Deutschland, Kulinarisches
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Ich habe mich von Dresden um den Finger wickeln lassen

Während mein Mann unseren Mietwagen abholt, sitze ich in der Hotel-Lobby und starre durch die großen Fenster nach draußen in den Regen. Auch wenn ich mich auf unser nächstes Reiseziel Görlitz freue, fällt mir der Abschied von Dresden schwer. Hinter uns liegen zwei richtig tolle Tage in Sachsens wunderschöner Hauptstadt. Ich kann nicht sagen, woran genau es liegt – am traumhaften Wetter, an den kulinarischen Köstlichkeiten oder daran, endlich mal wieder zu reisen und für ein paar Tage unbeschwert durchs Leben zu laufen – aber ich habe mich in Dresden verliebt. Mein letzter Besuch liegt lange zurück; die Frauenkirche war damals noch eingerüstet. Es wurde also höchste Zeit und hat sich mehr als gelohnt. Dass es ausgerechnet kurz vor unserer Abfahrt zu regnen beginnt, macht den Abschied um einiges leichter. Ihr ahnt es: Ich kann euch einen Kurztrip nach Dresden definitiv empfehlen und zeige euch jetzt mal, warum.

Ein Hauch von Wien in Dresdens Altstadt

Da wir mit der Bahn von Aachen nach Dresden angereist sind, haben wir uns für ein Hotel am Bahnhof entschieden. Hier beginnt auch die Fußgängerzone und wir sind quasi mitten in der City. Die Altstadt mit all ihren schönen restaurierten Gebäuden ist fußläufig erreichbar. Und dorthin zieht es uns auch, nachdem wir uns in unserem Hotelzimmer eingerichtet haben. Wir haben eine lange Zugfahrt hinter uns und es ist später Nachmittag – gute Voraussetzungen für ein Stück Eierschecke. Und das gönnen wir uns in einem süßen kleinen Café direkt hinter der Frauenkirche. Das Dresdner Kaffeestübchen ist mir von einer Kollegin empfohlen worden und scheinbar sehr beliebt. Wir müssen eine Weile warten, bis wir Platz nehmen und unser Stück Kuchen genießen können.

Erstmal mit einem Stück Eierschecke stärken

Gut gestärkt spazieren wir an der Frauenkirche vorbei und steigen die Stufen zum Terrassenufer hinauf. Spätestens jetzt fühlt es sich so richtig nach Urlaub an. Rechts von uns fließt die Elbe, links stehen alte, wieder herausgeputzte Gemäuer dicht an dicht, während um uns herum fröhlicher Großstadttrubel herrscht und ein paar riesige Seifenblasen durch die warme Sommerluft schweben. Fast hätte ich das Planetendenkmal übersehen, auf dem ich plötzlich stehe. Lasst euch also nicht nur von den Fassaden in den Bann ziehen, sondern schaut auch ruhig ab und zu mal nach unten.

Ich sehe die Frauenkirche das erste Mal ohne Gerüst

Auf dem Terrassenufer schlendert man an hübschen historischen Gebäuden vorbei

Fast wäre ich am Planetendenkmal von Vinzenz Wanitschke vorbei gelaufen

Wir kehren der Elbe den Rücken zu und steigen die Stufen wieder hinab in die Altstadtgassen. In der Augustusstraße lesen wir uns jeden der zahlreichen Namen des Fürstenzugs – einem Porzellanmosaik sächsischer Herrscher – durch. Einige sind so kurios, dass sie uns zum Schmunzeln bringen. Die Rückseite des Fürstenzugs, der sogenannte Stallhof, ist übrigens auch sehr hübsch.

Die Kuppel der Frauenkirche ragt über die Dächer der Altstadt hinaus

Ein Teil des Fürstenzugs

Auf der Rückseite des Fürstenzugs befindet sich der Stallhof

Wir kommen am Residenzschloss vorbei, in dem sich auch das Grüne Gewölbe befindet, und stehen der Semperoper gegenüber. Vor vielen Jahren habe ich mal an einer Führung durch das Opernhaus teilgenommen. Ein beeindruckendes Gebäude – von außen und innen.

Direkt neben der Semperoper liegt der Dresdner Zwinger – ein barocker Gebäudekomplex mit Gartenanlage. Wir spazieren durch den Garten und steigen die Treppen zur Galerie hinauf. Von hier oben hat man einen tollen Ausblick auf den Zwinger und die umliegenden Gebäude. Ich lehne mich an die Mauer, beobachte die Spaziergänger unter mir und lausche der klassischen Musik, die ein kleines Orchester gerade im Wallpavillon spielt. Ein bisschen ist Dresden wie Wien: Statt Sachertorte gab es heute Eierschecke, der Stephansdom heißt Frauenkirche und statt in der Hofburg stehe ich im Zwinger. Gewisse Parallelen lassen sich nicht leugnen und wunderschön sind beide Städte.

Im Dresdner Zwinger kann man auf der Galerie flanieren

Ein perfekter Sommertag in Dresden

Ein Spaziergang durch die hippe Neustadt

Am nächsten Tag verlassen wir die Dresdner Altstadt über die Augustusbrücke und erkunden die Neustadt. Während wir zu Beginn durch schmale, verwinkelte Straßen mit historischen Wohnhäusern spazieren, erwartet uns nördlich des Albertplatzes ein ganz anderes Dresden. Die äußere Neustadt ist alternativ, jung und hipp. Hier reihen sich Szenelokale, coole Klamottenläden und Eventlocations aneinander. Die Häuser werden wahrscheinlich größtenteils von Studenten bewohnt und wenn nicht gerade Corona ist, steppt hier nachts garantiert der Bär.

Was ist denn hier passiert? Kunst in der Neustadt

Ob in der Neustadt besonders kleine Menschen wohnen?

Auch ein Besuch der Neustadt lohnt sich

Wir laufen ein Stück die Alaunstraße entlang, schauen neugierig in die unterschiedlichen Schaufenster und biegen dann rechts in die Kunsthofpassage ab.

Auf der Homepage heißt es:

Vor mehr als 20 Jahren entstand die Idee, heruntergekommene Hinterhöfe der Dresdner Neustadt zu beleben. Mit den Kunsthöfen zwischen Alaunstraße 70 und Görlitzer Str. 25 nahm ein Vorzeigeprojekt Gestalt an. Das Ziel, Wohnen, Arbeiten und Leben miteinander zu harmonisieren, spiegelt sich darin wieder. Jeder Hof greift dabei ein eigenes Thema auf und zeigt das in seiner Fassadengestaltung.

Wasserspiele in der Kunsthofpassage

Nach einem Bummel durch die Kunsthofpassage schlagen wir den Rückweg Richtung Elbe ein. Doch statt über die Albertbrücke zurück in die Altstadt zu laufen, bleiben wir auf dieser Flussseite und spazieren Richtung Osten. Mittlerweile ist es richtig heiß geworden und mein Magen bemerkt die Mittagszeit. Wir brauchen also dringend eine kleine Pause mit Snacks und kühlen Getränken. Unser Ziel ist deshalb das Brauhaus am Waldschlösschen, auf dessen gut besuchter Terrasse wir sogar einen Platz ergattern.

Blick auf die Altstadt von der Waldschlösschenbrücke aus

Über die Waldschlösschenbrücke und anschließend entlang der Elbe geht es nachmittags wieder zurück ins Hotel, wo wir uns eine kleine Siesta gönnen und für unser Abendprogramm parat machen.

Wir haben einen Tisch auf der Terrasse des Yenidze reserviert. Das Restaurant befindet sich in einer ehemaligen Zigarettenfabrik, die im Stil einer Moschee errichtet wurde. Das Gebäude fällt definitiv auf und von der Terrasse hat man einen herrlichen Blick auf die Stadt und die imposante Kuppel der ehemaligen Fabrik. Während wir unseren Aperitif genießen, geht hinter uns langsam die Sonne unter. Ein Blick in die Speisekarte verrät, dass hier neben orientalisch angehauchten Gerichten auch Spezialitäten aus Sachsen angeboten werden. Doch wir entscheiden uns für den Harems- und den Kalifenschmaus.

Über Dresden geht langsam die Sonne unter

Die ehemalige Zigarettenfabrik ist im Stil einer Moschee erbaut

Wir genießen den Abend bei einem leckeren Essen mit einer tollen Aussicht

Als wir das Yenidze satt und glücklich verlassen, ist es dunkel geworden und Dresdens Altstadt erstrahlt in einem ganz anderen Licht. Es ist noch angenehm warm, also entscheiden wir uns dafür, nicht auf dem schnellsten Weg ins Hotel zurückzukehren, sondern einen kleinen Spaziergang entlang der Elbe zu machen. Überall stehen und sitzen kleine Grüppchen zusammen, hören Musik, lachen und genießen das Leben. Auf der anderen Flussseite läuft ein Film im Open Air Kino. Ich liebe solche Abende und während wir Hand in Hand durch das Halbdunkel der Uferpromenade schlendern, hat mich Dresden endgültig um den Finger gewickelt.

Auch bei Nacht ist Dresden wunderschön

Dresden von oben

An unserem letzten Tag wollen wir uns Dresden aus der Vogelperspektive anschauen. Noch scheint die Sonne und es sind nur ein paar vereinzelte Wolken unterwegs. Nach dem Frühstück und dem Checkout fahren wir mit der Bahn bis zum Blauen Wunder und überqueren die Elbe dann auf eben dieser Brücke. Im Stadtteil Loschwitz gibt es zwei Verkehrsmittel, die man nicht so häufig antrifft: Eine Standseilbahn und eine Schwebebahn. Als wir an der Talhaltestelle der Standseilbahn ankommen, wird uns schnell klar, dass wir mit ihr heute nicht auf den Hügel fahren werden. Vor dem Tunnel stehen Baumaschinen und es wird fleißig gewerkelt. Ein kleines Stück weiter finden wir eine funktionstüchtige und abfahrbereite Schwebebahn vor, in die wir nach dem Ticketkauf noch fix reinhüpfen.

Über das Blaue Wunder geht es nach Loschwitz

Oben angekommen werfen wir einen Blick in die kleine Ausstellung zu Dresdens 100 Jahre alten Einschienenbahn und genießen anschließend den Blick auf das Blaue Wunder, die Elbe und die markanten Türme der Dresdner Altstadt. Wir entdecken sogar eine kleine Sternwarte, die sich wohl in Privatbesitz befindet.

Die Schwebebahn bringt uns nach oben zum Aussichtspunkt

Blick auf die Elbe, das Blaue Wunder und die Altstadt

Bevor wir wieder nach unten laufen, gönnen wir uns ein Kaltgetränk auf der Terrasse des Cafés an der oberen Schwebebahnhaltestelle und amüsieren uns über die lockeren Sprüche des sichtlich gut gelaunten Betreibers. Der anschließende Rückweg führt an hübschen kleinen Häusern, blühenden Gärten und Weinreben vorbei. Zweimal unterqueren wir die Schienen der Schwebebahn, die über unsere Köpfe hinweg Richtung Tal schwebt.

Auf unserem Weg nach unten unterqueren wir die Schwebebahn

Wieder zurück in Dresdens Altstadt spazieren wir zur Frauenkirche, von der wir heute ebenfalls die Aussicht genießen wollen. Zwar müssen wir aufgrund der strengen Sicherheitsvorkehrungen eine Weile anstehen, doch die Schlange ist heute längst nicht so lang wie an den vergangenen Tagen (Wochenende) und wir rücken auch schnell bis zur Kasse vor.

Wir steigen gleich der Frauenkirche aufs Dach

Auf unserem Weg nach oben können wir dank großflächiger Glasscheiben immer mal wieder einen Blick in das Innere der Kirche werfen. Sie ist nicht nur von außen schön anzusehen, sondern auch innen ganz hübsch. Das Highlight ist aber eindeutig die Aussichtsplattform ganz oben. Wir stehen mitten in Dresdens Altstadt und lassen den Blick über die Dächer schweifen. Ein richtig schöner Abschluss eines tollen Städtetrips. Ich komme dich sehr gerne wieder besuchen, liebes Dresden.

Auch von innen ist die Frauenkirche hell und freundlich

Blick von der Frauenkirche auf die Elbe

Unser Abschied von Dresden

Und pünktlich zur Abreise kommt der Regen…

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2 Kommentare

  1. Hallo Jessica,

    ein sehr schöner Bericht. Wir haben vor ein paar Jahren auch Dresden besucht und waren total begeistert von der Stadt. Wie man diese Stadt wieder aufgebaut hat, ist einfach unbeschreiblich.

    Viele Grüße
    Ulrike

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