Kaffeeklatsch mit: Sabine

Kaffeeklatsch mit… soll einen festen Platz bei Fernweh und so bekommen. Ich möchte interessante Menschen interviewen, die tolle Geschichten zum großen Thema Reisen zu erzählen haben. Wenn ihr auch jemanden kennt, der sein Erlebtes unbedingt mit uns Reiselustigen und Fernwehgeplagten teilen sollte, dann freue ich mich über eure Vorschläge.

 

Heute möchte ich euch eine Freundin und ehemalige Kollegin vorstellen, die vor einiger Zeit in die USA ausgewandert ist. Im Interview verriet mir Sabine, was sie dazu bewegt hat, in die USA zu gehen und wie sie dort lebt.

Sabine hat in den USA ihre neue Heimat gefunden.

Fernwehundso: Du lebst jetzt schon fast zwei Jahre in den USA. Magst du meinen Lesern kurz erzählen, warum du ausgewandert bist und wohin?

Sabine: Ich lebe in Ledgewood, New Jersey, das liegt ca. 50 Minuten (ohne Stau!) westlich von New York City.
Der Wunsch, in einem fremden Land zu leben, bestand schon seit der 11. Klasse (ich war damals auf einer Highschool in Quebec, Kanada). Ich bin froh, in meinem Mann jemanden gefunden zu haben, der den gleichen Wunsch hegte. Anders ist es auch kaum möglich. Dass es die USA geworden sind, war übrigens Zufall – es hätte auch jedes andere Land sein können (wobei unsere persönliche Einschränkung war, dass wir beide die Sprache können wollten).

Fernwehundso: Ihr wohnt recht nah an New York. Ein Traum von sehr vielen. Fahrt ihr oft in die Stadt die niemals schläft?

Sabine: Das hängt ganz davon ab, wen man fragt. Für unsere NJ Freunde und Kollegen fahren wir sehr häufig – viele von ihnen waren schon mehrere Jahre nicht mehr in NYC.
Es gibt Monate, in denen wir gar nicht da waren und dann wieder Monate, an denen wir fast jede Woche fahren. Mein Mann kommt öfter hin, da er ab und an in der City arbeiten muss.

Fernwehundso: Ist es für dich schon richtig Alltag oder ist dir bewusst, dass du einen Traum lebst?

Sabine: Die meiste Zeit über ist es Alltag für uns.Wir führen ein recht geregeltesLeben, gehen ganz normal arbeiten, ins Gym, haben Hobbies, treffen Freunde.
Doch ab und an wird man erinnert, dass man dort lebt, wo andere Urlaub machen: Wenn man auf einem business trip mal eben einen Abstecher nach Washington D.C. machen kann. Wenn der Kurztrip über ein verlängertes Wochenende in die Karibik geht. Oder wenn man am Hochzeitstag mitten in der Woche nach NYC zum Dinner fährt. Und eigentlich sowieso immer, wenn wir in die City fahren und die Skyline von Manhattan vor unseren Augen auftaucht… dann macht das Herz einen kleinen Freudensprung.

Fernwehundso: Ist es dir schwer gefallen, dich an die neue Kultur, an das neue Land zu gewöhnen oder hast du dich schnell eingelebt?

Sabine: Ich habe mich sehr schnell eingelebt. Anfangs habe ich noch lange Listen geführt, auf denen ich die Unterschiede zu Deutschland festgehalten habe. Da standen dann Sachen drauf wie: „Amerikaner putzen sich nicht in der Öffentlichkeit die Nase“ oder „Essen aus dem Restaurant wird in sogenannten Doggy Bags mit nach Hause genommen.“ Also nichts, woran man sich nicht gewöhnen kann.
Mit einer Sache werde ich allerdings wohl nie klarkommen: Sobald Gäste zu Besuch sind oder auch für das eigene BBQ nutzen die Amerikaner zu 99% Pappteller und Plastikcups. Auch im Hotel gibt es beim Frühstücksbuffet Plastikgeschirr. Vom Umweltbewusstsein einmal abgesehen; mit meinem Verständnis von Esskultur geht dies einfach nicht einher.

Fernwehundso: Was gefällt dir an den USA besonders gut?

Sabine: Das ist einfach, weil mir die Frage schon oft gestellt wurde: Die Freiheit, der blaue Himmel und die Weite des Landes. All dies führt dazu, dass ich hier besser „atmen“ kann.
Hinzu kommen unser Haus, der Pool, und die Tatsache, dass wir hier insgesamt viel mehr unternehmen als in Deutschland. Man sagt, NJ sei der abwechslungsreichste Staat der USA mit dem größten Freizeitangebot.
Die Leute sind weitaus freundlicher als in Deutschland. Viele Touristen meinen, das sei eine aufgesetzte Freundlichkeit. Dem ist gar nicht so. Im Gegenteil, es ist wesentlicher Bestandteil der Erziehung.
Auch im Beruf lerne ich viel von der amerikanischen Kultur. Sie sind einfach super im Präsentieren – auch ohne Powerpoint oder Notizen. Das liegt daran, dass man schon im Kindergarten Präsentationstechniken lernt. Da heisst es dann „Bringt euer Lieblingsstofftier mit und stellt es den anderen vor“.
Die Natur und das 90% schöne Wetter sind ausserdem faszinierend. Fast täglich sieht man Waschbären oder Rehe im Vorgarten, ab und an einen Bären. Der Strand ist nur eine Stunde weit weg, der Arbeitgeber stellt Fitnessstudio, Kayaks, Bikes, etc.
(If you don’t stop me, I can go on and on and on…;-))

Fernwehundso: Und welche typisch deutschen Dinge/Gewohnheiten vermisst du?

Sabine: Urlaub! Davon habe ich hier nur 10 Tage im Jahr. Ausserdem muss man auch Urlaubstage opfern, wenn man krank ist. Von diesen so genannten Sick-days habe ich pro Jahr 5 zur Verfügung – darüber hinaus wird man nicht bezahlt.
Das Vermissen hält sich aber sonst in Grenzen. Statt Feuerwerk an Silvester gibts hier Fireworks zum 4. Juli;  statt Karneval gibts Halloween und Lebensmittel kann man sich auch schicken lassen und online bestellen. Insbesondere Brot und Schokolade aus Deutschland schmecken nämlich besser! Den Aachener Weihnachtsmarkt mit Glühwein, Backfisch und Reibekuchen habe ich ein wenig vermisst in der Vorweihnachtszeit. Und es ist natürlich schon etwas anderes, dass man in Deutschland nicht unbedingt auf ein Auto angewiesen ist. Für hier unvorstellbar!

Fernwehundso: Ihr seid auch schon ein paar Mal innerhalb der USA gereist. Welches Reiseziel hat dir besonders gut gefallen?

Sabine: New York City! Immer wieder gerne und zwar solange, bis ich das Gefühl habe, alles mind. einmal gesehen zu haben… wenn das überhaupt möglich ist. Ausserdem haben mir die Florida Keys und die Hamptons gut gefallen. In Las Vegas war es besonders lustig, dass man auf der Straße Alkohol trinken darf. Das sind wir ja gar nicht mehr gewohnt! Und bevor ich es vergesse: Washington D.C. ist definitiv eine Reise wert!

Fernwehundso: Und welche Orte möchtest du unbedingt noch sehen in den USA?

Sabine: Auf meiner Bucket List stehen ganz oben: New Orleans, die komplette Westküste, Chicago zum St. Patricks Day, The Arches National Park in Utha, Cape Cod in Massachusetts und die Outer Banks in North Carolina. Da wir gerne Roadtrips machen, freue ich mich schon, noch viele Orte in den USA zu sehen! Wenn wir doch nur mehr Urlaubstage hätten….

Fernwehundso: Hast du am Schluss vielleicht noch ein paar Tipps für Menschen, die ebenfalls mit dem Gedanken spielen, in die USA auszuwandern?

Sabine: Gebt euch eine Probezeit bevor ihr mit Sack und Pack ausreist. Schaut zu, dass mindestens einer einen Job hat BEVOR ihr auswandert. Sammelt Informationen über Lebenshaltungskosten etc. vor der Gehaltsverhandlung . Macht euch mit dem amerikanischen Credit History System vertraut. Schafft euch eine American Express Credit Card schon jetzt in Deutschland an und zahlt nur noch damit (das sammelt Punkte für die Credit History). Habt ausreichend Geldreserven (insbesondere am Anfang, mit fehlender Credit History, muss man oft bar bezahlen und mehr als es generell kosten würde – das gilt für Mieten, Auto, etc.). Macht euch darauf gefasst, dass nicht alle Freunde und Familie euch unterstützen.
Wenn es konkret wird, könnt ihr mich auch gerne kontaktieren. 🙂

Fernwehundso: Vielen Dank, liebe Sabine, für das aufschlussreiche und sehr interessante Interview!

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7 comments

  1. Ich finde es schön, dass Sabine klar sagt, dass das meiste schon zum Alltag gehört für sie. Ich denken genau das vergessen viele. Und die 10 Tage Urlaub und ein paar Tage Sickdays (bei meiner Schwester waren das „nur“ 4 Tage) sind leider nicht wirklich viel…

    • Ja, sie macht gut deutlich, dass alles seine Vor- und Nachteile hat. Aber sie scheint dort wirklich glücklich zu sein. 🙂

      Liebe Grüße
      Jessi

  2. Hach ich liebe deine Kaffeeklatschrubrik! 10 UT sind aber echt ein Graus, das wäre für mich schon ein KO-Kriterium 😀 Aber schön, dass Sabine dort ihr Glück gefunden hat! Liebste Grüße, Jana

    • Danke, das freut mich! 🙂
      Ja, damit könnte – ich glaube ich – auch nicht leben…

      Liebe Grüße
      Jessi

  3. Hallo;))
    Hier schreibt eine gute Freundin von Sabine;)
    Erstmal grosses Lob an Dich..die Seite find ich super!!
    Ich kann nur bestätigen,das Sabine sehr glücklich in ihrer neuen Heimat ist…Sie hat sich ihren Traum verwirklicht!!Obwohl Sie mir hier sehr fehlt..aber ich bewundere Sie immer wieder aufs neue!!!Wenn man einen Traum hat und die Sache richtig angeht..so wie Sabine und ihr Mann…dann kann es schon ein sehr schöner Traum sein!!Sie hat es geschafft und hoffe von ganzen Herzen…das bleibt auch so!Von hier aus einen ganz lieben Gruss an Dich Bine..miss you..und im nächsten Jahr sehn wir uns wieder!
    Also..alle die so einen Traum haben..macht was drauss…es kann sich lohnen!!LG aus Germany;)

    • Vielen lieben Dank! 🙂
      Ja, ich freue mich auch sehr für Sabine, dass es ihr in den USA so gut geht! Ich werde mich im Herbst mal persönlich davon überzeugen… 😉

      Liebe Grüße
      Jessi

  4. Jessi………
    Du wirst es liiiiiiieben;)
    1x da gewesen…und Du willst immer wieder hin;)
    Ist zwar noch was hin…aber trotzdem…jetzt schonmal viel Spass;)
    LG Sandra

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