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Eine Führung mit Hindernissen oder Die Haupthalle des Flughafen Tempelhof ist leider gesperrt!

Während wir im asiatischen Imbiss um die Ecke auf unser Essen to go warten, blättere ich gelangweilt in einer Boulevard-Zeitschrift. Zwischen all dem Klatsch und Tratsch aus der Welt von Prominenz und Adel erregt plötzlich ein Foto meine Aufmerksamkeit. Das Gebäude kenne ich doch! Ist das nicht… Grinsend drehe ich die Zeitschrift meinem Freund entgegen. „Guck mal, kommt dir das bekannt vor? Ich denke, wir müssen nicht mehr schweigen!“ Wir sind nämlich mit einem Geheimnis aus Berlin wieder gekommen. Da die Story nun aber auch in der Presse nachzulesen ist, dürften die Besucher des Flughafen Tempelhof wohl ab sofort von ihrer Schweigepflicht entbunden sein.

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Tempelhofbesucher in geheimer Mission

„Wir kommen jetzt gleich zum Hof 3. Deshalb möchte ich Sie bitten, die Kameras auszuschalten“, erinnert uns unser Guide noch einmal. Schon zu Beginn unserer zweistündigen Führung durch die Gebäude des Flughafen Tempelhof hatte sie uns auf kleine Änderungen des Programms hingewiesen. Hollywood höchst persönlich ist vor Ort und das Fotografieren ist in den Kulissen der Tribute von Panem strengstens verboten. Eigentlich dürfen wir nicht einmal wissen, dass es sich um eben diesen Film handelt…

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Während unsere Gruppe im Hof 3 unter strenger Beobachtung steht, sind wir im restlichen Gebäude ganz für uns. Als der Flughafen noch in Betrieb war, muss es hier wie im Ameisenhaufen zugegangen sein. Doch das ist längst Geschichte. Zum Glück werden einzelne Gebäudeteile aber kurz- und auch längerfristig – beispielsweise für Events – vermietet. So kann der einst so wichtige Flughafen Tempelhof erhalten bleiben.

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Auf Spurensuche

Kreuz und quer führt uns unser Guide durch die alten Gebäude und geht mit uns auf Spurensuche. Denn Spuren haben hier viele der ehemaligen „Bewohner“ hinterlassen. An den Wänden der Luftschutzbunker sollten während des Zweiten Weltkriegs Malereien für Erheiterung sorgen. Nicht nur wegen der stickigen Luft, die hier unten herrscht, muss ich die Nase rümpfen. Erheiterung? Wohl kaum…

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Den Amerikanern, die nach dem Krieg in Tempelhof ansässig waren, hat es scheinbar an nichts gefehlt. Hinter einer Wand aus Spanplatten verbirgt sich ein Squash-Feld aus dieser Zeit. Weniger gut erhalten ist die hauseigene Bowlinganlage. Genauer gesagt sind hiervon nur noch die Starkstromanschlüsse und die angrenzende Kantine übrig. Gleich nebenan lädt eine Sporthalle zu einer Runde Basketball ein.

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Doch nicht nur die Menschen haben in Tempelhof ihre Spuren hinterlassen, auch wenn sie meist nicht ganz unbeteiligt waren. Die rußgeschwärzten Wände und Decken des verwinkelten Filmbunkers zeugen noch heute von dem tagelangen Brand, der hier gewütet hat. Als die Russen nach dem Zweiten Weltkrieg den verschlossenen Bunker vorfanden, sprengten sie die dicken Türen einfach in die Luft. Was sie nicht wussten: In den dahinter liegenden Räumen lagerte Filmmaterial. Das Zelluloid fing sofort Feuer und brannte drei Tage lang.

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Das Beste kommt zum Schluss!?

„Ob wir jetzt endlich in die Haupthalle gehen?“ raune ich meinem Freund ungeduldig zu. Die schicke Abfertigungshalle ist nämlich der eigentliche Grund meines Besuchs des Flughafen Tempelhof. Schon oft habe ich sie auf Fotos bewundert und mir gewünscht, einmal durch diese Halle zu wandeln.

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Mindestens einem weiteren Teilnehmer der Führung scheint es genauso zu gehen, denn er erkundigt sich bei unserem Guide. „Nein, die Halle ist leider gesperrt!“ Hollywood! Verständlich, dass die Traumindustrie der USA Vorrang hat, schließlich bringen sie das Geld nach Tempelhof. Eine Enttäuschung ist es trotzdem. Aber gut, so habe ich einen Grund, noch einmal wiederzukommen…

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4 Kommentare

  1. Im März hatte ich ja noch Glück und durfte in die Halle und auch den Vorplatz fotografieren. Aber wie ich sehe habt ihr dafür noch ein paar andere Sachen gesehen. Die Küche/Mensa haben wir damals nicht besuchen dürfen. Es scheint so als lohnt es sich also, mehrmals da mal vorbeizuschauen :D

    • Jessi sagt

      Ja, scheint so! Ich werde auf jeden Fall noch mal versuchen, in die Haupthalle zu kommen. :-)

      Sonnige Grüße
      Jessi

  2. Definitiv ein Ort, denn ich auch gerne besuchen würde! Das Foto mit den blauen Türen (Spurensuche) sieht so ein wenig nach Gefängnis aus. Welche Funktion hatte denn der Trakt? Und was war auf dem Filmmaterial? Propaganda aus WWII-Zeiten? Spannender Ort! Sonnige Grüße, Jutta

    • Jessi sagt

      Der Raum mit den grauen Türen ist einer von vielen Luftschutzbunkern gewesen. Auf den Filmrollen waren Aufnahmen vom Flughafen, teilweise aus den ersten Jahren. Sehr schade, dass die nicht mehr vorhanden sind.

      Liebe Grüße
      Jessi

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