Warum Neapel und ich keine Freunde geworden sind

Neapel stand eigentlich nur auf meiner Liste, weil eine Reise nach Capri eben über diese italienische Stadt führt. Außerdem schien mir Neapel perfekt, um nach ein paar Tagen erholsamem Inselurlaub noch eine Stadt zu erkunden und sowohl den Vesuv als auch Pompeji zu besuchen. Also suchte ich uns ein Hotel aus, das möglichst zentral und in unmittelbarer Nähe zum Hafen sowie zum Bahnhof lag. So mussten wir nach unserer Ankunft mit der Fähre von Capri nicht erst lange mit den Öffentlichen durch die Stadt gurken, hatten es nicht weit zu den Zügen, die uns nach Pompeji und Herculaneum brachten, und auch der Bus zum Flughafen fuhr direkt vor der Tür ab. Klingt super? War es aber nicht…

Napoli (1 von 1)

Mit der Piazza Garibaldi hatten wir uns allem Anschein nach die schlechteste Gegend Neapels für unsere Unterkunft ausgesucht. Hier war es tierisch laut, es herrschte das reinste Verkehrschaos und ich hatte ständig Angst, überfahren oder beklaut zu werden. Selbst der Dönermann von nebenan raunte uns zu, wir sollten bloß gut auf uns und unsere Sachen aufpassen. Auch mit der Kanalisation schien Neapel ein Problem zu haben, zumindest zog mir hin und wieder ein entsprechend unangenehmer Gestank in die Nase. Der erste Eindruck war also schon mal alles andere als gut und ich sehnte mich zurück nach Capri. Doch bisher hatte ich die Erfahrung gemacht, dass jede Stadt ihre guten Seiten hat und mit einem gewissen Fünkchen Hoffnung machten wir uns auf, Neapel zu erkunden.

Altes Stadttor (1 von 1)

gegensätzliches Neapel (1 von 1)

In dem Gassengewirr, das sich westlich der Piazza Garibaldi erstreckt, konnte ich mich nicht wirklich entspannen. Hier war es einfach zu eng und zu laut. Immer wieder mussten wir Rollern ausweichen, die ohne Rücksicht durch die Menschenmassen rasten. Wen das aber nicht abschreckt, der sollte sich die alten Bauten und Kirchen, die sich hier tummeln, nicht entgehen lassen. Und für den ein oder anderen ruhigen Moment kann man durch die schweren Holztüren in die Kirchen schlüpfen und den Prunk auf sich wirken lassen.

Napolitanische Statue (1 von 1)

Am Abend des ersten Tages, an dem mich Neapel so gar nicht von sich überzeugen konnte, gab sich die Stadt große Mühe, sich mit mir zu versöhnen. In der Via Cesare Sersale lockte uns Neapel in die Pizzeria da Michele. Wir bestellten die beiden Pizzen, die hier auf der Speisekarte stehen und beobachteten von unserem kleinen Tisch mit karierter Tischdecke das rege Kommen und Gehen. Die Pizzeria schien beliebt zu sein. Als ich mir ein paar Minuten später den ersten Bissen meiner riesigen Pizza auf der Zunge zergehen ließ, kannte ich auch den Grund. Ich habe selten eine so leckere, große und günstige Pizza gegessen. So hatte ich mir Neapel vorgestellt und zumindest für diesen Abend war meine Enttäuschung verflogen.

Castell am Hafen (1 von 1)

An unserem zweiten Neapeltag nahmen wir uns die Gegend westlich der Via Toledo vor und hier gefiel es mir schon viel besser. Hier war es weniger trubelig und auch das Verkehrsaufkommen war überschaubar. Mit der Funicolare ging es erst einmal aufwärts. Vom Castel S. Elmo hat man einen tollen Blick über das Häusermeer von Neapel, in das wir anschließend wieder zu Fuß eintauchten. Doch unser Weg führte uns nicht zurück in die Innenstadt, sondern hin zum Meer. Wasser zieht mich sowieso immer an und hier konnte ich endlich wieder entspannt spazieren gehen und die frische Luft genießen.

Neapels Prunkbauten (1 von 1)

Neapels Häusermeer (1 von 1)

Auf dem Weg Richtung Osten trafen wir auf das Castel dell’Ovo, eine alte Seefestung, die heute als Kongresszentrum dient und kostenlos besucht werden kann. Auch wir stiegen dem Castel aufs Dach und genossen den Weitblick auf die blaue See. Bevor wir wieder zurück zur Piazza Garibaldi mussten, gönnten wir uns noch einen Sundowner in einem der zahlreichen hafennahen Cafés. Neapel hat also auch ein paar schöne Ecken. Trotzdem war ich froh, dass wir die restlichen zwei Tage für Ausflüge nach Pompeji und zum Vesuv verplant hatten.

Castel dell'Ovo (1 von 1)

Mich wird Neapel nur dann wieder sehen, wenn ich noch einmal Sehnsucht nach Capri bekommen sollte oder eine der anderen Inseln im Golf von Neapel besuchen wollte, Ischia zum Beispiel…

Blick auf den Vesuv (1 von 1)

Habt ihr vielleicht andere Erfahrungen mit Neapel gemacht? Oder ging es euch auch schon einmal so in einer Stadt?

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2 Kommentare

  1. Oje! Also ich war vor 14 Jahren in Neapel und mochte die Stadt – allerdings waren wir mit der Schule dort und unsere Italienischlehrerin wusste wohl, wo man gut wohnt.
    Mit der Kanalisation stimmt, dass können sie nicht. Ich fand jedoch Neapel hatte seinen ganz eigenen Flair und würde auch nochmal hinfahren für 2-3 Nächte.

    Liebe Grüße,
    Mila

    • Ja, ich schätze, wenn wir wo anders gewohnt hätten, wäre es vielleicht besser gewesen. Außerdem hätten wir erst anschließend nach Capri fahren sollen. Wäre für die Erholung definitiv besser gewesen. 😉

      Liebe Grüße
      Jessi

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