotzdem würde ich wieder zu Corroboree gehen.
Den Nachmittag haben wir damit verbracht, mit den Linien 100 und 200 durch Berlin kutschiert zu werden und ein Dankeschön für die Verwandtschaft meines Freundes zu kaufen.
Abends sind wir dann nach Neukölln zu einer alten Schulfreundin (ich kenne sie seit der vierten Klasse) gefahren und haben dort auf ihrem kleinen Balkon gegessen, Wein getrunken und bis 2:00 gequatscht. Es war ein sehr schöner Abend! 🙂
Samstagmittag haben wir uns dann auf den Weg zum Hauptbahnhof gemacht, um von dort zurück nach Aachen zu fahren. Da die Strecke zwischen Berlin und Hannover zurzeit erneuert wird und aus die Fahrt aus diesem Grund eine dreiviertel Stunde länger dauert als sonst, hat die Bahn kleine Tütchen mit Joghurt Knusperkissen verteilt. Der ICE war dann auch pünktlich in Hamm und wir haben einen nahtlosen Anschluss nach Köln bekommen. In Wuppertal hatten wir dann einen längeren Aufenthalt wegen eines Feuerwehreinsatzes/Böschungsbrandes. So verpassten wir in Köln den Zug nach Aachen, mussten aber nur 20 Minuten auf den nächsten warten. Den verpassten Zug trafen wir dann in Düren wieder, was uns schon merkwürdig vorkam. Es dauerte nicht lange und wir bekamen die Auflösung: Auf der Strecke zwischen Düren und Aachen war ein Zug liegengeblieben und so sollten wir auf unbestimmte Zeit in trauter Zweisamkeit mit dem in Köln verpassten Zug im Dürener Bahnhof stehen. Unser Lokführer sagte dann durch, dass die nächste Gelegenheit nach Aachen die Euregiobahn sei, da diese eine andere Strecke fahre. Also: Alle aus dem Doppelstockzug in zwei kleine Triebköpfe. Ich habe mich wie in der Sardinenbüchse gefühlt und es strömten immer mehr Menschen in den Zug. Der Lokführer weigerte sich, in dem überfüllten Zustand loszufahren und drohte mit der Bundespolizei. Mein Freund und ich sind dann samt Koffer wieder raus und in den Doppelstockzug, da hatten wir wenigstens bequeme Sitzplätze und die Abfahrtszeit stand ja schließlich bei keinem der drei Züge fest… Insgesamt sind wir dann 1,5 Stunden zu spät in Aachen angekommen.
Berlin gehört zwar nicht zu den Städten, in denen ich gern leben würde, doch die deutsche Hauptstadt ist immer wieder eine Reise wert. Hier gibt es definitiv immer wieder etwas Neues zu entdecken! 🙂

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