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Kaffeeklatsch mit: Anja, Volunteer in Afrika

Eigentlich lebt Anja in Rheinland-Pfalz und ist mit diesem Bundesland beruflich wie privat fest verbunden. Doch auch sie zieht es – wie die Reiseblogger, mit denen sie häufig in Kontakt steht – immer wieder in nahe und ferne Länder. Im letzten Jahr hat sie eine ganz besondere Zeit in Südafrika erlebt. Denn dort hat sich Anja im Rahmen des Projektes African Impact engagiert. Wie es war, Elefanten und Löwen ganz nah zu sein und gleichzeitig Gutes zu tun, hat sie mir in diesem Kaffeeklatsch mit… verraten.

Titelbild bearbeitet

Fernweh und so: Im letzten Jahr warst du im Rahmen des Projektes African Impact in Südafrika. Kannst du uns kurz erzählen, worum es bei diesem Projekt geht?

Anja: African Impact, eine Volunteer-Organisation mit Sitz in Südafrika, hat sich als Ziel die soziale und ökologische Entwicklung der Regionen/Länder in Afrika gesetzt. Über nachhaltig gestaltete Volunteer-Projekte zu den Bereichen Forschung und Erhaltung der Umwelt, möchte African Impact dieses erreichen. Neben Südafrika gibt es Projekte in Zambia, Kenia, Tanzania, Zimbabwe, Äthiopien, Madagaskar, Uganda, Sansibar, Malawi, Seychellen  und Namibia. Es stehen nicht nur Wildlife-Research und Conservation auf dem Programm, sondern man kann in Schulen, Kranken- und Waisenhäusern, Naturschutzgebieten mitarbeiten.

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Fernweh und so: Was war deine Motivation, deinen Urlaub als Volunteer zu verbringen und warum hast du dich für dieses Projekt entschieden?

Anja: Etwas von dem, was ich kann, was ich habe, was mich bewegt mit einzubringen in solchen Regionen und bei den Menschen, bei denen eine gute Schulausbildung und jeden Tag mehre Mahlzeiten auf dem Tisch keine Selbstverständlichkeit sind.

Es ist mir absolut bewusst, dass Entwicklungshilfe in vielen Fällen wortwörtlich „in der heißen Sonne Afrikas verdunstet“ (siehe Intransparenz, Korruption, Ineffizienz, fehlende Demokratie). Und das Problem  der Korruption und des Amtsmissbrauchs kann ich nicht lösen, dieses können nur die Menschen in Afrika selbst. Aber ich kann mit unterstützen, eine Basis zu schaffen für eine wirtschaftliche, soziale, politische und kulturelle Entwicklung: eine schulische Grundbildung! Damit die Menschen in die Lage versetzt werden können, ihre eigene Zukunft zu gestalten.

Ich bin interessiert am Zusammenwirken von Mensch und Natur, den Besonderheiten des Zusammenspiels und die beeindruckenden Naturgewalten. Schon während meines Geographie-Studiums hatte mich der afrikanische Kontinent  fasziniert und ich hatte die tolle Chance, mit meinem Prof auf eine 5-wöchige Exkursion nach Ostafrika zu gehen. Seit dem ließ mich der Gedanke, ein Volunteer-Projekt zu begleiten, nicht mehr los. Ich habe länger – mehr oder weniger intensiv – gesucht und schließlich dieses Projekt gefunden, welches nicht von vornherein mit Altersbeschränkungen aufwartete, sondern dazu einlud – egal welchen Alters – mitarbeiten zu können.  Gerne hätte ich auch ein Projekt auf einem anderen Kontinent mit begleitet, aber schließlich wurde es doch wieder (Süd)Afrika. Vielleicht, weil ich hier in etwa einschätzen konnte, was mich erwartet (ganz so mutig bin ich eben nicht), denn  ich bin 2005 bereits ca 5000 km quer durch Südafrika gereist.

Fernweh und so: Wie genau sah ein typischer Tag als Volunteer in Afrika aus?

Anja: Früh aufstehen. Früh schlafen gehen. Oft gingen wir bereits um 05.00 Uhr auf einen Drive. Wir zählten die Tiere in den zwei Reservaten Thanda und Mduna auf jeder Tour. Halfen dem Conservation-Team bei der Erfassung der Routen der Tiere. Wir schnitten die Wege in den Reservaten frei, halfen in der Community in Mange mit (Gemüsegarten, Chicken-Projekt, Sanitärgebäude-Bau und -Anstrich). Leider waren Weihnachtsferien, so dass wir nicht in der Schule bzw. im Kindergarten zum Einsatz kamen.

Der Fokus von mir und sechs weiteren Volunteers lag auf der Vervollständigung der Bilddatenbank von African Impact. Auf Basis der Bilddatenbank werden u.a. Presseanfragen bedient und hierüber weitere Einnahmen für die Projekte generiert. Die Fotos werden auch für Schulbücher der Kinder in der Community genutzt. Damit sie lernen, wie schützenswert der Lebensraum ist, der sie umgibt. Was man nicht kennt, kann man nicht wertschätzten. Wir hatten verschiedene Themen zu bedienen und zu fotografieren: Wildblumen, Bäume, Vögel….. Jeder Drive diente uns dazu, diese Themen zu fotografieren. Die „besten“ Fotos wurden danach durch uns besprochen, bearbeitet, dokumentiert, verschlagwortet, in die Datenbank eingepflegt. Auch wurden die Fotos vom Conservation-Team eingesetzt zum Anlegen ihrer Registerkarten für die Tiere, über die z.B. die Löwenjungen etc. identifiziert und deren Entwicklung dokumentiert werden können.

Ab Freitagmittag bis Sonntag hatten wir frei und konnten (Wochenend)Ausflüge unternehmen. Ich wollte eigentlich nochmals in die Drakensberge und mal nach Mosambik. Aber auch hier beeinflussten die Weihnachtsferien unsere Möglichkeiten: Es waren hier keine Zimmer mehr zu bekommen – wir haben alle möglichen Kanäle „angezapft“. Schließlich erkundeten wir an den Wochenenden das Umfeld des Reservates, machten tolle Tagestouren und bekamen schließlich doch noch am letzten Wochenende ein Appartement in St. Lucia am Indischen Ozean.

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Fernweh und so: Was waren deine schönsten, aufregendsten oder einprägsamsten Momente in dieser Zeit?

Anja: Schwierig. Alles war aufregend. Einprägsam. Schön.

Aufregend war es z.B. direkt am ersten Tag, als wir nach unserem Unterricht auf einen Drive waren und einer Elefantenherde begegneten. Wir standen, warteten. Ich saß im Wagen hinten. Plötzlich kommen hinter uns zwei Elefantenbullen aus dem Gebüsch, die miteinander kämpfen. Sie gehen aggressiv aufeinander los, drängen sich gegeneinander weg. Das Ganze geschieht vielleicht maximal fünf Meter von mir weg. Als dann auch von vorne Elefanten auf unseren Wagen zuschreiten, wird mir schon etwas mulmig und ich hoffe ganz stark, dass unser Guide einen Plan B hat und wir gut aus dieser Situation heraus kommen.

Am schönsten waren für mich die Begegnungen mit der Löwenfamilie. Mutter und Tochter haben mit einem Abstand von einem Monat je drei Junge zur Welt gebracht. Vater aller sechs Jungen: Skhondla. Als ich in Südafrika war, waren diese Jungen zwischenzeitlich acht bzw. neun Monate alt. Mit Sinda, unserem Guide und „Löwenflüsterer“, war ich ganz oft auf einem Drive. Er hat es fast auf jedem Drive geschafft, die Löwen aufzuspüren, so dass wir die Löwenfamilie beobachten konnten. Bei der ersten Begegnung mit der kompletten Familie sind diese nach zwei Stunden spielen, trinken, schlafen auf uns zugeschritten, an uns vorbeigeschritten – uns feste im Blick. Eines der Jungen blieb direkt am Wagen stehen, schaute mich an – ich hätte die Hand ausstrecken können, um ihm über den Kopf zu streicheln, so nah war es – wartete schließlich auf Skhondla und zieht dann mit der ganzen Familie weiter. Diese Situation wiederholte sich ein paar Tage später – allerdings bleibt hier die Löwenmutter stehen und nimmt uns ins Visier. Die Löwen hatten tagelang nichts gegessen. Hier ist die Situation schließlich brenzlig, Sinda wirft den Wagen an und gibt Vollgas.

Löwengebrüll hörten wir auch fast jede Nacht, sie waren immer um unser Camp herum.

Einprägsam ist die Herzlichkeit der Zulu, bei denen wir zu Gast waren. Das miteinander Lachen, die kleinen Gesten der Freude und Freundlichkeit, das Miteinander. Meine Versuche, Zulu zu sprechen. Unser gemeinsamer „Spinat-ernten-Tag“ in Mange – der Gemüsegarten wurde gemeinsam mit African Impact angelegt. Mit den Einnahmen wird wieder Saatgut gekauft. Nicht nur die Familien werden hierdurch ernährt – in dieser Region liegt die Arbeitslosenrate bei 80% -, die Zulu bauen sich hierüber ein kleines Geschäft auf und führen den Gemüsegarten weiter.

Wir haben im Camp gemeinsam Weihnachten und Silvester gefeiert und die Tänze der Zulu versucht. Eine Djembe habe ich seit mehrere Jahren zu Hause, auch schon einige Unterrichtsstunden – hier mitten im Busch, rund ums Lagerfeuer bei sternklarer Nacht ist’s toll, den Djembe-Klängen zu lauschen (ich habe es nicht gewagt, hier mal selbst zu spielen).

Fernweh und so: Hat dich das Projekt in irgendeiner Weise verändert?

Anja: Schon bei meinem ersten Afrika-Besuch lernte ich, was die Aussage bedeutet „Ihr Europäer habt die Uhr. Wir haben die Zeit“. Manche Dinge werden nicht besser oder schneller umgesetzt, wenn man mit Stress und Hektik an diese herangeht. Manche Reaktion ist geschickter und weniger verdrießlich, wenn man vorher nochmal durchatmet, statt impulsiv zu reagieren. Und dass man – auch wenn man nur sehr sehr wenige Worte in der jeweiligen Sprache kennt, ein Lachen und Lächeln wird überall verstanden – auf Augenhöhe mit gegenseitiger Wertschätzung in vielen kleinen Schritten viel erreichen kann.

Auch ich kann ein Baustein sein und mithelfen. Zeichen setzen.

Fernweh und so: Was würdest du jemandem raten, der ebenfalls mit dem Gedanken spielt, als Volunteer nach Afrika zu gehen?

Anja: Interesse an den Menschen mitbringen, am Land. Sich vorher mit dem Kontinent, dem Land etwas auseinandersetzen.

Afrika ist anders. Hier ist nicht ein gerader Strich zwischen zwei Punkten der kürzeste Weg.

Fernweh und so: Liebe Anja, vielen Dank für das interessante Interview. Das klingt wirklich alles sehr eindrucksvoll!

Anja: Danke Dir, Jessi, für die Idee und das Interesse an „meinem“ Projekt African Impact im Rahmen Deines Kaffeeklatsches!

Wer mehr über Anjas Zeit in Afrika erfahren möchte, sollte unbedingt einmal auf ihrem Blog vorbei schauen.

Ich freue mich über das Teilen dieses Beitrags:

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2 Kommentare

  1. Was für ein interessantes Interview, liebe Jessi. Ich ziehe vor jedem Menschen, der sich in irgendeiner Art und Weise als Volunteer engagiert den Hut. Ganz toll.
    Liebe Grüße, Heike

    • Jessi sagt

      Vielen Dank! Ich finde es auch sehr interessant und spannend, was Anja da gemacht hat!

      Sonnige Grüße
      Jessi

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