Wie uns Scotty im Dornier-Museum Friedrichshafen Zutritt zu einer Do 328JET verschaffte

Die Sonne knallt erbarmungslos auf uns herab, von Schatten keine Spur. So ist das nun mal direkt am Flughafen. In diesem speziellen Fall marschieren wir am Zaun zum Gelände des Flughafens Friedrichshafen entlang. Fluglärm? Fehlanzeige! Die größeren Maschinen sind bereits am frühen Morgen gestartet und bis zum Abend wird der Flugverkehr wohl von ein paar Learjets und kleineren Propellermaschinen bestritten. Während wir uns langsam unserem Ziel – dem Dornier-Museum – nähern, zieht über uns ein Zeppelin seine Runden. Mit der Geschichte der Luftschiffe werden wir uns morgen näher beschäftigen, heute sind die Flugzeuge an der Reihe. Mittlerweile sind wir am Museum angekommen und stellen ein wenig amüsiert fest, dass man hier stilecht evakuiert wird: An die oberhalb eines Hügels gelegenen Notausgänge schließen sich tatsächlich Rutschen an.

Über eine Treppe geht es im Museum nicht nur in die oberen Ausstellungsräume sondern auch in die Vergangenheit: Wir reisen in die Kaiserzeit und somit zu den Anfängen der Fliegerei zurück. Wir entdecken Geldscheine mit Millionenbeträgen, eine Zeitung von 1918 und sogar den Versailler Vertrag. Das ist quasi Geschichte zum Anfassen (wenn die schützenden Glasscheiben nicht wären). Während wir uns durch den Ausstellungsraum bewegen und die vielen spannenden Fakten über Claude Dornier in uns aufsaugen, bewegen wir uns auch in der Zeit vorwärts.

 

Auf dem Weg in die Zeit des Nationalsozialismus‘ kommen wir an einer Luftschraube eines Dornier „Wal“ Flugbootes N 25 vorbei und dürfen auch einen Blick in das Innere des Flugschiffes DO X werfen. Die aufwändig dekorierte Passagierkabine entspricht zwar nicht gerade meinem Geschmack, aber es wird deutlich, dass das Fliegen damals der betuchten Bevölkerung vorbehalten war.

Der nächste Abschnitt der oberen Etage beschäftigt sich mit Dornier und seinen Flugzeugen während der NS-Zeit. Der Gang ist relativ kurz, bringt die Dramatik dieser schrecklichen Zeit meiner Meinung nach jedoch gut rüber. Zwar halte ich es für sehr wichtig, sich immer wieder mit diesem Thema auseinander zu setzen, doch bin ich auch froh, die Bilder vom bombadierten Friedrichshafen und die blechernen Audioaufnahmen Hitlers schnell hinter mir lassen zu können.

Der Neuanfang für die deutsche Luftfahrt nach dem zweiten Weltkrieg war alles andere als leicht. Dornier bspw. musste Webstühle bauen, da die Alliierten den Flugzeugbau nicht gestatteten. Doch auch diese Zeit hatte einmal ein Ende, so dass die Forschung und Entwicklung in der deutschen Luft- und Raumfahrt weiter vorangetrieben werden konnte. Mit diesem Abschnitt beschäftigt sich der dritte Raum des Museums. Wusstet ihr, dass das berühmte „Zebraflugzeug“ der Grzimeks auch von Dornier war?

Wir beenden unsere Zeitreise und steigen in den Hangar des Museums herab. Hier stehen alte Schätzchen in Reih und Glied, einige können sogar von innen besichtigt werden. Als wir so durch die Halle streifen, wird das Tor geöffnet: Eine Do 27 aus dem Jahre 1959 ist frisch eingeflogen und soll ebenfalls einen Platz im Museum erhalten. Weitere Flugzeuge stehen auf dem Außengelände und lassen sich die Sonne auf die Tragflächen scheinen. Wir erklimmen die Treppe einer Breguet Atlantic. Sofort schlägt mir heiße, muffige Luft entgegen, doch ich bin zu neugierig, um einfach umzukehren. Da es sich um einen Seefernaufklärer handelt, kommen wir an umfangreicher technischer Ausrüstung vorbei und werfen schließlich einen Blick ins Cockpit. Jetzt aber nichts wie raus und wieder an die frische Luft.

Etwas verunsichert stehen wir vor der Do 328JET: Der Einstieg ist halb nach oben geklappt. Der aus dem Inneren zu hörende Informationsfilm und das Bänkchen vor dem Eingang weisen darauf hin, dass das Flugzeug besichtigt werden darf, allerdings wollen wir nicht eigenmächtig die Tür nach unten klappen. Hier draußen ist kein Museumspersonal zu sehen, also treten wir durch die Tür ins Foyer und tragen unser Problem an der Kasse vor. Da Scotty gerade scheinbar nicht im Transporterraum gebraucht wird, begleitet er uns nach draußen, wechselt ein paar freundliche Worte mit uns und sorgt dafür, dass wir das Flugzeug besteigen können. Manchmal muss einfach der Chefingenieur persönlich helfen. Doch, was macht Scotty eigentlich hier?

Nach unserer kleinen Zeitreise in die Vergangenheit der deutschen Luftfahrt reisen wir direkt in die Zukunft – in die Zeit der Vereinigten Föderation der Planeten. Bis zum 08.09.2017 bietet das Dornier-Museum mit seiner Sonderausstellung „Science & Fiction – 50 Jahre Raumschiff Enterprise“ Einblicke in die Welt von Star Trek. Als bekennender „Next Generation“ Fan freue ich mich natürlich ganz besonders auf diesen Teil unseres Museumsbesuchs.

Kaum haben wir den Bereich der Sonderausstellung betreten, dringen bekannte Geräusche an unsere Ohren: Immer wieder ertönt ein hoher Pfeifton und ab und zu wird der rote Alarm ausgelöst. Fast schon andächtig spaziere ich an den unterschiedlichsten Requisiten aus den verschiedenen Serien des Star Trek Universums vorbei. Obwohl die Ausstellung insgesamt recht klein ist, lerne ich viel über die Hintergründe der Science Fiction Serie. Besonders faszinierend finde ich, dass unsere heutige Technik – vom einstiegen Klapphandy, über Tablets bis zur Videotelefonie – ihren Ursprung in einer amerikanischen Fernsehserie hat. Schade, dass Replicatoren noch nicht ausgereift sind. Selbst wenn ein 3D-Drucker etwas Essbares produzieren könnte, wäre man vor der Fertigstellung wahrscheinlich verhungert.

Highlight der Ausstellung ist für mich auf jeden Fall die nachempfundene Brücke. Neugierig setze ich mich auf den Stuhl des Captains und bekomme eine Virtual Reality Brille sowie Kopfhörer aufgesetzt. Wow, ich sitze tatsächlich in der Enterprise! Es sieht alles unglaublich real aus und ich kann sogar meine Hände sehen, wenn ich sie vor mir bewege. Leider wird mein Raumschiff angegriffen und schließlich bleibt mir nichts weiter übrig als mich auf die in der Nähe befindliche und mittlerweile natürlich ausgediente ISS zu beamen. Beamen tut übrigens gar nicht weh und fühlt sich auch nicht merkwürdig an – habe ich gleich mal für euch getestet.

Meiner Meinung nach lohnt sich der Besuch des Dornier-Museums für alle, die sich mindestens ein bisschen für Luftfahrt interessieren. Ich persönlich finde die Dauerausstellung jedenfalls unglaublich spannend und auch schön abwechslungsreich gestaltet. Die Star Trek Sonderausstellung war für mich eine tolle Zugabe. Allerdings ist sie nicht besonders groß und ich fürchte, dass Fans, die nur wegen der Ausstellung nach Friedrichshafen kommen, enttäuscht sein könnten. Alle wichtigen und aktuellen Infos findet ihr hier.

Vielen Dank an das Dornier-Museum für die Einladung. Meine Meinung wird hierdurch nicht beeinflusst.

 

 

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